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Fachbeitrag · Regenerationsmedizin

Was unsere Forschung zeigt — und warum wir sie so veröffentlichen

Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 7 Min. Lesezeit
In 30 Sekunden

Chronische Gesundheit haben wir zuerst in der Praxis gesehen — über sieben Jahre bei mehr als 2.000 Menschen im MOJO Institut. Dann haben wir sie wissenschaftlich eingeordnet: ein Regenerationsmedizin-Framework, drei systematische Reviews zu mitochondrialen Interventionen, eigene Fallserien wie KetoBrain (peer-reviewed) und CarnImmun (eingereicht). Die meisten Arbeiten veröffentlichen wir als Preprint, weil Journal-Open-Access oft 4.000 Euro und mehr kostet und unsere Forschung nicht hinter einer Paywall verschwinden soll. So kannst du Evidenzstufen benennen und trotzdem auf eigene Publikationen verweisen.

Zuerst die Praxis — dann die Publikationen

Wenn du als Gesundheitsprofi fragst „Wo steht das?", meinst du oft: Gibt es Studien? Peer Review? Oder ist das nur eine schöne Story?

Fair. Deshalb dieser Artikel. Ich erkläre dir nicht nur, was wir forschen, sondern warum wir es in dieser Reihenfolge tun — und warum die meisten unserer Arbeiten als Preprint online stehen, während eine Fallserie bereits peer-reviewed in einem Journal erschienen ist.

Die Kurzfassung vorweg: Wir haben chronische Gesundheit nicht zuerst in einem Paper „erfunden". Wir haben sie über mehr als sieben Jahre bei über 2.000 Menschen im Institut begleitet — und dann angefangen, das systematisch zu dokumentieren und zu publizieren. Forschung folgt bei uns der Praxis, nicht umgekehrt.

Welche Forschungsaspekte uns die Augen geöffnet haben

Bevor wir eigene Reviews schrieben, hat uns die internationale Literatur — und unsere klinische Arbeit — auf drei Ebenen gezeigt, dass chronische Gesundheit möglich ist, auch wenn das Schulsystem sie oft als Endpunkt behandelt.

Stoffwechsel und Reversibilität. Naviaux (2014) hat mit der Cell Danger Response gezeigt, wie Mitochondrien zwischen Sicherheits- und Heilungsmodus schalten — und warum Energiemangel vielen chronischen Mustern zugrunde liegt. Virta Health (Athinarayanan et al., 2019) dokumentierte bei Typ-2-Diabetes über zwei Jahre: Ernährungsumstellung plus Begleitung kann zu signifikanter medikamentenfreier Remission führen. Das ist kein Lifestyle-Tipp — das ist messbare Regulationsbiologie.

Nervensystem und kognitive Erkrankungen. Toups et al. (2024) veröffentlichten die erste randomisiert-kontrollierte Studie zu einem multimodalen Alzheimer-Ansatz — mit Effekten, die in der Größenordnung über dem liegen, was viele pharmazeutische Einzelinterventionen erreichen. Das hat uns bestätigt: Chronische neurodegenerative Verläufe sind nicht automatisch Einbahnstraßen — wenn man systemisch und langfristig denkt.

Immunsystem und Körpergedächtnis. Straub (2020) formuliert die drei Körpergedächtnisse — mental, immunologisch, energiespeichernd — als Modell chronischer Fixierung. Genau dort setzt unser Paradigma an: nicht nur Symptome zu benennen, sondern zu verstehen, in welchem System die Regulation festgefahren ist.

Diese Arbeiten haben uns nicht allein überzeugt. Sie haben unsere klinischen Beobachtungen eingeordnet. Im Institut sahen wir Menschen, die nach Jahren mit Diagnose-Labels wieder handlungsfähig wurden — nicht weil ein Wunder passierte, sondern weil Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel wieder in ein anderes Gleichgewicht kamen. Die Forschung gab uns die Sprache dafür. Die Praxis gab uns den Mut, das nicht als Ausnahme zu behandeln.

Evidenz-Triangulation — unsere wissenschaftliche Haltung

Wir nennen das Evidenz-Triangulation: Mechanistische Evidenz (was passiert biologisch?), Beobachtungsstudien und Fallserien (was sehen wir in der Praxis?), systematische Reviews (was sagt die Literatur zusammen?) und klinische Erfahrung (was berichten Mentoren und Betroffene über Monate?) — transparent benannt, nicht vermischt.

