„Mir wurde ein LTT angeboten, auf Metalle oder Borrelien. Wie läuft der Test ab, und was sagt ein positives Ergebnis wirklich?“
Du hast Beschwerden, die niemand recht erklären kann: Erschöpfung, Gelenkschmerzen, vielleicht Probleme seit einer Zahnfüllung oder seit einem Zeckenstich. Jemand schlägt einen LTT vor, auf Metalle, auf Borrelien oder einfach auf deine Immunfunktion. Du zahlst ihn selbst und fragst dich, was am Ende auf dem Befund steht und was du damit anfängst.
Die mechanische Sicht liest den LTT wie jeden Laborwert: positiv heißt Allergie oder Infektion, negativ heißt nichts. Ihre Stärke ist, dass sie eine messbare Antwort will statt einer Vermutung, und bei manchen Fragen liefert der Test sie. Und trotzdem: Wenn sich Zellen im Reagenzglas teilen, heißt das dann, dass genau dieser Stoff dich heute krank macht?
Die energetische Sicht sagt: Dein Körper ist belastet, und der Test macht die Last sichtbar. Sie spürt richtig, dass das Immunsystem auf Umwelt, Erreger und Materialien reagiert und dass das Kraft kostet. Und trotzdem: Wie unterscheidet man ein Immunsystem, das sich nur erinnert, von einem, das gerade kämpft?
Die biologische Sicht verbindet beides: Der LTT misst, ob T-Zellen einen Stoff wiedererkennen. Ob diese Erinnerung mit deinen Beschwerden zu tun hat, sagt erst das Gesamtbild aus Verlauf, Kontakt mit dem Stoff und weiteren Befunden.
Oft heißt es: „Ein Keim hat mich krank gemacht, ich muss ihn finden und bekämpfen.“ Ein positiver LTT ist kein gefundener Keim. Er zeigt, dass sich deine T-Zellen an einen Stoff erinnern; ob das heute krank macht, zeigt erst das Gesamtbild.
Was im Körper passiert
Stell dir deine T-Zellen als Archiv vor. Jede hat einen Rezeptor, der genau ein Merkmal erkennt, etwa einen Baustein eines Erregers oder ein Medikament, das sich an ein Eiweiß gehängt hat. Hat der Körper dieses Merkmal einmal kennengelernt, bleiben Gedächtniszellen zurück. Begegnen sie ihm wieder, teilen sie sich rasch und bilden viele gleiche Nachkommen. Diese Vermehrung heißt in der Fachsprache Proliferation, und genau sie misst der LTT (Mensch, Laborverfahren; Pichler und Tilch 2004).
Im Labor werden dafür die Lymphozyten aus deinem Blut abgetrennt und mehrere Tage in einer Nährlösung gehalten, einmal mit dem verdächtigen Stoff und einmal ohne. Danach wird gemessen, wie viel neue Erbsubstanz die Zellen gebildet haben, klassisch über einen markierten Baustein, heute oft auch über Farbstoffe in der Durchflusszytometrie. Das Verhältnis der Teilung mit Stoff zur Teilung ohne Stoff ist der Stimulationsindex. Ein dritter Ansatz mit einem Reiz, auf den gesunde Zellen immer antworten, zeigt, ob die Zellen überhaupt teilungsfähig sind.
Daraus folgt die wichtigste Grenze: Ein positiver LTT zeigt, dass es Gedächtniszellen gegen den Stoff gibt. Er zeigt nicht, ob sie heute im Körper Schaden anrichten. Gedächtniszellen bleiben auch nach einer ausgeheilten Infektion oder einem vergangenen Kontakt erhalten, und bei Stoffen, mit denen fast jeder Kontakt hat, reagieren auch die Zellen vieler Gesunder (Mensch; RKI-Kommission 2002).
MOJO Laborsystem gehört vor allem zum Immunsystem: Infekt und Entzündung.
LTT-Test: Durchführung, Aussagekraft und wann er sinnvoll ist: Der Lymphozytentransformationstest, kurz LTT, prüft im Reagenzglas, ob sich deine T-Lymphozyten, eine Gruppe weißer Blutzellen, auf einen bestimmten Stoff hin teilen. Teilen sie sich, haben sie diesen Stoff schon einmal kennengelernt. Der Test zeigt ein Gedächtnis des Immunsystems, keine Krankheit.
Wie die Durchführung abläuft
Für dich ist der LTT eine normale Blutabnahme. Abgenommen wird Vollblut mit dem Gerinnungshemmer Heparin; die Menge hängt davon ab, wie viele Stoffe getestet werden. Weil lebende Zellen gebraucht werden, muss die Probe rasch und bei Raumtemperatur ins Labor. Das IMD Berlin etwa verlangt, dass sie innerhalb von 24 Stunden dort eingeht.
