Aus Sicht der Regenerationsmedizin zeigt die Remission, dass chronisch nicht für immer heißen muss. Krankheit kann chronisch werden. Gesundheit auch. Leber, Bauchspeicheldrüse und Beta-Zellen reagieren auf Entlastung, solange Reserve da ist. Deine ärztliche Behandlung läuft weiter; daneben kannst du beobachten, was deinen Stoffwechsel entlastet.
Oft heißt es: „Wir sind wie ein Auto, das sich abnutzt.“ Ein Stoffwechsel ist kein Motor, der nur verschleißt: Leber und Beta-Zellen reagieren auf Entlastung, solange Reserve da ist.
Geheilt ist Typ-2-Diabetes nach heutigem Wissen nicht, aber er kann in Remission gehen. Remission heißt: Die Blutzuckerwerte liegen ohne Medikamente im Normalbereich. Seit 2021 gibt es dafür eine gemeinsame Definition der amerikanischen und europäischen Diabetesgesellschaften: ein HbA1c unter 6,5 Prozent (48 mmol/mol), gemessen mindestens drei Monate nach dem Absetzen aller blutzuckersenkenden Medikamente (Riddle et al., 2021). Die Fachleute wählten bewusst das Wort Remission und nicht Heilung, weil der Diabetes zurückkommen kann.
Was die DiRECT-Studie zeigt. In der DiRECT-Studie bekamen 149 Menschen mit Typ-2-Diabetes in britischen Hausarztpraxen ein Programm zur Gewichtsabnahme: einige Monate eine Formulanahrung mit wenig Kalorien, danach schrittweise wieder normales Essen und Begleitung beim Halten des Gewichts. Sie hatten den Diabetes seit höchstens sechs Jahren und spritzten kein Insulin. Nach einem Jahr waren in der Programmgruppe 46 Prozent in Remission, in der Vergleichsgruppe 4 Prozent; bei 15 Kilo Gewichtsverlust und mehr waren es 86 Prozent (Mensch; Lean et al., 2018). Nach zwei Jahren waren es noch 36 Prozent gegenüber 3 Prozent, und die Remission hielt vor allem bei denen, die ihr Gewicht hielten (Mensch; Lean et al., 2019).
Ein zweiter Weg. In einer nicht randomisierten Studie mit ärztlich begleiteter, sehr kohlenhydratarmer Ernährung hatte nach zwei Jahren gut die Hälfte ein HbA1c unter 6,5 Prozent ohne Diabetesmedikamente oder nur mit Metformin; die strengeren Kriterien einer Remission erfüllten 17,6 Prozent (Mensch; Athinarayanan et al., 2019). Die Studie wurde vom Anbieter des Programms durchgeführt und hatte keine zufällig zugeteilte Vergleichsgruppe; das schwächt die Aussage.
Drei Sichten, die viele kennen. Die mechanische Sicht der Medizin behandelt Typ 2 als fortschreitende Erkrankung: Werte messen, Medikamente anpassen, Folgeschäden an Augen, Nieren, Nerven und Gefäßen verhindern. Das ist gut belegt und schützt (Mensch). Und trotzdem: Wenn Werte ohne Medikamente wieder normal werden können, ist „fortschreitend“ nicht für alle das letzte Wort.
Die energetische Sicht der Erfahrungsheilkunde sagt: Der Körper kann sich selbst regulieren, wenn man ihn lässt. Sie hat recht damit, dass Regulation möglich ist. Und trotzdem: Nicht alle erreichen eine Remission, auch mit großer Mühe, und das liegt nicht an mangelndem Willen.
Die biologische Sicht verbindet beides: Remission gelingt, wenn Leber und Bauchspeicheldrüse entlastet werden und genug Beta-Zellen wieder arbeiten können. Wie viel Reserve noch da ist, entscheidet mit.
Im Detail
Was im Körper passiert. Roy Taylor beschreibt Typ-2-Diabetes in seinem Zwei-Zyklen-Modell so: Fett, das sich in der Leber ablagert, macht sie unempfindlich für Insulin, und sie gibt mehr Zucker ins Blut. Fett, das in die Bauchspeicheldrüse gelangt, bremst die Beta-Zellen, also die Zellen, die Insulin bilden (Modell nach Taylor; Taylor, 2013). Stell dir eine Küche vor, deren Vorratskammer überquillt: Der Koch kommt nicht mehr hinterher, neue Lieferungen bleiben im Flur stehen. Wird die Kammer leerer, kann er wieder arbeiten. In Messungen mit Magnetresonanz sank bei den Menschen, die in Remission kamen, das Fett in Leber und Bauchspeicheldrüse, und die erste schnelle Insulinantwort kehrte zurück. Bei anderen sank das Fett ebenso, aber die Beta-Zellen erholten sich nicht (Mensch; Taylor et al., 2018).
Warum die Zeit zählt. Je länger der Diabetes besteht, desto weniger Beta-Zellen können sich erholen (Mensch; Taylor et al., 2018). Darum waren in DiRECT nur Menschen mit kurzer Krankheitsdauer, und darum lassen sich die Zahlen nicht auf jemanden übertragen, der seit 15 Jahren Insulin spritzt. Bessere Werte und weniger Medikamente sind auch dann beschrieben, wenn keine Remission gelingt.
Was wir nicht wissen. Wie lange eine Remission über fünf Jahre und mehr hält, ist erst in wenigen Studien untersucht. Die meisten Daten stammen aus Programmen mit Formulanahrung und enger Begleitung in Großbritannien. Ob andere Wege, etwa sehr kohlenhydratarme Ernährung, ähnlich gut wirken, ist nicht in großen randomisierten Studien geprüft. Eine Remission ist kein Schlusspunkt: Auch in Remission empfehlen die Fachgesellschaften, das HbA1c mindestens einmal im Jahr zu messen und Augen, Nieren und Füße weiter untersuchen zu lassen (Riddle et al., 2021).
Deine Entscheidung. Du kannst nachsehen, seit wann dein Diabetes bekannt ist und wie sich dein HbA1c seitdem entwickelt hat. Du kannst mit deiner Ärztin besprechen, ob eine Remission für dich ein realistisches Ziel ist. Insulin und Tabletten änderst du nur gemeinsam mit ihr, denn wer weniger isst und dieselbe Dosis weiter nimmt, kann in eine Unterzuckerung geraten. Die Begriffe unten helfen dir, dieselbe Sprache zu sprechen.
Remission heißt nicht geheilt. Sie zeigt aber: Krankheit kann chronisch werden, Gesundheit auch, solange die Beta-Zellen Reserve haben.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Gut belegt ist Remission nach deutlicher Gewichtsabnahme in den ersten sechs Jahren nach der Diagnose, aus einer randomisierten Studie in britischen Hausarztpraxen (Lean et al., 2018; Lean et al., 2019). Für sehr kohlenhydratarme Wege gibt es nicht randomisierte Daten (Athinarayanan et al., 2019). Wie viele über fünf Jahre und mehr in Remission bleiben, ist offen. Für Menschen mit langer Krankheitsdauer oder Insulin gibt es kaum Daten. Remission ist kein Versprechen, und sie hängt nicht nur vom Willen ab.