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Glossar · Symptome & Beschwerden

Gallensäuren (Bile Acids): Funktion, Kreislauf und Darm

Auch: Gallensäure · Gallensalze · Gallsäure · Bile Acids · Bile Acid · Bile Salts
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Die Leber bildet primäre Gallensäuren aus Cholesterin; Darmbakterien machen daraus sekundäre Gallensäuren (Mensch, Tier; Wahlström et al., 2016).
  • Rund 95 Prozent werden am Ende des Dünndarms zurückgeholt und kreisen mehrmals am Tag zwischen Darm und Leber (Mensch; Chiang, 2013).
  • Eine Gallensäure-Malabsorption findet sich bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Menschen mit Reizdarm vom Durchfalltyp (Mensch; Wedlake et al., 2009).

„Was sind Gallensäuren, was heißt bile acids auf Deutsch, und was haben sie mit meinem Darm zu tun?“

Vielleicht bist du über das englische Wort bile acids gestolpert, in einer Studie oder einem Befund. Oder du hast seit einer Operation an der Gallenblase öfter Durchfall, nach fettem Essen Druck im Oberbauch oder hellen, fettigen Stuhl, und fragst dich, ob das mit der Galle zu tun hat.

Die mechanische Sicht der Medizin sieht Gallensäuren als Fettlöser: Die Leber bildet sie, die Gallenblase speichert sie, der Darm braucht sie für die Fettverdauung. Gallensteine, ein gestauter Gallenfluss und Leberwerte stehen im Mittelpunkt (Mensch). Und trotzdem: Warum spricht die Forschung heute von Gallensäuren als Botenstoffen?

Die energetische Sicht aus Naturheilkunde und traditioneller Medizin sieht Leber und Galle als Organe der Reinigung und setzt auf Bitterstoffe für den Gallenfluss. Sie spürt etwas Echtes: Über die Galle wird der Körper tatsächlich Cholesterin und andere Stoffe los (Mensch). Und trotzdem: Was davon ist gemessen, und was ist Bild?

Die biologische Sicht verbindet beides: Gallensäuren verdauen Fett, kreisen zwischen Leber und Darm, sprechen mit den Darmbakterien und senden Signale an Leber, Darm und Immunzellen.

Was im Körper passiert

Stell dir Gallensäuren als Pendelbus zwischen Leber und Darm vor. Die Leber setzt die Fahrgäste ein, die Gallenblase ist der Parkplatz, und nach jeder Mahlzeit fährt der Bus in den Dünndarm. Dort helfen die Gallensäuren, Fette zu verpacken. Am Ende des Dünndarms steigen fast alle wieder aus und fahren über die Pfortader zurück zur Leber (Mensch; Chiang, 2013).

Unterwegs geben sie Nachrichten weiter. In der Darmzelle melden sie über den Rezeptor FXR, wie voll der Bus ist, und die Leber passt ihre Neubildung an (Mensch, Tier; Chiang, 2013). Die wenigen, die in den Dickdarm weiterfahren, treffen auf Bakterien, die sie umbauen, und diese Bakterien werden ihrerseits von den Gallensäuren geformt (Mensch, Tier; Wahlström et al., 2016).

Wenn am Ende des Dünndarms zu viele Fahrgäste nicht aussteigen, kommen sie im Dickdarm an. Dort ziehen sie Wasser in den Darm und beschleunigen ihn, und es kommt zu wässrigem Durchfall. Das ist die Gallensäure-Malabsorption, eine Diagnose, die die Ärztin stellt (Mensch; Camilleri, 2015).

Gallensäuren (Bile Acids): Funktion, Kreislauf und Darm: Gallensäuren, englisch bile acids, sind Stoffe, die die Leber aus Cholesterin bildet und mit der Galle in den Darm abgibt. Dort machen sie Nahrungsfette löslich, damit sie verdaut und aufgenommen werden können. Gekoppelt an Glycin oder Taurin heißen sie Gallensalze, englisch bile salts.

Primäre und sekundäre Gallensäuren. Die Leber bildet aus Cholesterin zwei primäre Gallensäuren, Cholsäure und Chenodesoxycholsäure. Den ersten und geschwindigkeitsbestimmenden Schritt macht das Enzym CYP7A1 (Mensch, Tier; Chiang, 2013). Vor der Abgabe koppelt die Leber sie an Glycin oder Taurin; so werden sie zu Gallensalzen, die im wässrigen Darminhalt gelöst bleiben. Im Dickdarm wandeln Bakterien einen Teil in sekundäre Gallensäuren um, vor allem Desoxycholsäure und Lithocholsäure (Mensch, Tier; Wahlström et al., 2016).

Fettverdauung. Die Gallenblase speichert und konzentriert die Galle zwischen den Mahlzeiten. Kommt fetthaltiges Essen in den Zwölffingerdarm, setzt der Darm das Hormon Cholecystokinin frei, die Gallenblase zieht sich zusammen und gibt Galle ab. Gallensalze verpacken Fette und die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K in winzige Kügelchen, sogenannte Mizellen, an denen die Enzyme der Bauchspeicheldrüse angreifen können (Mensch; Chiang, 2013).

