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Glossar · Diagnosen & Krankheitsbilder

DAO-Enzym (Diaminoxidase): Funktion, Normalwert, Kofaktoren

Auch: Diaminoxidase · Diaminooxidase · DAO · Histaminase · kupferhaltige Aminoxidase · AOC1
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • DAO baut Nahrungshistamin im Darm ab; Histamin im Gewebe baut vor allem ein zweites Enzym ab, die HNMT (Mensch; Maintz & Novak, 2007).
  • Bei Menschen mit Verdacht auf Histaminintoleranz war die DAO-Aktivität im Mittel niedriger als bei Gesunden; Grenzwerte hängen vom Test ab (Mensch; Mušič et al., 2013).
  • DAO als Präparat verkürzte in einer randomisierten Studie Migräneanfälle bei niedriger DAO-Aktivität; Studien bei MCAS fehlen (Mensch; Izquierdo-Casas et al., 2019).

„Was ist das DAO-Enzym, was sagt mein DAO-Wert aus, und welche Rolle spielt Diaminoxidase bei MCAS?“

Du kennst das: Nach gereiftem Käse, Rotwein, Salami oder Sauerkraut bekommst du Kopfschmerzen, einen roten Kopf, Bauchkrämpfe oder Durchfall. Irgendwann fällt das Stichwort DAO, und vielleicht hältst du schon einen Laborwert in der Hand und fragst dich, was er bedeutet.

Die mechanische Sicht sagt: Dir fehlt ein Enzym, also misst man es und ersetzt es. Diaminoxidase im Blut bestimmen, DAO als Kapsel vor dem Essen, histaminreiche Lebensmittel meiden. Das ist klar und entlastet manche Menschen spürbar. Und trotzdem: Warum verträgst du dasselbe Essen an manchen Tagen gut und an anderen nicht?

Die energetische Sicht sagt: Dein Darm ist erschöpft und braucht Schonung und Pflege. Sie spürt richtig, dass der Darm im Mittelpunkt steht. Und trotzdem: Schonung allein erklärt nicht, warum auch Wärme, Stress oder Alkohol die Beschwerden verstärken.

Die biologische Sicht verbindet beides: DAO ist kein Schalter, der an oder aus ist. Sie ist eine Leistung der Darmschleimhaut, die sich verändern kann, und nur einer von zwei Wegen, auf denen der Körper Histamin abbaut.

Oft heißt es: „Bei Histamin hilft nur Verzicht.“ Ein niedriger DAO-Wert ist kein Urteil auf Lebenszeit. Die Leistung der Darmschleimhaut kann sich verändern, und Verzicht ist nicht der einzige Hebel.

Was im Körper passiert

Stell dir die Darmschleimhaut als Pforte vor, an der Nahrungshistamin kontrolliert wird. Die Zellen der Dünndarmschleimhaut, die Enterozyten, bilden DAO und geben sie in den Darm ab. Dort spaltet das Enzym Histamin, bevor es ins Blut gelangt (Mensch; Maintz & Novak, 2007). Bildet die Schleimhaut weniger DAO, etwa bei einer Entzündung des Dünndarms, oder hemmen Alkohol und manche Arzneimittel das Enzym, kommt mehr Histamin durch.

Was im Gewebe entsteht, baut ein zweites Enzym ab, die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT). Sie arbeitet im Inneren der Zellen, etwa in Leber, Nieren und Atemwegen (Mensch; Maintz & Novak, 2007). DAO ist also der Abbau für Histamin von außen, HNMT der für Histamin aus dem eigenen Gewebe.

Das erklärt, warum DAO bei MCAS nur einen Teil des Bildes zeigt. Bei MCAS stammt viel Histamin aus den eigenen Mastzellen, also aus dem Gewebe. Eine schwache Pforte im Darm erhöht die Last aus dem Essen und kann so mit dazu beitragen, dass der Histamin-Eimer überläuft. Die Mastzellen selbst erreicht DAO im Darm nicht.

DAO-Enzym (Diaminoxidase): Funktion, Normalwert, Kofaktoren: Die Diaminoxidase (DAO) ist ein kupferhaltiges Enzym, das vor allem die Dünndarmschleimhaut bildet. Sie baut Histamin aus der Nahrung schon im Darm ab, bevor es ins Blut gelangt. Ist zu wenig DAO aktiv, können nach histaminreichem Essen Kopfschmerzen, Flush, Bauchbeschwerden oder Hautreaktionen auftreten.

Was DAO ist. Die Diaminoxidase (DAO, auch Diaminooxidase oder Histaminase) ist eine kupferhaltige Aminoxidase; ihr Gen heißt AOC1. Gebildet wird sie vor allem in den Enterozyten des Dünndarms, außerdem in Niere und Plazenta (Maintz & Novak, 2007). Ihre Hauptaufgabe ist, Histamin und verwandte biogene Amine aus der Nahrung schon im Darm abzubauen. In der Schwangerschaft bildet die Plazenta große Mengen DAO; Maintz und Novak (2007) beschreiben bis zu 500-fach höhere Werte, und viele Frauen mit Histaminintoleranz haben in dieser Zeit weniger Beschwerden.

DAO und HNMT. Der Körper hat zwei Wege, Histamin abzubauen. DAO arbeitet außerhalb der Zellen, vor allem im Darm. Die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) arbeitet im Inneren der Zellen. Für Histamin aus der Nahrung ist DAO entscheidend, für Histamin, das Mastzellen im Gewebe freisetzen, vor allem HNMT (Maintz & Novak, 2007).

