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Glossar · Diagnosen & Krankheitsbilder

TyG-Index: Formel, Rechenbeispiel und was der Wert zeigt

Auch: TyG-Index · TyG Index · TyG · Triglyzerid-Glukose-Index · Triglyceride-Glucose-Index · Triglyceride Glucose Index · TG/Glukose-Index
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Die Formel lautet: natürlicher Logarithmus aus Triglyzeriden mal Nüchternzucker, beide in mg/dl, geteilt durch zwei. Sie wurde als Ersatz für die Insulinmessung entwickelt (Mensch; Simental-Mendía et al., 2008).
  • Bei jungen Erwachsenen traf der TyG-Index im Vergleich mit der Clamp-Messung, dem aufwendigen Goldstandard, etwa zwei von drei Fällen richtig (Mensch; Guerrero-Romero et al., 2016).
  • Eine Übersicht über 15 Studien fand stark schwankende Trennwerte und eine niedrige bis moderate Qualität der Belege; einen einheitlichen Grenzwert gibt es nicht (Mensch; Sánchez-García et al., 2020).

„Was ist der TyG-Index, wie berechne ich ihn aus meinen Laborwerten, und was sagt mein Wert über Insulinresistenz?“

Vielleicht steht in deinem Befund: Triglyzeride erhöht, Nüchternzucker hoch normal. Und dazu der Satz: „Essen Sie weniger Fett.“ Dann liest du vom TyG-Index und fragst dich, was diese Zahl über dich sagt.

Die mechanische Sicht der Labormedizin liest jeden Wert für sich: Triglyzeride sind Blutfette mit eigenem Grenzwert, der Zucker hat seinen. Liegt ein Wert darüber, wird er gesenkt. Das ist klar und schützt, denn sehr hohe Triglyzeride können die Bauchspeicheldrüse gefährden. Und trotzdem: Warum steigen die Blutfette oft auch bei Menschen, die gar nicht viel Fett essen, und warum steigen sie so häufig zusammen mit dem Zucker?

Die energetische Sicht der Erfahrungsheilkunde sagt: Der Stoffwechsel ist träge geworden, die Leber überlastet und braucht Entlastung. Sie spürt richtig, dass die Leber im Mittelpunkt steht und dass es um mehr geht als um einen einzelnen Wert. Und trotzdem: Ein träger Stoffwechsel lässt sich so nicht messen, und Entlastung allein erklärt nicht, warum zwei Werte gemeinsam steigen.

Die biologische Sicht verbindet beides: Triglyzeride und Nüchternzucker erzählen oft dieselbe Geschichte. Der TyG-Index liest sie zusammen.

Oft heißt es: „Zucker ist der Übeltäter.“ Hohe Triglyzeride sind oft kein Fettproblem aus dem Teller, sondern Brennstoff ohne Abnehmer, den die Leber verpackt und ins Blut schickt.

Was im Körper passiert

Stell dir deine Leber als Verteilzentrum vor. Insulin ist ihr Signal, dass genug Brennstoff da ist: Sie soll keinen Zucker mehr nachliefern, und das Fettgewebe soll seine Reserven behalten.

Wird dieses Signal schwächer, passieren zwei Dinge zugleich. Das Fettgewebe gibt mehr freie Fettsäuren ab, die Leber nimmt sie auf und verpackt sie zu Triglyzeriden, die sie in kleinen Transportteilchen ins Blut schickt. Und die Leber liefert auch nüchtern weiter Zucker nach. Beides beschreiben Samuel und Shulman als zwei Seiten derselben Insulinresistenz in Leber und Fettgewebe (Mensch und Tier; Samuel & Shulman, 2012).

Darum steigen Triglyzeride und Nüchternzucker so oft gemeinsam. Dahinter steht meist ein Stau: Es kommt mehr Brennstoff an, als Muskeln und ihre Mitochondrien abnehmen. Ob dieser Stau der zentrale Treiber ist, beschreiben Fachleute als gut belegtes Modell, das in Zell-, Tier- und Menschenstudien untersucht ist.

Der TyG-Index ist damit ein Fenster auf das Verteilzentrum. Wenn Brennstoff wieder Abnehmer findet, etwa durch arbeitende Muskeln und längere Pausen zwischen Mahlzeiten, kann sich beides wieder beruhigen.

TyG-Index: Formel, Rechenbeispiel und was der Wert zeigt: Der TyG-Index (Triglyzerid-Glukose-Index) ist ein Schätzwert für Insulinresistenz. Er wird aus zwei Nüchternwerten berechnet, den Triglyzeriden und dem Blutzucker, und braucht keine Insulinmessung. Je höher er liegt, desto wahrscheinlicher arbeitet dein Insulin gegen Widerstand.

So rechnest du den TyG-Index aus

Du brauchst Triglyzeride und Nüchternzucker aus derselben Blutabnahme, beide nüchtern gemessen. Die Formel lautet:

TyG = ln (Triglyzeride in mg/dl × Nüchternzucker in mg/dl / 2)

„ln“ ist der natürliche Logarithmus, jeder Taschenrechner und jedes Tabellenprogramm kann ihn. Ein Beispiel: Triglyzeride 150 mg/dl, Nüchternzucker 100 mg/dl. 150 × 100 / 2 = 7.500. Der natürliche Logarithmus von 7.500 ist etwa 8,92.

