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ForschungsupdateDiagnosen & Krankheitsbilder

Die Auswirkungen von Licht auf psychische Störungen: Eine bahnbrechende Studie

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Das Wichtigste in Kürze

Psychische Störungen sind ein allgegenwärtiges Phänomen, das das tägliche Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt betrifft. Eine Gemeinsamkeit vieler dieser Störungen ist die Störung des

Perspektivwechsel: Psychische Störungen sind ein allgegenwärtiges Phänomen, das das tägliche Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt betrifft. Eine Gemeinsamkeit vieler dieser Störungen ist die Störung des

Dieser Artikel richtet sich an:

  • Ärzt:innen und Therapeut:innen, die neuroimmunologische Zusammenhänge in ihre Praxis integrieren möchten
  • Betroffene und Gesundheitsinteressierte, die aktuelle Forschung verstehen wollen
  • Fachkräfte in Ausbildung im Bereich Nervensystem & Neuroimmunologie

Einleitung

Psychische Störungen sind ein allgegenwärtiges Phänomen, das das tägliche Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt betrifft. Eine Gemeinsamkeit vieler dieser Störungen ist die Störung des zirkadianen Rhythmus und des Schlafes. Der zirkadiane Rhythmus ist unser biologischer Taktgeber, der unsere physiologischen Prozesse und Verhaltensweisen über den Tag und die Nacht hinweg regelt. Eine wichtige Komponente des zirkadianen Rhythmus ist das Licht, das als Hauptstimulus für unseren zirkadianen Taktgeber fungiert. Während helles Tageslicht den zirkadianen Rhythmus stärkt, kann helles Licht in der Nacht den Rhythmus schwächen. Obwohl diese Zusammenhänge bekannt sind, wurden die unabhängigen Auswirkungen von Tages- und Nachtlichtexposition auf psychische Erkrankungen bisher nicht umfassend untersucht.

Ziel der Studie

In dieser Studie wurde die größte bisherige Querschnittsanalyse von objektiv gemessenen Tages- und Nachtlichtexpositionen durchgeführt, um deren Zusammenhang mit psychischen Störungen zu untersuchen. Die Forscher nutzten Daten aus der UK Biobank, einer großen prospektiven Kohortenstudie in Großbritannien, die Informationen zu Gesundheit, Lebensstil und Umweltfaktoren von mehr als 500.000 Teilnehmern enthält.

Methoden

Die Studienteilnehmer wurden gebeten, einen Aktivitätsmesser mit eingebautem Lichtsensor am Handgelenk zu tragen, um die tägliche Lichtexposition zu messen. Die Lichtdaten wurden über einen Zeitraum von sieben Tagen erfasst und anschließend gereinigt und analysiert. Insgesamt nahmen 86.772 Teilnehmer an der Studie teil.

Die Lichtexposition wurde in zwei Kategorien unterteilt: Tageslicht und Nachtlicht. Die Auswirkungen dieser beiden Variablen auf verschiedene psychische Störungen wurden mithilfe von regressiven Modellen mit zunehmender Anpassung an potenzielle Störfaktoren untersucht. Unter anderem wurden Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Beschäftigung, körperliche Aktivität und Photoperiode berücksichtigt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass eine größere Nachtlichtexposition mit einem erhöhten Risiko für schwere depressive Störungen, Selbstverletzung, generalisierte Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Psychosen und manisch-depressive Störungen verbunden war. Andererseits war eine größere Tageslichtexposition mit einem niedrigeren Risiko für diese Erkrankungen verbunden. Die Ergebnisse blieben auch nach Anpassung an potenzielle Störfaktoren signifikant.

Darüber hinaus wurde festgestellt, dass eine höhere Nachtlichtexposition mit schwereren depressive Symptomen und geringerem Wohlbefinden einherging. Eine höhere Tageslichtexposition war dagegen mit niedrigeren Symptomen von Depression, Angst und posttraumatischer Belastungsstörung sowie einem höheren Wohlbefinden verbunden.

Diskussion

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass eine niedrige Tageslichtexposition und eine hohe Nachtlichtexposition mit einer Vielzahl von psychischen Störungen assoziiert sind. Dies legt nahe, dass die Vermeidung von Licht in der Nacht und die Suche nach Licht während des Tages ein einfacher und wirksamer Weg sein können, um die psychische Gesundheit zu verbessern.

Die Auswirkungen von Licht auf psychische Störungen können durch die Rolle des zirkadianen Rhythmus erklärt werden. Ein gestörter zirkadianer Rhythmus wurde bereits mit vielen psychischen Störungen in Verbindung gebracht. Durch die Stärkung des zirkadianen Rhythmus durch eine angemessene Tageslichtexposition und die Vermeidung von Licht in der Nacht kann eine bessere Regulierung von physiologischen Prozessen und ein stabilerer Schlaf-Wach-Rhythmus erreicht werden.

Diese Erkenntnisse haben wichtige Implikationen für die Behandlung und Prävention von psychischen Störungen. Lichttherapie, bei der Patienten gezielt hellen Tageslichtexposition ausgesetzt werden, wurde bereits erfolgreich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Darüber hinaus könnten Maßnahmen zur Reduzierung von Licht in der Nacht, wie das Tragen von blau-blockierenden Brillen, Menschen mit bipolarer Störung und anderen Störungen helfen, ihren zirkadianen Rhythmus zu regulieren und Symptome zu lindern.

Fazit

Diese bahnbrechende Studie liefert umfassende Beweise für die Auswirkungen von Tages- und Nachtlichtexposition auf psychische Störungen. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine angemessene Tageslichtexposition und eine Vermeidung von Licht in der Nacht einen einfachen und wirksamen Weg darstellen können, um die psychische Gesundheit zu verbessern. Es ist wichtig, das Bewusstsein für die Rolle von Licht in der psychischen Gesundheit zu schärfen und Lichttherapie und andere nicht-pharmakologische Interventionen zur Förderung der mentalen Gesundheit zu fördern.

Quelle:

Burns, A.C., Windred, D.P., Rutter, M.K. et al. Day and night light exposure are associated with psychiatric disorders: an objective light study in >85,000 people. Nat. Mental Health (2023). https://doi.org/10.1038/s44220-023-00135-8


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