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Glossar · Therapien & Interventionen

MCT-Öl: was es ist und was es im Körper macht

Auch: MCT · MCT-Fette · Mittelkettige Triglyceride · Medium-Chain Triglycerides · C8-Öl
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Mittelkettige Fettsäuren gehen über die Pfortader direkt zur Leber und brauchen für den Weg ins Mitochondrium kaum Carnitin; darum werden aus ihnen schneller Ketonkörper als aus gewöhnlichem Fett (Mensch; Lehrbuchwissen).
  • Reine Caprylsäure (C8) hob die Ketonkörper im Blut in einer kleinen Studie am stärksten, Kokosöl kaum (Mensch).
  • Im Vergleich mit gewöhnlichen Ölen nahmen Menschen mit MCT-Öl über Wochen im Mittel etwa ein halbes Kilo mehr ab; Bauchbeschwerden und Durchfall sind die häufigste Nebenwirkung (Mensch, Metaanalyse).

„Was ist MCT-Öl, was bewirkt es im Körper, und warum bekomme ich davon manchmal Durchfall?“

Du stehst im Laden oder liest einen Beitrag über Kaffee mit Butter und Öl, und da steht MCT-Öl: schnelle Energie, klarer Kopf, Ketose ohne strenge Diät. Vielleicht hast du es probiert und dann vor allem eines gemerkt, einen grummelnden Bauch und Durchfall. Und du fragst dich, was dieses Öl eigentlich ist.

Die mechanische Sicht sagt: Fett ist Fett. Ein Esslöffel MCT-Öl hat ähnlich viele Kalorien wie jedes andere Öl, und wer abnehmen will, spart besser Kalorien, als ein neues Produkt zu kaufen. Sie hat recht, dass kein Öl zaubert. Und trotzdem: Warum steigen nach MCT-Öl die Ketonkörper im Blut, nach Olivenöl in derselben Menge aber kaum?

Die energetische Sicht sagt: MCT-Öl ist reine Energie für Gehirn und Körper, du spürst die Klarheit sofort. Viele erleben einen wacheren Vormittag, und dieses Erleben ist echt. Und trotzdem: Wie viel davon ist das Öl, und wie viel das Frühstück, das dafür wegfällt?

Die biologische Sicht fragt, welchen Weg diese Fette im Körper nehmen, und warum dieser Weg kürzer ist als bei jedem anderen Fett.

Oft heißt es: „Wer richtig isst, macht alles richtig.“ Ein Öl macht noch keine Ketose. Ob deine Leber Ketonkörper bildet, hängt vor allem davon ab, wie viel Insulin gerade unterwegs ist, nicht am Löffel.

Was im Körper passiert

Stell dir zwei Lieferwege für Brennstoff vor. Gewöhnliches Fett aus Butter, Olivenöl oder Fleisch besteht aus langen Ketten. Der Darm packt sie in Fetttröpfchen, die über die Lymphe ins Blut gelangen und erst nach einem Umweg in der Leber ankommen. Mittelkettige Fettsäuren mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen nehmen die Abkürzung: Sie gehen direkt aus dem Darm über die Pfortader zur Leber (Mensch; Lehrbuchwissen).

In der Leberzelle wartet die zweite Abkürzung. Lange Fettsäuren brauchen Carnitin als Fährmann, um in die Mitochondrien zu kommen, die Kraftwerke der Zelle. Mittelkettige Fettsäuren gelangen weitgehend ohne diesen Fährmann hinein. Dort werden sie in kleine Stücke zerlegt. Kommen mehr Stücke an, als die Leber selbst verbrennt, baut sie daraus Ketonkörper, vor allem Beta-Hydroxybutyrat, und gibt sie ins Blut ab, als Brennstoff für Gehirn, Herz und Muskeln (Mensch; Puchalska und Crawford 2017).

Am kürzesten ist der Weg für Caprylsäure (C8). In einer Studie mit gesunden Erwachsenen, die zum Frühstück verschiedene Öle bekamen, stiegen die Ketonkörper nach reiner Caprylsäure am stärksten, nach Caprinsäure (C10) weniger und nach Kokosöl kaum (Mensch; Vandenberghe und Kollegen 2017). Kokosöl besteht zum größten Teil aus Laurinsäure (C12), die sich im Körper eher wie ein langes Fett verhält.

Wozu das wichtig ist? MCT-Öl hebt die Ketonkörper für einige Stunden, auch wenn du Kohlenhydrate isst. Eine Ernährungsketose, in der der Körper dauerhaft auf Fett umstellt, ist das nicht; die entsteht, wenn das Insulin über längere Zeit niedrig bleibt.