Warum DAO nachlassen kann. Übersichten nennen mehrere Gründe (Maintz & Novak, 2007; Comas-Basté et al., 2020): genetische Varianten im AOC1-Gen, Erkrankungen der Dünndarmschleimhaut wie Zöliakie oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Alkohol und manche Arzneimittel, die das Enzym hemmen, sowie andere biogene Amine aus dem Essen, die mit Histamin um das Enzym konkurrieren. Ob eines deiner Medikamente dazugehört, klärst du mit deiner Ärztin.

DAO-Kofaktoren. Kupfer ist fester Bestandteil des Enzyms. Vitamin B6 und Vitamin C werden oft als Helfer der DAO-Aktivität genannt; belastbare Studien am Menschen dazu fehlen. Ob bei dir ein Mangel an diesen Stoffen vorliegt, lässt sich nur im Blut klären.

DAO-Normalwert. Viele Labore bestimmen DAO im Serum und nutzen die Entscheidungsbereiche des Testherstellers, häufig: über 10 U/ml unauffällig, 3 bis 10 U/ml Graubereich, unter 3 U/ml deutlich erniedrigt. Andere Tests messen die Aktivität in anderen Einheiten; Werte aus verschiedenen Laboren sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Mušič et al. (2013) fanden bei 316 Menschen mit Verdacht auf Histaminintoleranz im Mittel eine niedrigere DAO-Aktivität als bei 55 Gesunden. Bei 20 Menschen mit stark erniedrigten Werten stieg die Aktivität nach sechs bis zwölf Monaten histaminfreier Kost wieder an; eine Vergleichsgruppe gab es dafür nicht (Mensch). Ein einzelner Wert stellt keine Diagnose. Er ist ein Baustein neben Beschwerden, Ernährungsversuch und ärztlicher Einschätzung; in der Schwangerschaft ist er nicht mit anderen Werten vergleichbar.

DAO als Präparat. DAO zum Einnehmen ist eine Nahrungsergänzung, meist aus Schweineniere gewonnen. In einer randomisierten, doppelblinden Studie verkürzte DAO bei Menschen mit Migräne und niedriger DAO-Aktivität die Dauer der Anfälle (Mensch; Izquierdo-Casas et al., 2019). In einer kleinen offenen Studie mit 28 Menschen mit Histaminintoleranz besserten sich die Beschwerden während vier Wochen Einnahme und nahmen danach wieder zu; eine Placebogruppe gab es nicht (Mensch; Schnedl et al., 2019). Studien bei MCAS gibt es nicht. Was DAO von Mastzellstabilisatoren unterscheidet, steht im Vergleich der beiden.

zum Merken
DAO ist die Pforte im Darm für Histamin aus dem Essen. Histamin aus deinen eigenen Mastzellen nimmt einen anderen Weg.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Immunsystem, im Austausch mit dem Stoffwechsel (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Beobachten.

Du kannst eine Woche lang notieren, ob Beschwerden vor allem in den Stunden nach dem Essen kommen und nach welchen Mahlzeiten. Das zeigt, wie viel die Pforte im Darm bei dir ausmacht.

Du kannst darauf achten, ob Beschwerden auch ohne Essen auftreten, etwa bei Wärme, Stress oder Düften. Dann sind wahrscheinlich die Mastzellen stärker beteiligt, und DAO erklärt nur einen Teil.

Und wenn du schon einen DAO-Wert hast: Er ist ein Baustein, kein Urteil. Mit deinen Notizen wird das Gespräch mit deiner Ärztin darüber konkreter. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Messung der DAO im Blut ist umstritten. Tests messen teils die Menge, teils die Aktivität des Enzyms, die Grenzen hängen vom Hersteller ab, und einen einheitlichen Referenzbereich gibt es nicht. Ob der Blutwert die Leistung in der Darmschleimhaut widerspiegelt, ist nicht gesichert, und Menschen mit und ohne Beschwerden überlappen. Studien zu DAO als Präparat sind klein und betreffen Histaminintoleranz oder Migräne (Izquierdo-Casas et al., 2019; Schnedl et al., 2019); bei MCAS gibt es keine. Für Vitamin B6 und Vitamin C als Helfer der DAO fehlen belastbare Studien am Menschen.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Ich vertrage histaminreiches Essen schlecht: unerwünschte Reaktionen auf Histamin aus der Nahrung, Histaminintoleranz
  • Das Enzym im Darm, das Histamin abbaut: Diaminoxidase (DAO)
  • Der Abbau von Histamin im Gewebe: Histamin-N-Methyltransferase (HNMT)
  • Mein DAO-Wert im Blut: DAO-Aktivität oder DAO-Konzentration im Serum, Testverfahren
  • Ist meine Darmschleimhaut in Ordnung?: Dünndarmschleimhaut, Enterozyten, Zöliakie-Abklärung
  • Hemmt eines meiner Medikamente das Enzym?: DAO-Hemmer
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Quellen (3)
  • Histamine and histamine intolerance
    Maintz L, Novak N – American Journal of Clinical Nutrition (2007) DOI: 10.1093/ajcn/85.5.1185
  • Diamine oxidase (DAO) supplement reduces headache in episodic migraine patients with DAO deficiency
    Izquierdo-Casas J., Comas-Basté O., Latorre-Moratalla M.L. et al. – Clinical Nutrition (2019) DOI: 10.1016/j.clnu.2018.01.013
  • Serum diamine oxidase activity as a diagnostic test for histamine intolerance
    Mušič E., Korošec P., Šilar M. et al. – Wien Klin Wochenschr (2013) DOI: 10.1007/s00508-013-0354-y
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