Vitamin D ist das „Sonnenhormon“, weil unser Körper es unter Einfluss von Sonnenstrahlen selber produzieren kann. Es hat so genannte pleiotrope Effekte. Das bedeutet, dass es direkt an unseren Genen wirkt und daher einen sehr breiten und vielfältigen Einfluss auf den gesamten Organismus hat. Es wirkt an über tausend verschiedenen Genorten. Besonders wichtige Effekte entfaltet Vitamin D im Immunsystem. Das ist einer der Hauptgründe warum es im Sommer keine Infektions- und Grippewelle gibt. Viren und Bakterien mögen Vitamin D nicht. Vitamin D zeigt besonders effektive Effekte gegen virale Infekte der Lungen.1

Ausreichende Vitamin D Versorgung ist daher ein effektiverer Schutz gegen Grippe als eine Grippeimpfung. Das konnten einige Studien bereits zeigen.2–4

Zahlreiche Studien konnten eindeutig zeigen, dass Vitamin D sowohl das Infektionsrisiko, als auch das Risiko eines kritischen Verlaufes im Rahmen einer Infektion deutlich reduziert. 5–9

Vitamin D unterstützt das Immunsystem bei einem präzisen Angriff indem es CD8+ Zellen vermehrt und optimiert. Diese CD8+ Zellen sind sehr wichtig, damit das Immunsystem die perfekte Balance zwischen Aggressivität und Gelassenheit findet. Wenn die CD8+ Zellen nicht funktionieren oder zu wenig vorhanden sind, dann kann das einerseits zu Infektanfälligkeit führen, aber andererseits auch zu einer überdrehten und chronischen Immunaktivität was sich in Autoimmunerkrankungen äussert.10,11 Daher ist eine ausreichende Vitamin D Versorgung essentiell für eine gute Anpassungsfähigkeit und Funktion des Immunsystems.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 800IE Vitamin D täglich um den Tagesbedarf zu decken. Das entspricht jedoch nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Beispielsweise empfiehlt die endokrinologische Gesellschaft der USA inzwischen auf Basis der aktuellen Erkenntnisse eine Dosis von 2000IE zur Erhaltung und eine sehr viel höhere Dosis zur Optimierung der Vitamin D Spiegel.12

Der Vitamin D Mangel ist sehr weit verbreitet. Etwa 72% aller Menschen haben einen Vitamin D Mangel und etwa 37% haben einen sehr stark ausgeprägten Mangel. In unserem Institut sehen wir regelmässig sehr niedrige Vitamin D Blutwerte. 

Interessanterweise gehört Spanien und Italien innerhalb von Europa zu den Gebieten mit dem grössten Vitamin D Mangel13. Dies sind die beiden Regionen, die von der Coronapandemie 2019/20 am härtesten getroffen wurden.

Vitamin D ist inzwischen weit verbreitet und bekannt. Wir möchten darauf hinweisen, dass es jedoch einige Aspekte gibt, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat.

Es ist zum Beispiel so, dass es in einigen Situationen zu einer Dysfunktion des Vitamin D Rezeptors (VDR) kommen kann und man in diesem Fall ausgezeichnete Vitamin D Blutwerte hat, jedoch keine vorhandene Funktion von Vitamin D. Dies kann beispielsweise durch eine intestinale Permeabilität (Leaky Gut) entstehen. Nur ein Fachmann kann beurteilen, ob dies der Fall ist. 

Eine Dysfunktion des Vitamin D Rezeptors ist zusätzlich eine wichtige Ursache von entzündlichen Darmerkrankungen und Reizdarm, denn eine Dysfunktion des Vitamin D Rezeptors führt zu einem funktionellen Vitamin D Mangel (genug Vitamin D im Blut, aber es funktioniert nicht) der eine Dysfunktion der CD8+ Zellen zur Folge hat, die dann eine Entzündung im Darm auslösen können.14

Ausserdem beeinflusst die mitochondriale Funktion (Energiestoffwechsel der Zelle) maßgeblich die Umwandlung von inaktivem Vitamin D (das was man supplementiert) zu dem aktiven Vitamin D im Körper. Bei mitochondrialen Funktionsstörungen funktioniert diese Umwandlung nicht ausreichend was zu hohen Leveln des inaktiven Vitamin D, bei gleichzeitig niedrigem aktiven Vitamin D Spiegel, führt.15 In diesem Fall sollte von einer höher dosierten Vitamin D Therapie abgesehen werden und man sollte sich mehr auf die Regeneration der mitochondrialen Funktion fokussieren.