„Absence of evidence is not evidence of absence" — Altman und Bland (1995). Das ist für uns kein Ausweichmanöver. Es ist die ehrliche Einordnung: Lebensstil-Interventionen sind selten patentierbar. Deshalb fehlen oft große RCTs — nicht weil nichts wirkt, sondern weil niemand Millionen finanziert, um zu zeigen, dass Atmung, Ernährung und Regulation chronische Verläufe verbessern können.

Genau in diese Lücke gehen wir als freie Forscher ohne institutionelle Grundfinanzierung — mit kleineren Budgets, aber mit der Freiheit, die Fragen zu stellen, die sonst niemand stellt.

Unser Grundlagenpaper — das Paradigma verschriftlicht

Alles, was du in der CHRONISCH GESUND Akademie lernst, hat eine gemeinsame theoretische Klammer: Toward a System for Chronic Health (Keferstein et al., 2025). Vierzehn Kernthesen, 144 Referenzen — Mitochondrien als Energiereservoir, drei konkurrierende Regulationssysteme, epigenetische Plastizität, die sechs Ärzte der Regeneration plus Dr. Pharma als endogene Pharmakologie, Mentoring als biologische Variable.

Status: Preprint auf Preprints.org — öffentlich, zitierbar, noch ohne formales Journal-Peer-Review. Bewusst so: Transparenz vor Gatekeeping. Die vollständige Übersicht mit DOI findest du auf unserer Forschungsseite.

Drei Forschungsfelder — aus der Praxis gewachsen

Neben dem Rahmenwerk forschen wir in drei Feldern. Jedes hat eigene Daten, eigene Publikationen und eine direkte Verbindung zu dem, was Mentoren in der Praxis begleiten.

Feld 1: Mitochondriale Lebensstiltherapien

Die Kernfrage: Welche Lebensstil-Interventionen verbessern messbar die mitochondriale Funktion bei chronischen Erkrankungen?

Dafür haben wir drei systematische Übersichtsarbeiten geschrieben — zu klinischer Depression, Morbus Crohn und ME/CFS. Jede analysiert Interventionen, die an den Mitochondrien ansetzen: von CoQ10 und NAD+ über ketogene und karnivore Ernährung bis zu Bewegung und Lebensstilmodifikation.

Was sich zeigt — und was uns in der Praxis schon länger aufgefallen war: Mitochondriale Dysfunktion verbindet Erkrankungen, die auf dem Papier nichts miteinander zu tun haben. Depression, Crohn, Erschöpfung — ein gemeinsamer energetischer Nenner statt drei isolierter Diagnosen.

Feld 2: KetoBrain — Neurometabolische Medizin

KetoBrain untersucht ketogene Ernährung bei bipolarer Störung — zwölf Wochen Begleitung, metabolische Therapie, psychiatrische Symptome und Darm-Hirn-Achse im Blick.

Unser Meilenstein: Die Fallserie zu kardiometabolischen Effekten bei sieben ambulanten Patienten mit bipolarer Störung ist in Frontiers in Nutrition peer-reviewed erschienen (DOI: 10.3389/fnut.2025.1635489). Unabhängige Gutachter haben Methodik und Daten geprüft — das war für uns der Beweis, dass unsere klinische Dokumentation internationalen Standards standhält.

Zentrale Befunde: Lipoprotein(a) −21 %, Triglyceride −30 %, Apolipoprotein B −10 % über drei Monate — metabolische Verbesserungen, die in der Psychiatrie oft übersehen werden. Eine zweite Arbeit zu psychiatrischen Symptomen und Darm-Hirn-Achse ist derzeit im Peer-Review eingereicht.

Feld 3: CarnImmun — Immunregulation durch Nahrung

CarnImmun ist gleichzeitig klinisches Programm und Forschungsprojekt: systematische Vorher/Nachher-Daten bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen — echte Laborbefunde, echte Symptomscores, zwölf Wochen strukturierte Begleitung.

Die Fallserie „Carnivore diet as immunotherapy in inflammatory bowel disease" ist eingereicht und durchläuft das Peer-Review. Ergänzend liegen eine Hypothesenarbeit zu karnivorer Ernährung bei CED (Preprint) und der Maasai-Diät-Fallbericht mit umfassenden Laboranalysen vor — deskriptiv, mit allen Limitationen eines Einzelfalls, aber wissenschaftlich dokumentiert.

