Warum bin ich im Herbst besonders infektanfällig?
Die herbstliche Infektanfälligkeit ist das Resultat konvergierender Faktoren: Kältere Luft trocknet Schleimhäute aus (reduzierte mukoziliäre Clearance), die verkürzte Tageslänge senkt Vitamin-D-Spiegel, Innenraumleben erhöht die Erreger-Exposition, und saisonale Schlafveränderungen können die Immunfunktion beeinträchtigen.
Deine Atemwegsschleimhäute sind die erste physische Barriere gegen respiratorische Erreger. Kalte, trockene Luft (draußen) und trockene Heizungsluft (drinnen) reduzieren die Befeuchtung dieser Schleimhäute und verlangsamen die mukoziliäre Clearance — den Selbstreinigungsmechanismus, der Erreger über den Schleimfilm aus den Atemwegen transportiert. Gleichzeitig sinken ab Herbst die Vitamin-D-Spiegel: Oberhalb des 50. Breitengrades ist die UVB-Strahlung ab Oktober zu gering für kutane Synthese. Prather et al. (2015) zeigten, dass bereits kurze Schlafverkürzung (unter 6 Stunden) das Infektionsrisiko nach Rhinovirus-Exposition signifikant erhöht.
Im Detail
Die Saisonalität respiratorischer Infektionen ist ein gut dokumentiertes Phänomen mit mehreren Erklärungsansätzen:
Mukoziliäre Clearance: Kalte, trockene Luft reduziert die Viskosität des Schleimfilms und die Schlagfrequenz der Zilien in den Atemwegen. Das verlangsamt den Abtransport von Partikeln und Erregern — die Erreger haben länger Kontakt mit dem Atemwegsepithel, was die Infektionswahrscheinlichkeit erhöht.
Vitamin D: Martineau et al. (2017) zeigten in einer großen Metaanalyse (25 RCTs, 11.321 Teilnehmer), dass Vitamin-D-Supplementierung akute Atemwegsinfektionen reduziert — besonders bei Personen mit niedrigen Ausgangsspiegeln (<25 nmol/L). Die saisonale Vitamin-D-Absenkung im Herbst/Winter korreliert zeitlich mit der Infekt-Hochsaison.
Psychoneuroimmunologische Faktoren: Cohen et al. (2012) zeigten, dass chronischer psychischer Stress die Glukokortikoid-Rezeptor-Sensitivität reduziert — das Immunsystem wird „taub" gegenüber der anti-inflammatorischen Wirkung von Cortisol. Die Folge: Entzündungsreaktionen laufen unkontrollierter ab. Der Herbst-Übergang (Urlaubsende, Schulbeginn, steigende Arbeitsbelastung) kann für viele Menschen einen solchen Stress-Anstieg bedeuten.
Sozialverhalten: Mehr Zeit in geschlossenen Räumen, engerer Kontakt, schlechtere Belüftung — die Aerosol-Übertragung respiratorischer Viren wird erleichtert.
, Die MOJO Perspektive
In der MOJO-Perspektive ist herbstliche Infektanfälligkeit kein unausweichliches Schicksal, sondern ein Hinweis auf die Gesamtregulation der drei Systeme. Das Immunsystem braucht Vitamin D für die Aktivierung antimikrobieller Peptide. Das Nervensystem beeinflusst über den Vagotonus und die Stressachse die Immunfunktion direkt. Der Stoffwechsel liefert die Energie, die Immunzellen für Aktivierung und Proliferation brauchen. Die „Infektanfälligkeit" ist oft ein Summeneffekt aus niedrigem Vitamin D, gestörtem Schlaf, erhöhtem Stress und metabolischer Belastung — nicht ein isoliertes Immunversagen.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Kalte, trockene Luft reduziert die mukoziliäre Clearance — die Selbstreinigung der Atemwege wird langsamer
- 2Vitamin-D-Spiegel sinken ab Herbst — die Synthese ist oberhalb des 50. Breitengrades ab Oktober zu gering
- 3Vitamin-D-Supplementierung reduziert akute Atemwegsinfektionen besonders bei niedrigen Ausgangsspiegeln
- 4Bereits Schlafverkürzung unter 6 Stunden erhöht die Infektanfälligkeit signifikant
Verwandte Fragen
Sollte ich im Herbst Vitamin D supplementieren?
Quellen & Referenzen
- Behaviorally Assessed Sleep and Susceptibility to the Common Cold
- Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant dataMartineau AR, Jolliffe DA, Hooper RL, Greenberg L, Aloia JF, Bergman P, et al. – BMJ (2017) DOI: 10.1136/bmj.i6583
- Chronic stress, glucocorticoid receptor resistance, inflammation, and disease riskCohen S, Janicki-Deverts D, Doyle WJ, Miller GE, Frank E, Rabin BS, Turner RB – Proceedings of the National Academy of Sciences (2012) DOI: 10.1073/pnas.1118355109
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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