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Glossar · Therapien & Interventionen

Ganzkörperkältetherapie (WBC)

Auch: WBC · Whole Body Cryotherapy · Kältekammertherapie · Ganzkörperkryotherapie
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Definition

Ganzkörperkältetherapie (WBC) Ganzkörperkältetherapie (Whole Body Cryotherapy, WBC) bezeichnet ein Verfahren, bei dem der gesamte Körper für 2–3 Minuten in einer Kältekammer Temperaturen von -85 bis -110°C ausgesetzt wird. Im Unterschied zur Kaltwasserimmersion arbeitet WBC mit extrem kalter, trockener Luft.

Im Detail

Bouzigon et al. (2016) beschrieben in Journal of Thermal Biology die technologischen Grundlagen der WBC: Es existieren zwei Grundtypen – (1) Teil-Körper-Kryokammern (Cryo-Saunas), bei denen der Kopf oberhalb der Kammer bleibt und mit flüssigem Stickstoff auf -120 bis -160°C gekühlt wird, und (2) Ganzkörper-Kältekammern (Walk-in Cryochambers), bei denen der gesamte Körper einschließlich Kopf in einem Raum mit -85 bis -110°C elektrisch gekühlter Luft steht – oft über ein Zweikammer-System (Vorkammer -60°C, Hauptkammer -110°C).

Der Wirkmechanismus verläuft über eine systemische sympathische Aktivierung: Castellani & Young (2016) beschrieben die Kaskade – periphere Kälterezeptoren (TRPM8, TRPA1) senden afferente Signale über den Hypothalamus, was zur Ausschüttung von Noradrenalin (Anstieg um 200–300%), peripherer Vasokonstriktion und erhöhtem Energieverbrauch führt. Pournot et al. (2011) zeigten in einer PLoS-ONE-Studie, dass eine einzelne WBC-Sitzung bei -110°C bei Sportlern zu einer signifikanten Reduktion von IL-1β und einem Anstieg des anti-inflammatorischen IL-1ra führte.

Bleakley et al. (2014) fassten in einem systematischen Review den Stand der Evidenz zusammen: WBC zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Entzündungshemmung, Schmerzreduktion und Recovery – aber die methodische Qualität der Studien ist heterogen, und es fehlen große randomisierte kontrollierte Studien.

— Die MOJO Perspektive

In der Regenerationsmedizin betrachten wir WBC als einen der intensivsten einzelnen Stimuli, die gleichzeitig alle drei Regulationssysteme ansprechen: Nervensystem (sympathische Aktivierung, Noradrenalin), Immunsystem (Zytokin-Modulation) und Stoffwechsel (erhöhter Energieverbrauch, braunes Fett). Im MOJO Institut in Hennef setzen wir WBC als Teil eines integrierten Kälteprotokolls ein – nicht isoliert, sondern eingebettet in ein Gesamtkonzept.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1WBC: 2–3 Minuten bei -85 bis -110°C in trockener Luft – zwei Kammertypen: Stickstoff-Cryo-Sauna und elektrische Walk-in-Kammer (Bouzigon et al. 2016).
  • 2Pournot et al. (2011): Signifikante Reduktion von IL-1β und Anstieg von IL-1ra nach einer WBC-Sitzung.
  • 3Bleakley et al. (2014): Vielversprechende Ergebnisse bei Entzündungshemmung und Recovery, aber methodische Heterogenität.

— Erkennen · Verstehen · Verändern

Erkennen

Du hast von Kältekammern gehört – vielleicht im Kontext von Leistungssport, Rehabilitationskliniken oder Wellness-Studios? WBC ist das Verfahren, bei dem du für wenige Minuten in eine Kammer mit extrem kalter Luft trittst. Der Effekt: Ein intensiver physiologischer Reiz, der Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel gleichzeitig anspricht.

Verstehen

WBC funktioniert über einen kontrollierten Kältereiz: Die extreme Kälte aktiviert das sympathische Nervensystem, löst einen Noradrenalin-Schub aus und moduliert entzündungsfördernde Signalwege. Der Unterschied zur kalten Dusche oder zum Eisbad: WBC nutzt trockene Luft, was die Kälteübertragung auf die Haut verändert – weniger direkte Gewebekühlung, aber starke Aktivierung der Kälterezeptoren.

Verändern

WBC wird in der klinischen Praxis in der Rehabilitation, der Sportmedizin und zunehmend auch in der Schmerztherapie eingesetzt. Die Anwendung dauert 2–3 Minuten pro Sitzung. In Studien wurden typischerweise Serien von 10–20 Sitzungen über 2–4 Wochen untersucht. Tipton et al. (2017) betonten, dass die individuelle Reaktion stark variiert und eine ärztliche Abklärung vor Beginn erfolgen sollte.

Quellen & Referenzen

  • Whole-body cryotherapy: empirical evidence and theoretical perspectives
    Bleakley C.M., Bieuzen F., Davison G.W., Costello J.T.Open Access Journal of Sports Medicine (2014) DOI: 10.2147/oajsm.s41655
  • Time-course of changes in inflammatory response after whole-body cryotherapy multi exposures following severe exercise
    Pournot H., Bieuzen F., Louis J., Mounier R., Fillard J.R., Barbiche E., Hausswirth C.PLoS ONE (2011) DOI: 10.1371/journal.pone.0022748
  • Whole body cryostimulation: adjunct treatment for exercise induced muscle damage in athletes and non-athletes
    Bouzigon R., Grappe F., Ravier G., Dugue B.Journal of Thermal Biology (2016) DOI: 10.1016/j.jtherbio.2016.08.009

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