Im Labor werden die Lymphozyten durch Zentrifugieren von den übrigen Blutzellen getrennt. Dann werden sie in mehreren Ansätzen einige Tage in einer Nährlösung gehalten, in der Empfehlung der RKI-Kommission sechs Tage: mit dem zu prüfenden Stoff in verschiedenen Verdünnungen und ohne Stoff als Leerwert. Zum Schluss wird gemessen, wie viel neue Erbsubstanz die Zellen gebildet haben. Die RKI-Kommission (2002) wertet einen Stimulationsindex über 3 als sicher positiv und Werte zwischen 2 und 3 als wahrscheinlich positiv. Andere Labore nutzen andere Grenzen.
Das Ergebnis hängt auch von deinem Zustand ab. Ist das Immunsystem bei der Blutabnahme gerade aktiviert, etwa durch einen Infekt oder die allergische Reaktion selbst, teilen sich schon ohne Stoff viele Zellen, und eine echte Reaktion kann darin untergehen. Nach einer Arzneimittelreaktion nennt die RKI-Kommission (2002) etwa zehn Tage bis sechs Wochen als günstigen Zeitraum; danach geht die Reaktion im Blut oft innerhalb einiger Wochen zurück. Ob du ein Medikament vor dem Test weiter nimmst, besprichst du mit deiner Ärztin.
Wofür der LTT etabliert ist
Arzneimittelallergie vom Spättyp. Manche Allergien zeigen sich erst Tage nach Beginn eines Medikaments, etwa als Hautausschlag. Dahinter stehen T-Zellen, nicht IgE-Antikörper. Der LTT kann hier zeigen, welcher Wirkstoff die Zellen anregt, ohne dass du ihn noch einmal einnehmen musst. Das hilft vor allem, wenn ein Haut- oder Provokationstest zu riskant wäre oder mehrere Medikamente zugleich in Frage kommen. Seine Empfindlichkeit ist begrenzt: Bei Allergien auf Penicilline und verwandte Antibiotika erkennt er etwa 60 bis 70 Prozent (Mensch, Übersicht; Pichler und Tilch 2004). Ein negatives Ergebnis schließt eine Allergie also nicht aus, und die Diagnose stützt sich auf Vorgeschichte und mehrere Tests zusammen. Die RKI-Kommission (2008) stuft den LTT für Arzneimittelallergien in ihre höchste Kategorie ein: uneingeschränkt empfohlen, wenn die Qualität des Labors stimmt.
Beryllium. Wer mit dem Leichtmetall Beryllium arbeitet, etwa in Teilen der Elektronik- oder Luftfahrtindustrie, kann eine Sensibilisierung entwickeln und daraus eine chronische Lungenerkrankung. Hier fand sich ein positiver LTT fast nur bei Menschen, die exponiert waren und Beschwerden hatten (Mensch, Fachkommission am RKI, 2002). Die RKI-Kommission (2008) stuft den Beryllium-LTT ebenfalls in die höchste Kategorie ein, rät aber auch hier zu kritischem Blick; im Vergleich zwischen Laboren unterschieden sich die Ergebnisse stärker als erwartet. Die Lungenerkrankung selbst wird zusätzlich an der Lunge nachgewiesen.
Schwere Immundefekte. Ein unspezifischer LTT, bei dem die Zellen mit einem allgemeinen Reiz angeregt werden, prüft, ob sich T-Zellen überhaupt teilen können. Für den Nachweis schwerer zellulärer Immundefekte hält die RKI-Kommission (2002) das für sinnvoll. Das betrifft meist Menschen mit schweren, ungewöhnlichen Infektionen und gehört in spezialisierte immunologische Zentren.
Wofür er umstritten ist
Borrelien. Bei Verdacht auf eine Borreliose wird der LTT oft als Selbstzahlerleistung angeboten, unter anderem vom IMD Berlin. Eine Arbeitsgruppe aus diesem Labor fand in einer eigenen Auswertung bei Borreliose vor der Behandlung eine Empfindlichkeit von 89,4 Prozent, und bei 98,7 Prozent der Gesunden fiel er richtig negativ aus; nach der Antibiotikabehandlung wurde der Test bei frühen Formen meist negativ. Die Autoren sehen den Test vor allem für die Verlaufskontrolle (Mensch, Laborstudie; von Baehr et al. 2012). Die europäische Studiengruppe für Lyme-Borreliose hielt dagegen, ein klinischer Nutzen sei bisher nicht gezeigt (Mensch, Stellungnahme; Dessau et al. 2014). Sie empfiehlt, die Borreliose klinisch und mit Antikörpertests zu klären und Menschen mit allgemeinen, unspezifischen Beschwerden nicht auf Borrelien zu testen (Mensch, Stellungnahme; Dessau et al. 2018). Unabhängige Vergleichsstudien, die den LTT an klar definierten Gruppen prüfen, haben wir nicht gefunden.
