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Forschungsupdate · Diagnosen & Krankheitsbilder

DiRECT: Gewichtsabnahme in der Hausarztpraxis und Remission des Typ-2-Diabetes, Ergebnisse nach einem und nach zwei Jahren

Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Nach einem Jahr waren 46 Prozent der Programmgruppe in Remission, in der Vergleichsgruppe 4 Prozent (Mensch, randomisierte Studie; Lean et al., 2018).
  • Nach zwei Jahren waren es 36 gegenüber 3 Prozent; wer mindestens 10 Kilo Verlust hielt, war zu 64 Prozent in Remission (Mensch; Lean et al., 2019).
  • Remission gelang, wenn das Fett in Leber und Bauchspeicheldrüse sank und die Beta-Zellen sich erholten, eher bei kürzerer Diabetesdauer (Mensch; Taylor et al., 2018).

Starke Evidenz. Mehrere hochwertige Studien bestätigen den Effekt konsistent.

„Was hat die DiRECT-Studie gezeigt, und heißt Remission, dass mein Diabetes weg ist?“

„Diabetes ist chronisch, die Tabletten bleiben.“ Vielleicht hast du das bei der Diagnose gehört. Und dann liest du von einer Studie, in der fast die Hälfte ohne Medikamente auskam.

Die mechanische Sicht der Medizin behandelt Typ 2 als fortschreitende Erkrankung: Werte messen, Medikamente anpassen, Folgeschäden verhindern. Das ist gut belegt und schützt. Und trotzdem: DiRECT zeigt, dass „fortschreitend“ in den ersten Jahren nicht für alle das letzte Wort ist.

Die energetische Sicht sagt: Der Körper kann sich selbst regulieren, wenn man ihn lässt. Sie hat recht damit, dass Regulation möglich ist. Und trotzdem: Nicht alle erreichten eine Remission, auch nicht mit großem Gewichtsverlust, und das lag nicht am Willen.

Die biologische Sicht verbindet beides: Remission gelingt, wenn Leber und Bauchspeicheldrüse entlastet werden und die Beta-Zellen noch genug Reserve haben.

Oft heißt es: „Wir sind wie ein Auto, das sich abnutzt.“ Ein Stoffwechsel ist kein Motor, der nur verschleißt: Leber und Beta-Zellen reagieren auf Entlastung, solange Reserve da ist.

Was im Körper passiert

Stell dir eine Küche vor, deren Vorratskammer überquillt. Neue Lieferungen bleiben im Flur stehen, der Koch kommt nicht hinterher. So ähnlich beschreibt Taylor die Leber und die Bauchspeicheldrüse bei Typ 2: Fett, das im Fettgewebe keinen Platz mehr findet, lagert sich dort ein. Die Leber wird unempfindlich für Insulin und gibt mehr Zucker ab, die Beta-Zellen werden gebremst (Modell nach Taylor; Taylor, 2013).

In DiRECT sank mit dem Gewicht das Fett in Leber und Bauchspeicheldrüse. Bei einem Teil der Menschen kam dann die schnelle Insulinantwort der Beta-Zellen zurück, und sie gingen in Remission. Bei anderen sank das Fett ebenso, aber die Beta-Zellen erholten sich nicht (Mensch; Taylor et al., 2018). Die Reserve der Beta-Zellen entscheidet also mit, und sie ist bei kürzerer Diabetesdauer größer.

Wozu lagert der Körper Fett in Organen ein? Er sucht einen Platz für Brennstoff, den Muskeln und Mitochondrien nicht abnehmen. Das ist eine Notlösung, kein Defekt, und sie lässt sich zurücknehmen, solange die Zellen dafür Reserve haben.

In der DiRECT-Studie mit 298 Menschen mit Typ-2-Diabetes waren nach einem Jahr 46 Prozent der Programmgruppe in Remission, in der Vergleichsgruppe 4 Prozent (Mensch, randomisierte Studie; Lean et al., 2018). Nach zwei Jahren waren es 36 gegenüber 3 Prozent, vor allem bei denen, die ihr Gewicht hielten (Mensch; Lean et al., 2019).

Studiendesign: Offene, cluster-randomisierte kontrollierte Studie: Nicht einzelne Menschen, sondern ganze Hausarztpraxen wurden per Los der Programmgruppe oder der Vergleichsgruppe zugeteilt · Erwachsene von 20 bis 65 Jahren mit Typ-2-Diabetes seit höchstens sechs Jahren, BMI 27 bis 45, ohne Insulin, aus 49 Hausarztpraxen in Schottland und der Region Tyneside in England · Stichprobe 306 aufgenommen, 298 in der Auswertung, 149 je Gruppe · Dauer Hauptauswertung nach 12 Monaten, Verlängerung bis 24 Monate

Hintergrund

Lange galt Typ-2-Diabetes als Erkrankung, die nur in eine Richtung geht: erst Tabletten, dann mehr Tabletten, irgendwann Insulin. Dass die Werte nach einer Magenverkleinerung oft normal werden, war bekannt. Ob das auch ohne Operation gelingt, in einer gewöhnlichen Hausarztpraxis, war offen.

