Du hast Long COVID und merkst, dass dein Nervensystem dauerhaft auf „Alarm" steht – Reizempfindlichkeit, Herzrasen, Schlafstörungen, eine innere Unruhe, die nicht aufhört? Das Gupta-Programm ist ein Ansatz, der diese chronische Überaktivierung gezielt adressiert.
Was im Körper passiert
Die Amygdala ist das Alarmsystem deines Gehirns. Bei Long COVID kann sie lernen, ALLES als bedrohlich zu interpretieren – Licht, Geräusche, Bewegung, sogar Essen. Das ist keine psychische Störung, sondern ein neurobiologischer Lernprozess. AIS-Retraining nutzt die Plastizität des Gehirns, um diesen Schaltkreis umzutrainieren: „Dieses Signal ist keine Bedrohung."
Long-COVID gehört vor allem zum Immunsystem: Infekt und Entzündung.
Gupta-Programm (AIS Retraining): Das Gupta-Programm (auch: AIS – Amygdala and Insula Retraining, früher Amygdala Retraining) ist ein neuroplastizitätsbasiertes Selbsthilfeprogramm für ME/CFS und Long COVID, entwickelt von Ashok Gupta. Es basiert auf der Hypothese, dass bei chronischen Erkrankungen die Amygdala in einen Zustand dauerhafter Überaktivierung geraten kann.
Die Amygdala-Hypothese:
Ashok Gupta publizierte 2002 in Medical Hypotheses die Hypothese, dass bei einem Teil der ME/CFS-Patienten eine konditionierte Amygdala-Überaktivierung vorliegt (Gupta, 2002). Die Amygdala – das Angstzentrum des Gehirns – hat durch die Infektion gelernt, neutrale Reize (Licht, Geräusche, körperliche Aktivität, Nahrung) als bedrohlich zu interpretieren. Die Folge: chronische Sympathikus-Dominanz, reduzierte Vagus-Aktivität, erhöhte Entzündungsbereitschaft.
AIS-Technik:
Das Programm nutzt neuroplastische Techniken:
- Stop-Process: Bei jedem Symptom-Anstieg wird der Threat-Loop bewusst unterbrochen.
- Visualisierung: Positive, sicherheitssignalisierende Bilder und Szenarien werden eingeprägt.
- Somatische Übungen: Körperliche Übungen, die den Parasympathikus aktivieren.
- Kognitive Restrukturierung: Nicht im psychotherapeutischen Sinne, sondern als neurobiologische Unterbrechung automatischer Threat-Muster.
Abgrenzung:
AIS-Retraining ist keine Psychotherapie – es geht nicht darum, über Gefühle oder Kindheitserfahrungen zu sprechen. Es ist eine neurobiologische Intervention, die die Plastizität des limbischen Systems nutzt, um einen dysfunktionalen neuronalen Schaltkreis umzuprogrammieren.
Evidenzlage:
Die Evidenz für das Gupta-Programm ist in der Entwicklung. Pilotstudien und klinische Erfahrungsberichte zeigen Verbesserungen bei Fatigue, Brain Fog und autonomer Dysfunktion. Randomisierte kontrollierte Studien mit ausreichender Stichprobengröße stehen noch aus.