MCT-Öl: was es ist und was es im Körper macht: MCT-Öl ist ein Öl aus mittelkettigen Triglyceriden (Medium-Chain Triglycerides), meist Caprylsäure (C8) und Caprinsäure (C10). Diese kurzen Fettsäuren gelangen direkt vom Darm zur Leber, die sie rasch verbrennt und zum Teil in Ketonkörper umbaut.

Was im Öl steckt. MCT-Öl wird meist aus Kokos- oder Palmkernöl gewonnen. Ein Verfahren trennt die mittelkettigen Fettsäuren ab und setzt sie neu zu Triglyceriden zusammen. Im Handel steht oft C8, C10 oder eine Mischung aus beiden auf dem Etikett. Die Zahl gibt die Länge der Kette in Kohlenstoffatomen an. C6 (Capronsäure) und C12 (Laurinsäure) zählen chemisch auch zu den mittelkettigen Fettsäuren, sind im reinen MCT-Öl aber kaum enthalten. MCT-Öl ist bei Raumtemperatur flüssig und schmeckt neutral.

Ist Kokosöl dasselbe? Nein. Kokosöl enthält zwar viele mittelkettige Fettsäuren, zum größten Teil aber Laurinsäure (C12). Sie wird langsamer verwertet, und Kokosöl hob die Ketonkörper in der Vergleichsstudie kaum (Mensch; Vandenberghe und Kollegen 2017). Als Lebensmittel ist Kokosöl etwas anderes als ein MCT-Öl.

MCT-Öl und Gewicht. Eine Metaanalyse fasste 13 randomisierte Studien mit 749 Teilnehmenden zusammen, in denen MCT-Öl gewöhnliche Öle ersetzte. Mit MCT-Öl sanken Gewicht, Taillenumfang und Körperfett etwas stärker, das Gewicht im Mittel um etwa ein halbes Kilo (Mensch; Mumme und Stonehouse 2015). Die Studien waren meist klein und kurz, viele wurden von Herstellern bezahlt. Ein Abnehmmittel ist MCT-Öl darum nicht; der Unterschied ist klein.

MCT-Öl und Gedächtnis. In einer Studie mit 152 Menschen mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz bekam ein Teil über 90 Tage ein Pulver auf Basis von Caprylsäure, der andere ein Scheinpräparat. Nur bei Teilnehmenden ohne die Genvariante APOE4 verbesserten sich Gedächtnistests; die Gruppe mit dem Pulver hatte mehr Bauchbeschwerden und Durchfall (Mensch; Henderson und Kollegen 2009). Wer bei sich oder einem Angehörigen nachlassendes Gedächtnis bemerkt, lässt das zuerst von der Ärztin abklären; mehr unter Ketogene Ernährung bei Alzheimer.

Warum Durchfall? Mittelkettige Fette werden sehr schnell frei und aufgenommen. Kommt eine größere Menge auf einmal, kann der Dünndarm sie nicht vollständig aufnehmen, und was weiterwandert, reizt den Darm; ganz geklärt ist der Mechanismus nicht. Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall sind darum die häufigste beschriebene Nebenwirkung, vor allem bei größeren Mengen auf leeren Magen (Mensch; Henderson und Kollegen 2009). In Studien wurde die Menge meist langsam gesteigert und auf Mahlzeiten verteilt.

MCT in der Medizin. In der Kinderneurologie gibt es eine ketogene Diät, in der ein Teil des Fetts aus MCT-Öl kommt; weil MCT so stark ketogen ist, erlaubt sie etwas mehr Kohlenhydrate und Eiweiß als die klassische Form. Mehr dazu unter Ketogene Ernährung bei Epilepsie. Auch bei bestimmten Störungen der Fettverdauung setzen Ärztinnen MCT-Fette ein, weil sie ohne den Weg über die Lymphe auskommen.

zum Merken
MCT-Öl ist eine Abkürzung zur Leber, kein Schalter für Ketose. Die Ketose entsteht, wenn das Insulin länger niedrig bleibt.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Wenn du wissen möchtest, ob MCT-Öl für dich einen Unterschied macht, kannst du ein paar Tage lang drei Dinge beobachten:

Wie geht es deinem Bauch, wenn du es zu einer Mahlzeit nimmst, und wie, wenn du es auf leeren Magen nimmst?