Roy Taylor aus Newcastle hatte dafür ein Modell, das Zwei-Zyklen-Modell: Fett in der Leber macht sie unempfindlich für Insulin, sodass sie mehr Zucker abgibt; Fett in der Bauchspeicheldrüse bremst die Beta-Zellen, die Insulin bilden. Beide Zyklen verstärken sich. Sinkt dieses Fett, so die Vorhersage, können sich Leber und Beta-Zellen erholen (Modell nach Taylor; Taylor, 2013). Fett, das so außerhalb des eigentlichen Fettgewebes in Organen liegt, heißt ektopisches Fett. DiRECT, das Diabetes Remission Clinical Trial, sollte prüfen, ob das im Alltag von Hausarztpraxen gelingt.

Ergebnisse

Das Programm. In der Programmgruppe wurden am ersten Tag Diabetes- und Blutdruckmedikamente unter ärztlicher Kontrolle abgesetzt. Es folgten 12 bis 20 Wochen ausschließlich Formulanahrung mit 825 bis 853 Kilokalorien am Tag, danach 2 bis 8 Wochen schrittweise Rückkehr zu normalem Essen und anschließend begleitetes Halten des Gewichts. Die Vergleichsgruppe bekam die übliche gute Versorgung nach Leitlinie (Lean et al., 2018). Das ist eine Beschreibung der Studie, keine Anleitung: Ein so strenger Mahlzeitenersatz läuft unter ärztlicher Begleitung, weil Medikamente vom ersten Tag an angepasst werden müssen.

Nach einem Jahr. 68 von 149 Menschen der Programmgruppe (46 Prozent) waren in Remission, definiert als HbA1c unter 6,5 Prozent nach mindestens zwei Monaten ohne Diabetesmedikamente; in der Vergleichsgruppe waren es 6 von 149 (4 Prozent). Die Programmgruppe nahm im Mittel 10 Kilo ab, die Vergleichsgruppe 1 Kilo; 24 Prozent verloren 15 Kilo oder mehr. Die Lebensqualität stieg in der Programmgruppe und sank in der Vergleichsgruppe (Mensch; Lean et al., 2018).

Je mehr Gewichtsverlust, desto häufiger Remission. Über alle Teilnehmer gesehen erreichte niemand, der zugenommen hatte, eine Remission; bei 0 bis 5 Kilo Verlust waren es 7 Prozent, bei 5 bis 10 Kilo 34 Prozent, bei 10 bis 15 Kilo 57 Prozent und bei 15 Kilo und mehr 86 Prozent (Mensch; Lean et al., 2018).

Nach zwei Jahren. 53 von 149 Menschen der Programmgruppe (36 Prozent) waren weiter in Remission, in der Vergleichsgruppe 5 (3 Prozent). Von denen, die mindestens 10 Kilo Verlust gehalten hatten, waren 64 Prozent in Remission. In der Programmgruppe nahmen 40 Prozent Diabetesmedikamente, in der Vergleichsgruppe 84 Prozent (Mensch; Lean et al., 2019).

Sicherheit. Im ersten Jahr traten in der Programmgruppe bei 7 von 157 Menschen schwere unerwünschte Ereignisse auf, in der Vergleichsgruppe bei 2; zwei davon, eine Gallenkolik und Bauchschmerzen bei derselben Person, hielten die Autoren für möglicherweise programmbedingt (Lean et al., 2018).

Was in Leber und Bauchspeicheldrüse passierte. In einer Untergruppe mit Magnetresonanz sank bei allen, die abnahmen, das Fett in Leber und Bauchspeicheldrüse. In Remission kamen aber nur jene, bei denen die schnelle erste Insulinantwort der Beta-Zellen zurückkehrte; sie hatten im Mittel eine kürzere Diabetesdauer (Mensch; Taylor et al., 2018).

Was bedeutet das für dich

Für dich heißt das zuerst: Typ-2-Diabetes ist nicht für alle eine Einbahnstraße. In den ersten Jahren nach der Diagnose kann er bei einem Teil der Menschen in Remission gehen, und das in einer Hausarztpraxis, nicht nur in einer Spezialklinik (Mensch; Lean et al., 2018).

Was daraus nicht folgt: dass der Diabetes geheilt ist. Remission heißt, dass die Werte ohne Medikamente im Normalbereich liegen. Seit 2021 definieren die amerikanische und die europäische Diabetesgesellschaft sie gemeinsam: HbA1c unter 6,5 Prozent, mindestens drei Monate nach dem Absetzen aller blutzuckersenkenden Medikamente; früher übliche Abstufungen wie „vollständige Remission“ fallen damit weg (Mensch, Konsens; Riddle et al., 2021). DiRECT nutzte noch zwei Monate. Die Neigung bleibt: Kommt das Gewicht zurück, kann auch der Diabetes zurückkommen (Lean et al., 2019).

