Zone-2-Training
Zone-2-Training — Zone-2-Training bezeichnet Ausdauertraining bei einer Intensität, bei der die maximale Fettoxidationsrate erreicht wird - typischerweise bei 60 - 70 % der maximalen Herzfrequenz oder knapp unterhalb der ersten ventilatorischen Schwelle (VT1). In dieser Zone arbeiten die Mitochondrien primär aerob mit Fettsäuren als Brennstoff, die Laktatproduktion bleibt im Gleichgewicht mit dem Laktatabbau (steady-state), und der Athlet kann sich noch unterhalten (Talk Test).
Physiologische Grundlage:
Die Energiebereitstellung bei körperlicher Belastung ist ein Kontinuum: Bei niedriger Intensität dominiert die Fettoxidation (Beta-Oxidation -> Citratzyklus -> OXPHOS); mit steigender Intensität wird zunehmend Glukose herangezogen (Glykolyse). Zone 2 liegt im Bereich der maximalen Fettoxidationsrate - dem Punkt, an dem die Mitochondrien ihre höchste Fettsäure-Verbrennungskapazität erreichen.
Laktat als Steuerungsmarker: In Zone 2 liegt der Blutlaktatspiegel bei etwa 1,5 - 2,0 mmol/L - die Laktatproduktion und der Laktatabbau sind im Gleichgewicht (Laktat-Steady-State). Steigt die Intensität über Zone 2 hinaus, beginnt die Laktatakkumulation (erste Laktatschwelle, LT1). Peter Attia und Iñigo San Millán haben Zone 2 als den Bereich definiert, in dem die mitochondriale Fettoxidation maximal trainiert wird.
Mitochondriale Adaptation: Zone-2-Training wirkt anders auf die Mitochondrien als HIIT:
- HIIT: Stimuliert primär die mitochondriale Biogenese - die Bildung neuer Mitochondrien über PGC-1α.
- Zone 2: Stimuliert primär die mitochondriale Dichte und Effizienz - die Vergrößerung und funktionelle Optimierung bestehender Mitochondrien. Es erhöht die Dichte an Typ-I-Muskelfasern (slow-twitch), die Kapillarisierung und die Expression von Fettsäure-Transportproteinen (CD36, CPT-1).
Metabolische Flexibilität: Metabolische Flexibilität beschreibt die Fähigkeit der Mitochondrien, nahtlos zwischen Fett- und Kohlenhydratverbrennung zu wechseln - abhängig von Substratangebot und Bedarf. Zone-2-Training trainiert genau diese Flexibilität: Es zwingt die Mitochondrien, Fettsäuren effizient zu oxidieren. Bei metabolischer Inflexibilität - einem Kennzeichen von Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes - ist die Fettoxidationskapazität eingeschränkt.
Gesundheitsspanne und Langlebigkeit: In der Langlebigkeitsmedizin hat Zone-2-Training wachsende Aufmerksamkeit erlangt. Peter Attia beschreibt es als 'die wichtigste Trainingsform für die Gesundheitsspanne'. Die Rationale: VO'max (Spitzenleistung) lässt sich mit HIIT trainieren, aber die mitochondriale Basiskapazität - die Fähigkeit, alltägliche Belastungen mit effizienter aerober Energiebereitstellung zu bewältigen - wird durch Zone-2-Training aufgebaut.
Herzfrequenzzonen (vereinfacht):
- Zone 1: < 60 % HFmax - sehr leicht (Spazierengehen)
- Zone 2: 60 - 70 % HFmax - leicht bis moderat (Talk Test bestanden)
- Zone 3: 70 - 80 % HFmax - moderat (Grauzone, weder optimal für Fettoxidation noch für VO'max)
- Zone 4: 80 - 90 % HFmax - schwer (Schwellentraining)
- Zone 5: 90 - 100 % HFmax - maximal (Intervalle)
Dauer und Häufigkeit in Studien: In trainingswissenschaftlichen Studien werden typischerweise 3 - 4 Einheiten à 30 - 60 Minuten pro Woche in Zone 2 untersucht. Eliteausdauerathleten verbringen 75 - 80 % ihres Trainingsvolumens in Zone 1 - 2 (80/20-Regel) - ein Prinzip, das zunehmend auch für die allgemeine Gesundheit erforscht wird.
— Die MOJO Perspektive
Zone-2-Training ist in der Regenerationsmedizin die Basisintervention für mitochondriale Gesundheit. Das Konzept: Bevor man die mitochondriale Spitzenleistung mit HIIT trainiert, muss die Basiskapazität aufgebaut werden. Für Patienten mit mitochondrialer Dysfunktion, Fatigue oder metabolischer Inflexibilität ist Zone 2 oft der sicherste und nachhaltigste Einstieg - es fordert die Mitochondrien, ohne sie zu überfordern.
Das Wichtigste in Kürze
- 1
- 2
- 3
- 4
— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern

Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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