Steht dein Befund in mmol/l, rechnest du zuerst um: Triglyzeride in mmol/l mal 88,57 ergibt mg/dl, Glukose in mmol/l mal 18,02 ergibt mg/dl.

Zwei Schreibweisen, zwei Zahlenwelten

Hier liegt die häufigste Verwirrung. Wird erst logarithmiert und danach durch zwei geteilt, ergibt dasselbe Beispiel etwa 4,81 statt 8,92. In Rechnern und Studien finden sich Werte auf beiden Skalen. Die oft zitierten Trennwerte um 4,5 bis 4,7 aus den ersten Studien passen rechnerisch nur zur halbierten Schreibweise. Bevor du deinen Wert mit einer Zahl aus dem Internet vergleichst, prüfe darum, welche Rechenweise gemeint ist.

Was der Wert zeigt

Je höher der TyG-Index, desto wahrscheinlicher ist eine Insulinresistenz. Simental-Mendía und Kollegen entwickelten ihn als Ersatz für den HOMA-Index, der eine Insulinmessung braucht (Mensch; Simental-Mendía et al., 2008). Bei jungen Erwachsenen in Mexiko lag seine Treffsicherheit im Vergleich mit der Clamp-Messung im mittleren Bereich (Mensch; Guerrero-Romero et al., 2016). Eine Übersicht über 15 Studien mit fast 70.000 Menschen fand je nach Gruppe und Vergleichsmethode sehr unterschiedliche Trennwerte (Mensch; Sánchez-García et al., 2020).

Was der Wert nicht zeigt

Der TyG-Index stellt keine Diagnose. Diabetes wird über HbA1c, Nüchternzucker oder den Zuckerbelastungstest festgestellt (American Diabetes Association, 2019). Er zeigt auch nicht, wie viel Insulin dein Körper aufbringt; dafür braucht es das Nüchterninsulin. Alkohol, eine späte fettreiche Mahlzeit, eine nicht ganz nüchterne Abnahme und manche Medikamente heben die Triglyzeride und damit den Wert.

Mehr zum Zusammenhang von Insulinresistenz, Laborwerten und Typ-2-Diabetes im Überblick Typ-2-Diabetes und Insulinresistenz.

zum Merken
Hohe Triglyzeride sind oft kein Fettproblem, sondern Brennstoff ohne Abnehmer. Der TyG-Index liest Fett und Zucker als eine Geschichte.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Nachrechnen, nicht mit Verzicht.

Du kannst in deinem letzten Befund nachsehen, ob Triglyzeride und Nüchternzucker am selben Tag nüchtern bestimmt wurden, und den TyG-Index selbst ausrechnen. Schreib dazu, welche Rechenweise du genutzt hast.

Du kannst notieren, was du am Abend vor der Blutabnahme gegessen und getrunken hast. Das hilft, einen einzelnen hohen Wert einzuordnen.

Und du kannst mit deiner Ärztin besprechen, ob ein Blick auf das Insulin sinnvoll ist, damit nicht nur Fett und Zucker im Bild sind. Medikamente zu Blutfetten oder Blutzucker änderst du nur gemeinsam mit ihr.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Der TyG-Index ist ein Schätzwert aus zwei Laborwerten. Die meisten Studien sind Querschnittsstudien aus einzelnen Ländern, ihre Trennwerte lassen sich nicht einfach auf dich übertragen, und die Qualität der Belege gilt als niedrig bis moderat (Sánchez-García et al., 2020). Ob ein sinkender TyG-Index im Einzelfall eine bessere Insulinwirkung bedeutet, ist kaum untersucht. Sehr hohe Triglyzeride können andere Ursachen haben, etwa eine erbliche Fettstoffwechselstörung; das klärt die Ärztin.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Meine Blutfette sind zu hoch: Hypertriglyzeridämie
  • Mein Zucker ist nüchtern leicht erhöht: gestörte Nüchternglukose
  • Mein Insulin wirkt schlechter: Insulinresistenz
  • Die Leber schickt zu viel Fett ins Blut: hepatische VLDL-Produktion
  • Der Schätzwert aus Fett und Zucker: TyG-Index (Triglyzerid-Glukose-Index)
  • Der Schätzwert mit Insulin: HOMA-IR
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Quellen (3)
  • Fasting Triglycerides and Glucose Index as a Diagnostic Test for Insulin Resistance in Young Adults
    Guerrero-Romero F., Simental-Mendía L.E., González-Ortiz M. et al. – Archives of Medical Research (2016) DOI: 10.1016/j.arcmed.2016.08.012
  • Classification and Diagnosis of Diabetes: Standards of Medical Care in Diabetes
    American Diabetes Association (ADA) – Diabetes Care (2019) DOI: 10.2337/dc19-s002
  • Metabolite profiles and the risk of developing diabetes
    Wang T.J., Larson M.G., Vasan R.S. et al. – Nature Medicine (2011) DOI: 10.1038/nm.2307

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
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