Die Ergebnisse gelten für Menschen wie die in der Studie: kurze Diabetesdauer, kein Insulin, Übergewicht, enge Begleitung. Für jemanden, der seit 15 Jahren Insulin spritzt, lassen sie sich nicht übertragen. Und ein Punkt ist praktisch wichtig: Wer deutlich weniger isst und Diabetesmedikamente in gleicher Dosis weiter nimmt, kann unterzuckern. Ob und wie Medikamente angepasst werden, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin.

zum Merken
Remission heißt nicht geheilt. DiRECT zeigt aber: Entlastete Leber und Beta-Zellen können sich erholen, solange Reserve da ist.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit deinem eigenen Verlauf.

Du kannst nachsehen, seit wann dein Diabetes bekannt ist und wie sich dein HbA1c seitdem entwickelt hat.

Du kannst mit deiner Ärztin besprechen, ob eine Remission für dich ein Ziel ist und welche Begleitung dafür in Frage kommt.

Und du kannst klären, wie Medikamente angepasst würden, bevor du dein Essen deutlich veränderst. Medikamente änderst du nur gemeinsam mit ihr. Die Begriffe unten helfen dir, dieselbe Sprache zu sprechen.

  • Den eigenen Verlauf mitbringen: Seit wann ist dein Diabetes bekannt, wie hat sich das HbA1c entwickelt, welche Medikamente nimmst du? Mit diesen drei Angaben kann deine Ärztin einschätzen, wie nah du an den Menschen in der Studie bist.
  • Remission als Gesprächsthema: Du kannst deine Ärztin fragen, ob eine Remission für dich ein realistisches Ziel ist und welche Begleitung es dafür in deiner Nähe gibt. Ein Programm mit Mahlzeitenersatz wie in DiRECT läuft nur unter ärztlicher Begleitung.
  • Das Halten mitdenken: In DiRECT hielt die Remission vor allem bei denen, die ihr Gewicht hielten (Lean et al., 2019). Was dir im Alltag hilft, ein Gewicht zu halten, ist darum eine ebenso wichtige Frage wie die, wie du es erreichst.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: DiRECT war offen: Teilnehmer und Studienteams wussten, wer welches Programm bekam. Aufgenommen wurden nur Menschen von 20 bis 65 Jahren mit höchstens sechs Jahren Diabetesdauer, ohne Insulin und mit Übergewicht, fast alle weiß und aus Großbritannien. Die Begleitung war eng, durch geschulte Fachkräfte in den Praxen; ob sie überall so umsetzbar ist, ist offen. Die Remissionsdefinition der Studie (zwei Monate ohne Medikamente) ist etwas weicher als die heutige (drei Monate). Daten über fünf Jahre und mehr gibt es erst wenige. Ob andere Wege, etwa sehr kohlenhydratarme Ernährung, ähnlich wirken, hat DiRECT nicht geprüft.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Normale Werte ohne Medikamente: Remission des Typ-2-Diabetes
  • Mein Langzeitzucker: HbA1c
  • Fett in Leber und Bauchspeicheldrüse: ektopes Fett, Leberverfettung (MASLD)
  • Wie gut die Insulinzellen noch arbeiten: Beta-Zell-Funktion, erste Phase der Insulinsekretion
  • Nur Formulanahrung für einige Wochen: totaler Mahlzeitenersatz (Total Diet Replacement)
  • Medikamente gemeinsam verringern: Dosisreduktion unter ärztlicher Kontrolle
  • Zu niedriger Zucker: Hypoglykämie
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (3)

Was bedeutet Remission bei Diabetes?

Remission heißt, dass die Werte ohne Medikamente im Normalbereich liegen: HbA1c unter 6,5 Prozent, mindestens drei Monate nach dem Absetzen aller blutzuckersenkenden Medikamente (Riddle et al., 2021). Die Fachgesellschaften wählten bewusst nicht das Wort Heilung, weil der Diabetes zurückkommen kann.

Muss ich eine Formuladiät machen wie in der DiRECT-Studie?

DiRECT hat nur diesen Weg geprüft: einige Monate Formulanahrung unter ärztlicher Begleitung, dann schrittweise normales Essen (Lean et al., 2018). Ob andere Wege zur Gewichtsabnahme ähnlich oft zur Remission führen, ist nicht in vergleichbaren Studien untersucht. Welcher Weg zu dir passt, entscheidest du, die Begleitung und die Medikamente liegen bei deiner Ärztin.

Funktioniert Remission auch bei längerem Diabetes?

DiRECT schloss nur Menschen mit höchstens sechs Jahren Diabetesdauer ein. Bei längerer Dauer haben die Beta-Zellen oft weniger Reserve (Taylor et al., 2018), und eine Remission wird seltener. Bessere Werte und weniger Medikamente sind auch dann beschrieben, wenn keine Remission gelingt.
Quellen (2)
  • Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial
    Lean M.E., Leslie W.S., Barnes A.C. et al. – The Lancet (2018) DOI: 10.1016/s0140-6736(17)33102-1
  • Consensus Report: Definition and Interpretation of Remission in Type 2 Diabetes
    Riddle M.C., Cefalu W.T., Evans P.H. et al. – Diabetes Care (2021) DOI: 10.2337/dci21-0034

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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