Gallensäure-Resorption und Kreislauf. Am Ende des Dünndarms, im terminalen Ileum, holt ein Transporter rund 95 Prozent der Gallensäuren zurück. Über die Pfortader kehren sie zur Leber zurück und werden erneut abgegeben. Dieser enterohepatische Kreislauf läuft mehrmals am Tag; nur ein kleiner Teil geht mit dem Stuhl verloren und wird aus Cholesterin neu gebildet (Mensch; Chiang, 2013). Die Gallensäure-Resorption im Ileum ist damit der Engpass des ganzen Systems.

Signalstoffe. Gallensäuren sind auch Botenstoffe. Über den Rezeptor FXR melden sie der Darmzelle, wie viel Gallensäure gerade unterwegs ist. Die Darmzelle schickt dann das Hormon FGF19 zur Leber, die ihre Neubildung drosselt. Über den Rezeptor TGR5 beeinflussen Gallensäuren unter anderem die Ausschüttung des Darmhormons GLP-1 und die Aktivität von Immunzellen (Mensch, Tier; Chiang, 2013).

Darmbakterien. Bakterien lösen mit dem Enzym Gallensalzhydrolase die Kopplung an Glycin oder Taurin und bauen Gallensäuren weiter um. Umgekehrt wirken Gallensäuren auf die Bakterien zurück, manche hemmen deren Wachstum. So formen Gallensäuren und Mikrobiom einander, mit Folgen für Stoffwechsel und Darmschleimhaut (Mensch, Tier; Wahlström et al., 2016).

Gallensäure-Malabsorption. Holt das Ileum zu wenig Gallensäuren zurück, gelangen zu viele in den Dickdarm. Dort ziehen sie Wasser an und beschleunigen den Darm; es kommt zu wässrigem Durchfall, oft mit Drang. Das kann nach Operationen oder Entzündungen am Ileum passieren, nach Entfernung der Gallenblase oder ohne erkennbaren Grund (Mensch; Camilleri, 2015). Bei Menschen mit Reizdarm vom Durchfalltyp fand eine Übersichtsarbeit diese Störung bei etwa einem Viertel bis einem Drittel, je nach Grenzwert des Tests (Mensch; Wedlake et al., 2009). Die Diagnose stellt die Ärztin, etwa mit einem nuklearmedizinischen Test, dem SeHCAT-Test, mit dem Blutmarker C4 oder mit Gallensäuren im Stuhl. Zur Behandlung gibt es Medikamente, die Gallensäuren im Darm binden (Mensch; Camilleri, 2015).

zum Merken
Gallensäuren sind Fettlöser und Botenstoffe zugleich. Was am Ende des Dünndarms nicht zurückkommt, spürt der Dickdarm.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Beobachten.

Du kannst notieren, ob dein Stuhl nach fettreichen Mahlzeiten anders ist, ob er hell, fettig oder schwer abzuspülen ist und ob Durchfall eher nach dem Essen oder morgens kommt. Solche Muster helfen deiner Ärztin bei der Einordnung.

Wenn du seit einer Operation an Gallenblase oder Dünndarm öfter wässrigen Durchfall hast oder bei dir ein Reizdarm vom Durchfalltyp festgestellt wurde, kannst du mit deiner Ärztin besprechen, ob eine Gallensäure-Malabsorption geprüft werden sollte. Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder nächtlicher Durchfall gehören ohnehin zu ihr. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Bildung, Kreislauf und Fettverdauung der Gallensäuren sind Lehrbuchwissen (Mensch). Die Signalwege über FXR und TGR5 und die Wechselwirkung mit den Darmbakterien sind gut untersucht, viele Einzelheiten stammen aber aus Tier- und Zellstudien. Wie häufig eine Gallensäure-Malabsorption ist, hängt vom Test und seinem Grenzwert ab, und der SeHCAT-Test ist nicht überall verfügbar. Aus Beschwerden allein lässt sich die Störung nicht ableiten; die Diagnose stellt die Ärztin.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Die Fettlöser aus der Galle: Gallensäuren, Gallensalze (bile acids, bile salts)
  • Der Kreislauf zwischen Leber und Darm: enterohepatischer Kreislauf
  • Das Ende des Dünndarms: terminales Ileum
  • Durchfall durch Gallensäuren: Gallensäure-Malabsorption, chologene Diarrhö
  • Der Test auf Gallensäureverlust: SeHCAT-Test, C4 im Blut (7α-Hydroxy-4-cholesten-3-on)
  • Heller, fettiger Stuhl: Steatorrhö
  • Die Galle staut sich: Cholestase
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Quellen (4)
  • Bile Acid Metabolism and Signaling
    Chiang J.Y.L. – Comprehensive Physiology (2013) DOI: 10.1002/cphy.c120023
  • Intestinal Crosstalk between Bile Acids and Microbiota and Its Impact on Host Metabolism
    Wahlström A., Sayin S.I., Marschall H.U., Bäckhed F. – Cell Metabolism (2016) DOI: 10.1016/j.cmet.2016.05.005
  • Bile Acid Diarrhea: Prevalence, Pathogenesis, and Therapy
    Camilleri M. – Gut and Liver (2015) DOI: 10.5009/gnl14397
  • Systematic review: the prevalence of idiopathic bile acid malabsorption as diagnosed by SeHCAT scanning in patients with diarrhoea-predominant irritable bowel syndrome
    Wedlake L., A'Hern R., Russell D. et al. – Alimentary Pharmacology & Therapeutics (2009) DOI: 10.1111/j.1365-2036.2009.04081.x

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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