„Was ist MCT-Öl, was bewirkt es im Körper, und warum bekomme ich davon manchmal Durchfall?“
Du stehst im Laden oder liest einen Beitrag über Kaffee mit Butter und Öl, und da steht MCT-Öl: schnelle Energie, klarer Kopf, Ketose ohne strenge Diät. Vielleicht hast du es probiert und dann vor allem eines gemerkt, einen grummelnden Bauch und Durchfall. Und du fragst dich, was dieses Öl eigentlich ist.
Die mechanische Sicht sagt: Fett ist Fett. Ein Esslöffel MCT-Öl hat ähnlich viele Kalorien wie jedes andere Öl, und wer abnehmen will, spart besser Kalorien, als ein neues Produkt zu kaufen. Sie hat recht, dass kein Öl zaubert. Und trotzdem: Warum steigen nach MCT-Öl die Ketonkörper im Blut, nach Olivenöl in derselben Menge aber kaum?
Die energetische Sicht sagt: MCT-Öl ist reine Energie für Gehirn und Körper, du spürst die Klarheit sofort. Viele erleben einen wacheren Vormittag, und dieses Erleben ist echt. Und trotzdem: Wie viel davon ist das Öl, und wie viel das Frühstück, das dafür wegfällt?
Die biologische Sicht fragt, welchen Weg diese Fette im Körper nehmen, und warum dieser Weg kürzer ist als bei jedem anderen Fett.
Oft heißt es: „Wer richtig isst, macht alles richtig.“ Ein Öl macht noch keine Ketose. Ob deine Leber Ketonkörper bildet, hängt vor allem davon ab, wie viel Insulin gerade unterwegs ist, nicht am Löffel.
Was im Körper passiert
Stell dir zwei Lieferwege für Brennstoff vor. Gewöhnliches Fett aus Butter, Olivenöl oder Fleisch besteht aus langen Ketten. Der Darm packt sie in Fetttröpfchen, die über die Lymphe ins Blut gelangen und erst nach einem Umweg in der Leber ankommen. Mittelkettige Fettsäuren mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen nehmen die Abkürzung: Sie gehen direkt aus dem Darm über die Pfortader zur Leber (Mensch; Lehrbuchwissen).
In der Leberzelle wartet die zweite Abkürzung. Lange Fettsäuren brauchen Carnitin als Fährmann, um in die Mitochondrien zu kommen, die Kraftwerke der Zelle. Mittelkettige Fettsäuren gelangen weitgehend ohne diesen Fährmann hinein. Dort werden sie in kleine Stücke zerlegt. Kommen mehr Stücke an, als die Leber selbst verbrennt, baut sie daraus Ketonkörper, vor allem Beta-Hydroxybutyrat, und gibt sie ins Blut ab, als Brennstoff für Gehirn, Herz und Muskeln (Mensch; Puchalska und Crawford 2017).
Am kürzesten ist der Weg für Caprylsäure (C8). In einer Studie mit gesunden Erwachsenen, die zum Frühstück verschiedene Öle bekamen, stiegen die Ketonkörper nach reiner Caprylsäure am stärksten, nach Caprinsäure (C10) weniger und nach Kokosöl kaum (Mensch; Vandenberghe und Kollegen 2017). Kokosöl besteht zum größten Teil aus Laurinsäure (C12), die sich im Körper eher wie ein langes Fett verhält.
Wozu das wichtig ist? MCT-Öl hebt die Ketonkörper für einige Stunden, auch wenn du Kohlenhydrate isst. Eine Ernährungsketose, in der der Körper dauerhaft auf Fett umstellt, ist das nicht; die entsteht, wenn das Insulin über längere Zeit niedrig bleibt.
MCT-Öl: was es ist und was es im Körper macht: MCT-Öl ist ein Öl aus mittelkettigen Triglyceriden (Medium-Chain Triglycerides), meist Caprylsäure (C8) und Caprinsäure (C10). Diese kurzen Fettsäuren gelangen direkt vom Darm zur Leber, die sie rasch verbrennt und zum Teil in Ketonkörper umbaut.
Was im Öl steckt. MCT-Öl wird meist aus Kokos- oder Palmkernöl gewonnen. Ein Verfahren trennt die mittelkettigen Fettsäuren ab und setzt sie neu zu Triglyceriden zusammen. Im Handel steht oft C8, C10 oder eine Mischung aus beiden auf dem Etikett. Die Zahl gibt die Länge der Kette in Kohlenstoffatomen an. C6 (Capronsäure) und C12 (Laurinsäure) zählen chemisch auch zu den mittelkettigen Fettsäuren, sind im reinen MCT-Öl aber kaum enthalten. MCT-Öl ist bei Raumtemperatur flüssig und schmeckt neutral.
