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Vergleich · Therapien & Interventionen
vs.

Kälteexposition vs. Infrarotsauna – Gegensätzliche Reize, ähnliche Ziele

Extreme Kälte und Infrarotwärme sind gegensätzliche Reize – doch beide werden für Recovery, Entzündungsreduktion und Schmerzlinderung eingesetzt. Hausswirth et al. (2011) verglichen WBC direkt mit Far-Infrared und fanden unterschiedliche Wirkprofile.

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— Die MOJO Perspektive

In der Regenerationsmedizin (Keferstein et al. 2025) nutzen wir beide Reize – nicht als Konkurrenten, sondern als komplementäre Werkzeuge. Kälte adressiert primär das sympathische Nervensystem und die Immunmodulation. Wärme adressiert primär das parasympathische Nervensystem und die Durchblutung. Die Kombination trainiert die Regulationsfähigkeit zwischen beiden Zuständen – und genau das ist Regenerationsmedizin: die Fähigkeit, flexibel zwischen Aktivierung und Entspannung zu wechseln.

Fazit

Kälteexposition und Infrarotsauna sind keine Gegensätze, sondern Ergänzungen. Kälte wirkt akut anti-inflammatorisch und sympathisch aktivierend – ideal für Recovery und Entzündungshemmung. Infrarotwärme wirkt parasympathisch regenerativ und durchblutungsfördernd – ideal für Entspannung und Geweberegeneration. Hausswirth et al. (2011) zeigten, dass WBC bei der akuten Recovery überlegen war, aber beide Methoden positive Effekte hatten. Die Kombination beider Reize (Kontrasttherapie) könnte synergistisch wirken.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Kälte = sympathische Aktivierung (Noradrenalin, Vasokonstriktion). Infrarot = parasympathische Aktivierung (Vasodilatation, Entspannung).
  • 2Hausswirth et al. (2011): WBC zeigte Vorteile bei akuter Recovery nach exzentrischem Training im Vergleich zu Far-Infrared.
  • 3Pournot et al. (2011): WBC reduzierte proinflammatorische Marker (IL-1β) und steigerte anti-inflammatorische (IL-1ra).
  • 4Kontrasttherapie (Kälte + Wärme im Wechsel) wird als potenziell synergistisch beschrieben (Mooventhan & Nivethitha 2014).
  • 5Nicht entweder-oder: Beide Reize ergänzen sich als Werkzeuge der Regulationsmedizin.

— Erkennen · Verstehen · Verändern

Erkennen

Du interessierst dich für Kältetherapie, hörst aber auch von Infrarotsaunen – und fragst dich: Was ist besser? Die Antwort: Es sind verschiedene Werkzeuge für verschiedene Zwecke – und die Kombination könnte mehr sein als die Summe der Teile.

Verstehen

Kälte und Wärme sind physiologische Gegenspieler – Sympathikus vs. Parasympathikus, Vasokonstriktion vs. Vasodilatation. Hausswirth et al. (2011) zeigten: Beide Reize unterstützen die Recovery, aber über unterschiedliche Mechanismen. Die Kontrasttherapie nutzt diesen Gegensatz als Training für das Regulationssystem.

Verändern

Ein einfacher Einstieg in die Kontrasttherapie: Kalte Dusche (30–90 Sek) nach dem normalen warmen Duschen – das ist bereits ein Kontrastwechsel. Wer vertiefen möchte, kann einen Saunabesuch mit anschließender Kälteexposition (Kaltbecken, Kältekammer) kombinieren. Die MOJO Kältekammer bietet beide Reize in kontrollierter Umgebung.

Häufige Fragen

Sollte man zuerst Kälte oder zuerst Wärme anwenden?
In der Fachliteratur werden beide Reihenfolgen beschrieben. Traditionell beginnt die Kontrasttherapie mit Wärme (Vasodilatation) und endet mit Kälte (Vasokonstriktion → 'Verschluss'). In der Praxis bevorzugen viele: Kälte zuerst (sympathische Aktivierung), dann Wärme (parasympathische Gegenregulation). Es gibt keine Evidenz für eine klare Überlegenheit einer Reihenfolge.
Kann man Kälte und Infrarot am gleichen Tag nutzen?
In der Praxis ist das üblich und wird von vielen Einrichtungen angeboten. Wichtig: Zwischen den Expositionen ausreichend Zeit lassen (mindestens 30–60 Minuten), damit der Körper auf den ersten Reiz reagieren kann. Bei Vorerkrankungen – insbesondere kardiovaskulär – ärztliche Rücksprache.

Quellen & Referenzen

  • Effects of whole-body cryotherapy vs. far-infrared vs. passive modalities on recovery from exercise-induced muscle damage in highly-trained runners
    Hausswirth C., Louis J., Bieuzen F., Pournot H., Fournier J., Filliard J.R., Brisswalter J.PLoS ONE (2011) DOI: 10.1371/journal.pone.0027749
  • Time-course of changes in inflammatory response after whole-body cryotherapy multi exposures following severe exercise
    Pournot H., Bieuzen F., Louis J., Mounier R., Fillard J.R., Barbiche E., Hausswirth C.PLoS ONE (2011) DOI: 10.1371/journal.pone.0022748
  • Scientific evidence-based effects of hydrotherapy on various systems of the body
    Mooventhan A., Nivethitha L.North American Journal of Medical Sciences (2014) DOI: 10.4103/1947-2714.132935

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