Um zu verstehen warum du Schmerzen spürst, ist es zunächst einmal wichtig zu wissen, dass Schmerzempfinden eine Sinnesleistung ist, ähnlich wie das Riechen oder Schmecken. Vielleicht sogar die Wichtigste! Es ist eine WAHRnehmung. Man nimmt es für WAHR. Es ist WAHR. Schmerz ist eine der WAHRsten WAHRnehmungen, die es gibt.

Schmerz ist eine WAHRnehmung, die dich vor einer aktuellen oder potentiellen Gefahr warnt. Wenn du deine Hand über eine heiße Herdplatte hältst, spürst du den Verbrennungsschmerz in deiner Hand bevor deine Haut Schaden nimmt und hast damit die Möglichkeit die Hand rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Also nur das Potential einer Gefahr ist ausreichend für einen Schmerz. Alleine daran merkt man schon was für eine fortschrittliche und komplexe Sinneserfahrung der Schmerz eigentlich hist.

Schmerzen können dich aber auch vor einem bereits bestehenden Schaden warnen. Schneidest du dich beim Kochen in den Finger, wird durch den Schmerz deine Aufmerksamkeit darauf gelenkt und du kannst die Blutung stillen oder die Wunde desinfizieren. Schmerzen sind also, auch wenn es häufig eine unangenehme Erfahrung ist, lebenswichtig. Sie sind die Alarmanlage deines Körpers.

Aber wie genau entstehen Schmerzen? Zunächst einmal wandeln feine Sensoren an den Nervenenden Druck, Wärme/Kälte oder chemische Reize in elektrische Signale um, die dann über lange Nervenbahnen weiter in das Rückenmark geleitet werden. Von dort geht es dann weiter in dein Gehirn. Bis zu diesem Punkt ist es nichts weiter als ein elektrisches Signal. Erst durch die Weiterverarbeitung in verschiedenen Hirnarealen wird der Schmerz für dich spürbar. Schmerz entsteht ausschliesslich im Gehirn. Das heißt jedoch nicht, dass du dir die Schmerzen einbildest. Ohne Gehirn ist jedoch kein Schmerzempfinden möglich. Deine Schmerzerfahrung ist real. Es ist eine WAHRnehmung. Und diese Schmerzerfahrung ist für jeden Menschen individuell.

Schmerzen sind also ein sicherer Hinweis darauf, dass etwas kaputt gegangen ist? Nein! Ein Fußballspieler wird eine Blase an seinem Fuß wahrscheinlich kaum oder gar nicht spüren, wenn er zum entscheidenden Elfmeter antritt. Trifft er jedoch nicht und läuft nach dem Spiel niedergeschlagen nach Hause kann der Schmerz so stark sein, dass er anfängt zu humpeln. Oder stell dir vor, du schneidest dich an einem Papier in den Finger. Wie fühlt sich der Schmerz dabei für dich an, wenn du frisch verliebt bist im Gegensatz zu wenn du müde von der Arbeit kommst. Überleg doch mal ob du schonmal eine Situation erlebt hast, bei der du oder jemand anderes trotz einer Verletzung keine Schmerzen hatte, oder umgekehrt, Schmerzen ohne Verletzung. Und dann gibt es Menschen, die trotz einer Amputation noch punktgenaue Schmerzen in der fehlenden Extremität spüren, sogenannte Phantomschmerzen.

Was ist also dafür verantwortlich ob und wie stark du Schmerzen wahrnimmst? Je nach Situation im Gewebe, zum Beispiel bei einer Entzündung, werden die feinen Nervenendungen sensibler. Aber auch in den verschiedenen Nervenverbindungen, den Synapsen, beeinflussen verschiedene Botenstoffe wie stark der Impuls weitergeleitet wird. In dritter Instanz entscheidet dein Gehirn, ob und wie dir diese Reize bewusst werden. Dies ist unter anderem von Emotionen (Angst, Freude, Wut etc.) und bisherigen Erfahrung (Wie hat es sich das letzte Mal angefühlt? Was haben mir andere darüber erzählt?) beeinflusst. Darüber können wiederum die beiden zuerst genannten Situationen beeinflusst werden.

Jetzt aber nochmal zurück zu deinem Knie. Die Schmerzen nach der Verletzung oder der Operation entstehen zu einem großen Anteil durch die von der Gewebsschädigung ausgelöste Entzündungsreaktion. Diese klingt meist innerhalb der ersten Woche ab. Aber auch deine Erwartungshaltung (bist du zuversichtlich, dass es schnell besser wird?) und deine allgemeine Verfassung (bist du gestresst oder entspannt und gesund?) beeinflussen maßgeblich deine Schmerzen.

Wie du siehst kannst deine Schmerzen selbst beeinflussen. Wir bereiten dich im MOJO Institut optimal und umfassend auf die Situation nach der OP vor. Im Verlauf deiner Rehabilitation helfen wir dir mit aktiven (z.B. Bewegung, Training, Atmung) und passiven Maßnahmen (z.B. Osteopathie/Manuelle Therapie, Kryotherapie, Elektrotherapie) deine Schmerzen zu beeinflussen, damit du dich voll und ganz auf deinen Fortschritt konzentrieren kannst.

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