MOJO Forschungsweg: Praxis, Evidenz-Triangulation, Systematic Reviews, Fallserien KetoBrain und CarnImmun, Preprint und Peer-Review
Von der Praxis zur Publikation — nicht umgekehrt. Transparenz über Evidenzstufen ist Teil der Wissenschaft.

Warum wir vor allem Preprints veröffentlichen

Die ehrliche Antwort ist nicht „weil Preprints besser sind als Journals". Sie sind es nicht — sie haben kein formales Peer-Review. Die ehrliche Antwort ist:

1. Open Access kostet Geld, das wir lieber in Forschung stecken. Viele Journals verlangen 3.000 bis 4.000 Euro und mehr als Article Processing Charge — nur damit der Artikel öffentlich lesbar ist. Für ein Institut ohne Pharma-Budget ist das ein realer Engpass.

2. Paywalls widersprechen unserem Auftrag. Wir bilden Gesundheitsprofis aus, die Menschen mit chronischen Erkrankungen begleiten. Wenn unsere eigene Forschung hinter einer Bezahlschranke verschwindet, können weder Kolleg:innen noch Betroffene sie prüfen — das untergräbt genau die Transparenz, die wir einfordern.

3. Zeit. Von der Einreichung bis zur Journal-Veröffentlichung vergehen oft zwölf bis vierundzwanzig Monate. Preprints auf Preprints.org sind sofort einsehbar und zitierbar — als Zwischenstand, nicht als Endprodukt.

Das heißt: Wenn du zitierst, benenne die Evidenzstufe. Preprint ≠ peer-reviewed ≠ RCT. Unser KetoBrain-Paper in Frontiers zeigt, dass wir Journal-Standards anstreben, wo es passt. Die systematischen Reviews und das Framework-Paper sind bewusst der transparente Zwischenschritt — nicht die Behauptung, alles sei schon final geprüft.

Was das für dich bedeutet

Du kannst auf eigene MOJO-Publikationen verweisen. Systematische Reviews zu mitochondrialen Interventionen bei Depression, Crohn und ME/CFS. Das Regenerationsmedizin-Framework. KetoBrain peer-reviewed. CarnImmun eingereicht. Alles mit DOI — gebündelt auf mojo-institut.de/forschung.

Du kannst Evidenzstufen benennen. „Es gibt eine systematische Übersichtsarbeit" ist etwas anderes als „ich hab mal was gelesen". Beides kann stimmen — aber nur die erste Aussage ist wissenschaftlich verortbar.

Du kannst Grenzen offen sagen. Unsere Fallserien sind keine 10.000-Personen-RCTs. Unsere Preprints haben kein Journal-Peer-Review. Das offen zu benennen ist Stärke — es zeigt, dass du verstehst, wie Wissenschaft funktioniert. Genau das unterscheidet einen kompetenten Mentor von jemandem, der nur Meinungen weitergibt.

Die persönliche Geschichte, warum wir dieses Feld überhaupt eröffnet haben, steht in der Originstory. Wie die vier Akademie-Stufen daraus gewachsen sind, im Artikel Warum die vier Akademie-Stufen genau so aufgebaut sind.

Wenn du wissen willst, ob das Paradigma und der Mentoring-Weg zu dir passen — unten findest du das Quiz. Zwei Minuten. Kein Pitch. Ehrliche Einordnung.

Die MOJO Perspektive

Unsere Forschungsergebnisse bei MOJO entstehen aus der systematischen Auswertung realer Klientendaten — Laborwerte, Interventionen, Outcomes. So validieren wir, welche Maßnahmen tatsächlich messbare Ergebnisse liefern und welche nur theoretisch plausibel sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Internationale Schlüsselstudien (Mitochondrien, Diabetes-Remission, Alzheimer-RCT, Körpergedächtnisse) und unsere Praxis haben uns gezeigt: chronische Verläufe sind oft Regulationsprobleme — nicht automatisch Endpunkte.
  • 2Wir forschen in drei Feldern: mitochondriale Lebensstiltherapien (drei Systematic Reviews), KetoBrain (ketogene Begleitung bei bipolarer Störung, peer-reviewed in Frontiers in Nutrition) und CarnImmun (CED-Fallserie, eingereicht).
  • 3Das Framework-Paper „Toward a System for Chronic Health" (14 Kernthesen, 144 Referenzen) ist unser theoretisches Fundament — als Preprint öffentlich zugänglich.
  • 4Preprints sind bei uns Transparenz-Werkzeug, kein Qualitätsersatz: sofort zitierbar, ohne 4.000-Euro-APC und ohne Paywall — Peer-Review dort, wo es passt (z. B. KetoBrain).
  • 5Als Mentor:in: Evidenzstufe benennen, DOIs nennen, Grenzen offen sagen — vollständige Liste auf /forschung.

