Thyreoglobulin-Antikörper (Anti-TG)
Thyreoglobulin-Antikörper (Anti-TG) — Thyreoglobulin-Antikörper (Anti-TG) sind Autoantikörper gegen Thyreoglobulin – das Protein, in dem die Schilddrüse ihre Hormone speichert. Sie sind bei 60–80 % der Hashimoto-Patienten erhöht und diagnostisch besonders wichtig, wenn Anti-TPO negativ ist.
Thyreoglobulin (TG) ist ein großes Glykoprotein (660 kDa), das in den Follikeln der Schilddrüse als Kolloid gespeichert wird. Es dient als Matrix für die Schilddrüsenhormonsynthese: Jod wird an Tyrosinreste des Thyreoglobulins gebunden, und aus diesen jodierten Tyrosinen entstehen T3 und T4. Bei Bedarf wird Thyreoglobulin durch Proteasen gespalten und die fertigen Hormone ins Blut freigesetzt.
Bei Hashimoto bildet das Immunsystem Antikörper gegen Thyreoglobulin. Diese Anti-TG-Antikörper markieren das Protein und die es speichernden Follikel für die Immunzerstörung. Anti-TG tragen zur Gewebezerstörung bei und können die Thyreoglobulin-Messung im Labor stören (TG-Messung ist wichtig in der Schilddrüsenkarzinom-Nachsorge).
Anti-TG sind bei 60–80 % der Hashimoto-Patienten erhöht. Klinisch besonders relevant sind sie in folgenden Situationen:
- Anti-TPO negativ, Anti-TG positiv: Etwa 5–10 % der Hashimoto-Patienten sind Anti-TPO-negativ, aber Anti-TG-positiv. Ohne Anti-TG-Bestimmung würde Hashimoto in diesen Fällen übersehen.
- Verlaufskontrolle: Anti-TG können im Verlauf unabhängig von Anti-TPO schwanken und zusätzliche Informationen über die Autoimmunaktivität liefern.
- Schilddrüsenkarzinom-Nachsorge: Anti-TG können die Thyreoglobulin-Messung (TG) verfälschen – ein klinisch wichtiger Interferenzfaktor.
Der Normalbereich variiert je nach Labor, liegt aber typischerweise unter 115 IU/ml (oder <40 IU/ml je nach Assay). Wie bei Anti-TPO korreliert die Höhe nicht immer direkt mit der Symptombelastung.
— Die MOJO Perspektive
Anti-TG zeigen, dass das Immunsystem nicht nur das Produktionsenzym (TPO), sondern auch das Speichersystem (Thyreoglobulin) der Schilddrüse angreift. In der Regenerationsmedizin betrachten wir Anti-TG als zweite Dimension der Hashimoto-Diagnostik: Wenn beide Antikörper erhöht sind, ist die Autoimmunreaktion auf mehreren Ebenen aktiv. Die Senkung beider Antikörper ist ein Zeichen dafür, dass die zugrunde liegenden Trigger adressiert werden.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Anti-TG sind bei 60–80 % der Hashimoto-Patienten erhöht – diagnostisch wichtig, wenn Anti-TPO negativ ist.
- 25–10 % der Hashimoto-Patienten sind Anti-TPO-negativ, aber Anti-TG-positiv – ohne Anti-TG wird Hashimoto übersehen.
- 3Anti-TG können die Thyreoglobulin-Messung in der Schilddrüsenkarzinom-Nachsorge stören.
- 4Beide Antikörper (Anti-TPO + Anti-TG) zusammen zeigen das vollständige Bild der Autoimmunaktivität.
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Quellen & Referenzen
- Serum TSH, T(4), and thyroid antibodies in the United States population: NHANES IIIHollowell J.G., Staehling N.W., Flanders W.D. et al. – Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2002)
- Thyroglobulin Antibodies Could be a Potential Predictive Marker for Papillary Thyroid CarcinomaVasileiadis I., Boutzios G. et al. – Annals of Surgical Oncology (2014) DOI: 10.1245/s10434-014-3593-x
- Hashimoto thyroiditis: clinical and diagnostic criteriaCaturegli P., De Remigis A., Rose N.R. – Autoimmunity Reviews (2014) DOI: 10.1016/j.autrev.2014.01.007
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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