Wir empfehlen eine individuelle Bestimmung des Vitamin D Spiegels und eine individuelle Dosierungsstrategie. Im MOJO Institut für Regenerationsmedizin beraten wir dich gerne zu Vorteilen, Nachteilen, Chancen und Gefahren von Vitamin D und nehmen auch eine laborchemische Bestimmung deiner aktuellen Vitamin D Spiegel vor. Ausserdem können wir auch eine ganzheitliche Bestimmung von Immunfunktion (z.b. CD8+ Funktion), mitochondrialer Funktion, und anderen Faktoren des Vitamin D Stoffwechsels vornehmen.

1.       Cannell, J. J. et al. Epidemic influenza and vitamin D. Epidemiol. Infect. 134, 1129–1140 (2006).
2.       Ida, H. May ) Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal. (2014). doi:10.3945/ajcn.2009.29094
3.       Jefferson T, R. A. D. P. C. & Demicheli, V. Vaccines for preventing influenza in healthy children. Cochrane Database Syst. Rev. (2018). doi:10.1002/14651858.CD004879.pub5
4.       Demicheli V, J. T. F. E. R. A. & Di Pietrantonj, C. Vaccines for preventing influenza in healthy adults. Cochrane Database Syst. Rev. (2018). doi:10.1002/14651858.CD001269.pub6
5.       Kim, H. J., Jang, J. G., Hong, K. S., Park, J.-K. & Choi, E.-Y. Relationship between serum vitamin D concentrations and clinical outcome of community-acquired pneumonia. Int. J. Tuberc. Lung Dis. 19, 729–734 (2015).
6.       Arihiro, S. et al. Randomized Trial of Vitamin D Supplementation to Prevent Seasonal Influenza and Upper Respiratory Infection in Patients With Inflammatory Bowel Disease. Inflamm. Bowel Dis. 25, 1088–1095 (2019).
7.       Martineau, A. R. et al. Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ 356, i6583 (2017).
8.       Martineau, A. R. et al. Vitamin D3 supplementation in patients with chronic obstructive pulmonary disease (ViDiCO): a multicentre, double-blind, randomised controlled trial. Lancet Respir. Med. 3, 120–130 (2015).
9.       Sabetta, J. R. et al. Serum 25-hydroxyvitamin d and the incidence of acute viral respiratory tract infections in healthy adults. PLoS One 5, e11088 (2010).
10.     Pender, M. P. CD8 + T-Cell Deficiency , Epstein-Barr Virus Infection , Vitamin D Deficiency , and Steps to Autoimmunity : A Unifying Hypothesis. 2012, (2012).
11.     Lysandropoulos, A. P. et al. Vitamin D has a direct immunomodulatory effect on CD8+ T cells of patients with early multiple sclerosis and healthy control subjects. J. Neuroimmunol. 233, 240–244 (2011).
12.     Holick, M. F. et al. Evaluation, Treatment, and Prevention of Vitamin D Deficiency: an Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J. Clin. Endocrinol. Metab. 96, 1911–1930 (2011).
13.     Scharla, S. H. Prevalence of subclinical vitamin D deficiency in different European countries. Osteoporos. Int. 8 Suppl 2, S7-12 (1998).
14.     Chen, J., Bruce, D. & Cantorna, M. T. Vitamin D receptor expression controls proliferation of naïve CD8+ T cells and development of CD8 mediated gastrointestinal inflammation. BMC Immunol. 15, 6 (2014).
15.     Henry, H. L. Vitamin D hydroxylases. J. Cell. Biochem. 49, 4–9 (1992).