Häufige Fragen

Sind Preprints „echte" Wissenschaft?
Ja — als dokumentierte Zwischenstände. Preprints auf Preprints.org sind wissenschaftlich formuliert, öffentlich und zitierbar, haben aber kein formales Journal-Peer-Review. Du solltest den Unterschied kennen und benennen: Preprint, peer-reviewed, Fallserie, RCT. Bei uns ist Preprint bewusst gewählt — für Transparenz und gegen Paywalls, nicht als Ersatz für Qualitätsprüfung.
Was ist der stärkste peer-reviewed Befund des MOJO Instituts?
Die KetoBrain-Fallserie in Frontiers in Nutrition (2024/2025): ketogene metabolische Therapie bei sieben Patienten mit bipolarer Störung über drei Monate — mit signifikanten Verbesserungen bei Lipoprotein(a), Triglyceriden und Apolipoprotein B. Unabhängige Gutachter haben die Arbeit freigegeben. Eine zweite Arbeit zu psychiatrischen Symptomen und Darm-Hirn-Achse ist eingereicht.
Warum veröffentlicht ihr nicht alles in Journals?
Open Access in vielen Journals kostet 3.000 bis 4.000 Euro und mehr pro Artikel — Geld, das wir lieber in Datenerhebung und Begleitung investieren. Zudem dauert der Weg bis zur Veröffentlichung oft über ein Jahr. Preprints ermöglichen sofortige Transparenz. Wo es sinnvoll ist, gehen wir den Journal-Weg — wie bei KetoBrain in Frontiers in Nutrition.
Wo finde ich alle Publikationen mit DOI?
Auf der MOJO-Forschungsseite unter /forschung — dort sind Framework-Paper, Systematic Reviews, Fallserien und Status-Badges (Preprint, Peer-Reviewed, Eingereicht) mit DOI-Links gebündelt. Die Seite wird laufend aktualisiert.

Verwandte Artikel

Quellen & Referenzen

  • Toward a System for Chronic Health
    Keferstein, G.; Wesseling, C.; Höhfeld, D.; Sauren, J.; Walde, D.; Hoffmann, L.; Wilting, R.; Stenzel, J. – Preprints (2025) DOI: 10.20944/preprints202510.2117.v2
  • Effects of a Ketogenic Diet on Cardiometabolic Health in Seven Outpatients with Bipolar Disorder
    Keferstein G et al. – Frontiers in Nutrition (2025) DOI: 10.3389/fnut.2025.1635489
  • Efficacy of Mitochondrial-Based Interventions in the Management of Clinical Depression
    Keferstein G et al. – Preprints.org (2023) DOI: 10.20944/preprints202309.1547.v1
  • Efficacy of Mitochondrial-Based Interventions in the Management of Crohn's Disease
    Keferstein G, Sauren J, Höhfeld D – Preprints.org (2023) DOI: 10.20944/preprints202309.1722.v1
  • Efficacy of Mitochondrial-Based Therapies for ME/CFS
    Keferstein G et al. – Preprints.org (2023) DOI: 10.20944/preprints202310.0637.v1
  • Metabolic features of the cell danger response
    Naviaux RK – Mitochondrion (2014) DOI: 10.1016/j.mito.2013.08.006
  • Long-Term Effects of a Novel Continuous Remote Care Intervention Including Nutritional Ketosis for the Management of Type 2 Diabetes
    Athinarayanan S.J., Adams R.N., Hallberg S.J. et al. – Frontiers in Endocrinology (2019) DOI: 10.3389/fendo.2019.00348
  • Precision Medicine Approach to Alzheimer's Disease: Rationale and Implications
    Bredesen DE, Toups K, Hathaway A, Gordon D, Chong H – Journal of Alzheimer's Disease (2023) DOI: 10.3233/JAD-230467
  • Absence of evidence is not evidence of absence
    Altman DG, Bland JM – BMJ (1995) DOI: 10.1136/bmj.310.6987.1128

Wie wir Evidenz bewerten

Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.

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