Gupta-Programm (AIS Retraining)
Gupta-Programm (AIS Retraining) · Das Gupta-Programm (auch: AIS – Amygdala and Insula Retraining, früher Amygdala Retraining) ist ein neuroplastizitätsbasiertes Selbsthilfeprogramm für ME/CFS und Long COVID, entwickelt von Ashok Gupta. Es basiert auf der Hypothese, dass bei chronischen Erkrankungen die Amygdala in einen Zustand dauerhafter Überaktivierung geraten kann.
Die Amygdala-Hypothese:
Ashok Gupta publizierte 2002 in Medical Hypotheses die Hypothese, dass bei einem Teil der ME/CFS-Patienten eine konditionierte Amygdala-Überaktivierung vorliegt (Gupta, 2002). Die Amygdala – das Angstzentrum des Gehirns – hat durch die Infektion gelernt, neutrale Reize (Licht, Geräusche, körperliche Aktivität, Nahrung) als bedrohlich zu interpretieren. Die Folge: chronische Sympathikus-Dominanz, reduzierte Vagus-Aktivität, erhöhte Entzündungsbereitschaft.
AIS-Technik:
Das Programm nutzt neuroplastische Techniken:
- Stop-Process: Bei jedem Symptom-Anstieg wird der Threat-Loop bewusst unterbrochen.
- Visualisierung: Positive, sicherheitssignalisierende Bilder und Szenarien werden eingeprägt.
- Somatische Übungen: Körperliche Übungen, die den Parasympathikus aktivieren.
- Kognitive Restrukturierung: Nicht im psychotherapeutischen Sinne, sondern als neurobiologische Unterbrechung automatischer Threat-Muster.
Abgrenzung:
AIS-Retraining ist keine Psychotherapie – es geht nicht darum, über Gefühle oder Kindheitserfahrungen zu sprechen. Es ist eine neurobiologische Intervention, die die Plastizität des limbischen Systems nutzt, um einen dysfunktionalen neuronalen Schaltkreis umzuprogrammieren.
Evidenzlage:
Die Evidenz für das Gupta-Programm ist in der Entwicklung. Pilotstudien und klinische Erfahrungsberichte zeigen Verbesserungen bei Fatigue, Brain Fog und autonomer Dysfunktion. Randomisierte kontrollierte Studien mit ausreichender Stichprobengröße stehen noch aus.
, Die MOJO Perspektive
In der Regenerationsmedizin sehen wir das Gupta-Programm als einen von mehreren Bausteinen, die die neurobiologische Komponente von Long COVID adressieren. Es ersetzt keine biologische Diagnostik und Therapie (Spike-Protein-Last, Autoantikörper, Mikrothromben), sondern ergänzt sie um die Ebene der autonomen Regulation. Die Frage ist nicht „Biologie oder Neuroplastizität?" – sondern „Biologie UND Neuroplastizität". Gesundheit entsteht, wenn die Mitochondrien genug Lebensenergie produzieren und diese Energie über Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel optimal verteilt wird. Wie man das erreicht, vermitteln wir im Kurs LEBENSENERGIE für Betroffene und in der Grundausbildung Regenerationsmedizin für Fachkräfte.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Basiert auf der Amygdala-Hypothese: chronische Überaktivierung des limbischen Systems bei ME/CFS und Long COVID (Gupta, 2002).
- 2Nutzt Neuroplastizität zur Umstrukturierung dysfunktionaler neuronaler Schaltkreise.
- 3Keine Psychotherapie – neurobiologische Intervention auf der Ebene des limbischen Systems.
- 4Evidenz ist vielversprechend, aber noch limitiert – RCTs stehen aus.
, Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern
Quellen & Referenzen
- Unconscious amygdalar fear conditioning in a subset of chronic fatigue syndrome patients
- ME/CFS and Long COVID share similar symptoms and biological abnormalities: road map to the literature
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
Unser Evidenzverständnis lesen
Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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