Andere Erreger. Das IMD Berlin bietet den LTT auch für Herpesviren, Chlamydien, Yersinien und weitere Erreger an. Es beschreibt einen hohen Stimulationsindex bei Herpesviren als Hinweis auf eine Reaktivierung und überträgt die Studien zu Borrelien auf andere Bakterien. Unabhängige Studien dazu haben wir nicht gefunden.
Metalle aus Zahnersatz und Implantaten. Bei Nickel, Palladium, Titan oder Amalgam ist der Epikutantest auf der Haut der übliche erste Weg. Das IMD Berlin hält den LTT für geeignet, Sensibilisierungen gegen Zahnwerkstoffe nachzuweisen, besonders wenn der Stoff über die Schleimhaut statt über die Haut aufgenommen wird. Die RKI-Kommission (2002) ist zurückhaltender: Ein LTT auf Metalle zeigt vor allem den Kontakt, nicht unbedingt eine Krankheit. Für Nickel empfiehlt sie ihn nur unter Vorbehalt und bei gut begründetem Verdacht, für Amalgam gibt es Hinweise, dass er nicht nützt, und für andere Umweltstoffe spricht sie mangels Studien keine Empfehlung aus (Mensch, Bewertung der Fachkommission am RKI, 2008). Ein positiver Metall-LTT erklärt Beschwerden für sich allein nicht. Ob ein Material heraus soll, klärst du mit Zahnärztin und Ärztin am Gesamtbild.
Immunfunktion allgemein. Das IMD Berlin bietet einen LTT-Immunfunktion an, der die Antwort auf Bestandteile verbreiteter Erreger und Impfstoffe misst, etwa bei häufigen Infekten. Die RKI-Kommission (2002) hält den unspezifischen LTT nur für schwere Immundefekte für geeignet; leichtere Einschränkungen erfasse er wegen geringer Empfindlichkeit und großer natürlicher Schwankungen nicht. Wie viele und welche Lymphozyten du hast, zeigt ein T-Helferzellstatus aus dem Blut.
Was oft missverstanden wird
Ein positiver LTT ist kein gefundener Erreger und kein Beweis für eine Vergiftung. Er zeigt, dass dein Immunsystem einen Stoff kennt. Bei Stoffen, mit denen fast jeder Kontakt hat, reagieren auch die Zellen vieler Gesunder (Mensch; RKI-Kommission 2002). Darum gehört jedes Ergebnis neben die Frage, mit der getestet wurde.
Der LTT zeigt, woran sich deine T-Zellen erinnern. Ob diese Erinnerung dich heute krank macht, zeigt erst das Gesamtbild.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.
Drei Systeme antworten gemeinsam: Stoffwechsel, Nervensystem und Immunsystem; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Deine Entscheidung beginnt vor der Blutabnahme. Drei Fragen helfen dir:
Welche Frage soll der Test beantworten? Eine Arzneimittelreaktion oder Arbeit mit Beryllium ist eine andere Lage als „irgendwas mit dem Immunsystem“.
Was würde sich ändern? Überlege mit deiner Ärztin vorher, was bei positivem und was bei negativem Ergebnis folgt. Ändert keines von beiden etwas, beantwortet der Test deine Frage nicht.
Gehört der Einsatz zu den belegten? Für Arzneimittelallergien und Beryllium ja; für Borrelien, Metalle außer Nickel und die allgemeine Immunfunktion ist er nicht ausreichend geprüft oder umstritten.
Ein LTT zeigt, ob Immunzellen einen Stoff wiedererkennen. Ob eine Krankheit dahintersteckt, kann er nicht sagen; das klärt deine Ärztin, je nach Frage in der Allergologie, Immunologie, Arbeitsmedizin oder Neurologie. Bring mit, wann die Beschwerden begonnen haben, welche Medikamente du genommen hast und mit welchen Stoffen du Kontakt hattest. Was du für Schlaf, Bewegung und Erholung tust, läuft parallel weiter. Ein Hautausschlag mit Blasen, Fieber oder wunden Schleimhäuten nach einem neuen Medikament gehört noch am selben Tag ärztlich angeschaut; bei Atemnot oder Kreislaufproblemen: Notruf 112.
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Dass der LTT Gedächtnis-T-Zellen gegen einen Stoff nachweist, ist als Laborverfahren am Menschen gut belegt. Für Arzneimittelallergien und Beryllium stuft ihn die RKI-Kommission als empfehlenswert ein, bei Arzneimitteln mit begrenzter Empfindlichkeit. Bei Borrelien stehen Studien des anbietenden Labors gegen die Einschätzung der europäischen Studiengruppe; unabhängige Vergleichsstudien fehlen. Bei Metallen empfiehlt die Kommission ihn nur für Nickel und nur unter Vorbehalt. Der Test lässt sich nicht vollständig vereinheitlichen, gleiche Proben können in verschiedenen Laboren verschieden ausfallen. Für die allgemeine Immunfunktion gibt es keinen geprüften LTT-Wert außer bei schweren Immundefekten.