Was ändert sich am Vormittag, wenn MCT-Öl im Kaffee ein Frühstück ersetzt: Hunger, Konzentration, Energie? Und was davon kommt vom Öl, was vom fehlenden Frühstück?

Wenn du ohnehin Ketonkörper misst: Wie verhalten sich deine Werte an Tagen mit und ohne MCT-Öl, bei sonst gleichem Essen?

Nimmst du Insulin oder andere blutzuckersenkende Mittel, stellst du deine Ernährung nur gemeinsam mit deiner Ärztin um. Bei einer Erkrankung der Leber oder einer bekannten Störung der Fettverbrennung klärt sie vorher, ob MCT-Fette zu dir passen. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Dass mittelkettige Fettsäuren schneller zur Leber gelangen und dort Ketonkörper bilden, ist Lehrbuchwissen und am Menschen gut gezeigt. Die Studie zu C8, C10 und Kokosöl war klein und maß nur die Stunden nach einer Mahlzeit (Vandenberghe und Kollegen 2017). Der Effekt auf das Gewicht ist klein und stammt aus kurzen, oft von Herstellern bezahlten Studien (Mumme und Stonehouse 2015). Die Studie bei Alzheimer zeigte eine Verbesserung nur in einer Untergruppe (Henderson und Kollegen 2009). Ob MCT-Öl über Jahre Energie, Gedächtnis oder Stoffwechsel verändert, wissen wir nicht.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Das Öl aus kurzen Fettsäuren: mittelkettige Triglyceride (MCT)
  • C8 und C10 auf dem Etikett: Caprylsäure und Caprinsäure
  • Mein Ketonwert im Blut: Beta-Hydroxybutyrat (BHB)
  • Der Fährmann für Fett in die Zellkraftwerke: Carnitin-Shuttle
  • Bauchkrämpfe und Durchfall nach dem Öl: gastrointestinale Nebenwirkungen, Diarrhö
  • Störung der Fettverbrennung von Geburt an: Fettsäureoxidationsstörung
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (5)

Was ist MCT-Öl einfach erklärt?

MCT-Öl ist ein Öl aus Fetten mit kurzen Ketten, meist Caprylsäure (C8) und Caprinsäure (C10). Diese Fette gehen direkt vom Darm zur Leber, werden dort schnell verbrannt und zum Teil zu Ketonkörpern umgebaut, einem Brennstoff für Gehirn und Muskeln (Puchalska und Crawford 2017).

Ist Kokosöl das Gleiche wie MCT-Öl?

Nein. Kokosöl enthält vor allem Laurinsäure (C12), die sich eher wie ein langes Fett verhält. In einer Vergleichsstudie hob Kokosöl die Ketonkörper kaum, reine Caprylsäure am stärksten (Vandenberghe und Kollegen 2017).

Was ist der Unterschied zwischen C8 und C10?

C8 hat acht Kohlenstoffatome, C10 zehn. Je kürzer die Kette, desto schneller wird sie in der Leber zu Ketonkörpern; C8 hob die Werte stärker als C10 (Vandenberghe und Kollegen 2017). Viele MCT-Öle mischen beide.

Warum bekomme ich von MCT-Öl Durchfall?

Größere Mengen auf einmal, vor allem auf leeren Magen, kann der Dünndarm nicht vollständig aufnehmen, und was weiterwandert, reizt den Darm. Bauchbeschwerden und Durchfall sind die häufigste Nebenwirkung in Studien (Henderson und Kollegen 2009); dort wurde die Menge meist langsam gesteigert.

Hilft MCT-Öl beim Abnehmen?

Der Effekt ist klein. In einer Metaanalyse nahmen Menschen, bei denen MCT-Öl andere Öle ersetzte, im Mittel etwa ein halbes Kilo mehr ab, in kurzen, oft von Herstellern bezahlten Studien (Mumme und Stonehouse 2015). Mehr über die Wege zum Gewicht steht unter Ketogene Ernährung bei Adipositas.
Quellen (2)
  • Study of the ketogenic agent AC-1202 in mild to moderate Alzheimers disease: a randomized, double-blind, placebo-controlled, multicenter trial
    Henderson S.T., Vogel J.L., Barr L.J. et al. – Nutrition & Metabolism (2009) DOI: 10.1186/1743-7075-6-31
  • Beyond weight loss: a review of the therapeutic uses of very-low-carbohydrate (ketogenic) diets
    Paoli A., Rubini A., Volek J.S., Grimaldi K.A. – European Journal of Clinical Nutrition (2013) DOI: 10.1038/ejcn.2013.116

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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