Ist Kokosöl dasselbe? Nein. Kokosöl enthält zwar viele mittelkettige Fettsäuren, zum größten Teil aber Laurinsäure (C12). Sie wird langsamer verwertet, und Kokosöl hob die Ketonkörper in der Vergleichsstudie kaum (Mensch; Vandenberghe und Kollegen 2017). Als Lebensmittel ist Kokosöl etwas anderes als ein MCT-Öl.
MCT-Öl und Gewicht. Eine Metaanalyse fasste 13 randomisierte Studien mit 749 Teilnehmenden zusammen, in denen MCT-Öl gewöhnliche Öle ersetzte. Mit MCT-Öl sanken Gewicht, Taillenumfang und Körperfett etwas stärker, das Gewicht im Mittel um etwa ein halbes Kilo (Mensch; Mumme und Stonehouse 2015). Die Studien waren meist klein und kurz, viele wurden von Herstellern bezahlt. Ein Abnehmmittel ist MCT-Öl darum nicht; der Unterschied ist klein.
MCT-Öl und Gedächtnis. In einer Studie mit 152 Menschen mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz bekam ein Teil über 90 Tage ein Pulver auf Basis von Caprylsäure, der andere ein Scheinpräparat. Nur bei Teilnehmenden ohne die Genvariante APOE4 verbesserten sich Gedächtnistests; die Gruppe mit dem Pulver hatte mehr Bauchbeschwerden und Durchfall (Mensch; Henderson und Kollegen 2009). Wer bei sich oder einem Angehörigen nachlassendes Gedächtnis bemerkt, lässt das zuerst von der Ärztin abklären; mehr unter Ketogene Ernährung bei Alzheimer.
Warum Durchfall? Mittelkettige Fette werden sehr schnell frei und aufgenommen. Kommt eine größere Menge auf einmal, kann der Dünndarm sie nicht vollständig aufnehmen, und was weiterwandert, reizt den Darm; ganz geklärt ist der Mechanismus nicht. Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall sind darum die häufigste beschriebene Nebenwirkung, vor allem bei größeren Mengen auf leeren Magen (Mensch; Henderson und Kollegen 2009). In Studien wurde die Menge meist langsam gesteigert und auf Mahlzeiten verteilt.
MCT in der Medizin. In der Kinderneurologie gibt es eine ketogene Diät, in der ein Teil des Fetts aus MCT-Öl kommt; weil MCT so stark ketogen ist, erlaubt sie etwas mehr Kohlenhydrate und Eiweiß als die klassische Form. Mehr dazu unter Ketogene Ernährung bei Epilepsie. Auch bei bestimmten Störungen der Fettverdauung setzen Ärztinnen MCT-Fette ein, weil sie ohne den Weg über die Lymphe auskommen.
MCT-Öl ist eine Abkürzung zur Leber, kein Schalter für Ketose. Die Ketose entsteht, wenn das Insulin länger niedrig bleibt.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Deine Entscheidung. Wenn du wissen möchtest, ob MCT-Öl für dich einen Unterschied macht, kannst du ein paar Tage lang drei Dinge beobachten:
Wie geht es deinem Bauch, wenn du es zu einer Mahlzeit nimmst, und wie, wenn du es auf leeren Magen nimmst?
Was ändert sich am Vormittag, wenn MCT-Öl im Kaffee ein Frühstück ersetzt: Hunger, Konzentration, Energie? Und was davon kommt vom Öl, was vom fehlenden Frühstück?
Wenn du ohnehin Ketonkörper misst: Wie verhalten sich deine Werte an Tagen mit und ohne MCT-Öl, bei sonst gleichem Essen?
Nimmst du Insulin oder andere blutzuckersenkende Mittel, stellst du deine Ernährung nur gemeinsam mit deiner Ärztin um. Bei einer Erkrankung der Leber oder einer bekannten Störung der Fettverbrennung klärt sie vorher, ob MCT-Fette zu dir passen. Was du daraus machst, entscheidest du.
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Dass mittelkettige Fettsäuren schneller zur Leber gelangen und dort Ketonkörper bilden, ist Lehrbuchwissen und am Menschen gut gezeigt. Die Studie zu C8, C10 und Kokosöl war klein und maß nur die Stunden nach einer Mahlzeit (Vandenberghe und Kollegen 2017). Der Effekt auf das Gewicht ist klein und stammt aus kurzen, oft von Herstellern bezahlten Studien (Mumme und Stonehouse 2015). Die Studie bei Alzheimer zeigte eine Verbesserung nur in einer Untergruppe (Henderson und Kollegen 2009). Ob MCT-Öl über Jahre Energie, Gedächtnis oder Stoffwechsel verändert, wissen wir nicht.