»Ich war wie in einem Horrorfilm gefangen und war selber die Hauptperson«

Ich habe Menschen gesehen, Stimmen gehört… die Stimmen haben Sachen gesagt wie: »Bring dich um, sonst bringen wir dich um« oder «Nimm von den Tabletten eine Überdosis, sonst bringen wir dich um«… und wenn du in einer Psychose bist, dann ist das für dich in dem Moment die Realität.

Sabrina

Sabrinas Geschichte ist auch heute noch unglaublich für mich.

Dr. Gerrit Keferstein

Disclaimer:  Es ist selbstverständlich und wir weisen nochmal von Herzen und mit Ausdrücklichkeit darauf hin, dass jede Entscheidung über eine Dosiserhöhung oder Dosisreduktion von Medikation immer nur unter enger Begleitung einer Fachfrau oder eines Fachmannes stattfinden kann, darf und sollte. Wenn du in einer schwierigen Situation bist, dann öffne dich anderen Menschen. Wenn du keinen Menschen bei dir hast, dem du Vertrauen schenkst, dann kontaktiere die Telefonseelsorge und die Suizidhotline. Diese sind zu erreichen unter 0800-1110111. Für jeden Notfall wähle die 112. Du wirst an der anderen Leitung jemanden vorfinden, der dir helfen kann.

Sabrina kommt mit der Diagnose »Paranoide Schizophrenie« ins MOJO Institut. Sie leidet zu diesem Zeitpunkt bereits seit acht Jahren daran – seitdem sie 13 ist. Ihr Leben besteht aus Klinikaufenthalten in Dauerschleife. Sie dauern mal drei Wochen, mal vier Wochen, mal sechs Wochen. Zuhause ist sie selten länger als eine Woche am Stück.

Psychosen sind sowohl akustische, als auch optische Halluzinationen, die sich wie täuschend echte Realität anfühlen. Gegen diese Psychosen muss Sabrina starke Medikamente der Kategorie Atypische Neuroleptika nehmen. Geholfen haben sie Sabrina jedoch nicht – die Psychosen kommen trotzdem.

Ihre Ärzte verschreiben ihr deshalb weitere Medikamente. Teilweise nimmt sie bis zu vier verschiedene gleichzeitig. Es geht ihr immer schlechter. Übliche Nebenwirkungen unter anderem: überwältigende Antriebslosigkeit und starke Gewichtszunahme.

Als sie 2020 das erste mal ins Institut kommt, wiegt sie 120 Kilogramm.

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Über ihren Vater gelangt Sabrina schließlich ins MOJO Institut. Ihre Reise beginnt mit vielen, langen Gesprächen mit Dr. Gerrit Keferstein. Sabrina teilt ihm ihren Wunsch mit, die Medikamente abzusetzen. Über Wochen hinweg arbeiten sie zusammen an der Frage, welche Möglichkeiten es gibt: In Theorie und Praxis. Sie sprechen über die Situationen und Auslöser der Psychosen und praktizieren die Methoden der MOJO Regenerationsmedizin. Ihr Ziel: Sabrinas Nervensystem zu trainieren, damit es neue, gesündere Reaktionen für diese Auslöser hat, als in die nächste Psychose zu stürzen.

Sabrina passt ihre Ernährung an, um Stoffwechsel und Immunsystem zu regulieren: nur noch eine Mahlzeit am Tag und diese hauptsächlich ketogen. Dies fällt ihr – auch aufgrund der Medikamente – extrem schwer, doch sie zieht es durch.

Sie absolviert zudem mehrere intensive Bewegungseinheiten pro Woche und erlernt wichtige Atemtechniken, die sie auch alleine praktizieren kann, um ihr Nervensystem zu regulieren. Sie lernt die Prinzipien von Schlafoptimierung und Kältereizen, um ihren Körper überhaupt erst wieder in den Regenerationsmodus kommen zu lassen (mehr dazu erzählt Dr. Keferstein im zweiten Video ganz unten auf dieser Seite).

Mit all diesen Maßnahmen kommt die Energieproduktion in Sabrinas Zellen langsam wieder in Schwung und sie sammelt wieder die Kraft, die sie braucht, um Heilung möglich zu machen.

Parallel führt Dr. Keferstein dutzende Gespräche mit Psychiatern in ganz Deutschland, um herauszufinden, wer bereit wäre, Sabrina beim Absetzen ihrer Medikamente zu begleiten. Erfolglos. »Nein, auf keinen Fall« ist die Standardantwort. »Wenn man mit diesen Medikamenten einmal anfängt, gibt es keinen Weg mehr zurück.«

Nach sorgfältiger Evaluierung und dem Studium der medizinischen Sachlage entscheiden Sabrina und Dr. Keferstein, es dennoch zu probieren. Während des ganzen Prozesses muss sie in regelmäßigen Abständen ins Institut kommen und sich auch von Zuhause aus melden. »Das ging nur aufgrund des enormen Vertrauensverhältnisses, das wir über diese intensiven Monate kultivieren konnten. Und nur aufgrund der intensiven Arbeit mit praktisch allen Therapeuten und Coaches hier im Institut«, sagt Gerrit Keferstein.

Nach 18 Monaten hat Sabrina die Medikamente vollständig hinter sich gelassen. Und nicht nur das: 60 Kilogramm Gewicht nimmt sie in dieser Zeit ab!

Heute (dieser Artikel entsteht drei Jahre danach) fühlt sich Sabrina hervorragend. Die Psychosen sind Vergangenheit.

»Ich hab’ halt einen hohen Kampfgeist. Wenn ich was möchte, dann mach’ ich auch alles dafür, dass ich das erreiche. Ich gebe nicht auf. Ich kämpfe so lange, bis es klappt.«

Sabrina

Die MOJO Perspektive: Dr. Gerrit Keferstein über Paranoide Schizophrenie

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Die wissenschaftliche Perspektive: Ist eine langfristige Einnahme von Antipsychotika wirkungsvoll?

Disclaimer:  Es ist selbstverständlich und wir weisen nochmal von Herzen und mit Ausdrücklichkeit darauf hin, dass jede Entscheidung über eine Dosiserhöhung oder Dosisreduktion von Medikation immer nur unter enger Begleitung einer Fachfrau oder eines Fachmannes stattfinden kann, darf und sollte. Wenn du in einer schwierigen Situation bist, dann öffne dich anderen Menschen. Wenn du keinen Menschen bei dir hast, dem du Vertrauen schenkst, dann kontaktiere die Telefonseelsorge und die Suizidhotline. Diese sind zu erreichen unter 0800-1110111. Für jeden Notfall wähle die 112. Du wirst an der anderen Leitung jemanden vorfinden, der dir helfen kann.

Die wissenschaftliche Perspektive ist sehr gespalten und gibt zahlreiche Meinungen von gleichwertig hochqualifizierten Fachleuten. Es gibt sehr viele individuelle Kontexte und gerade in der Fragestellung der psychiatrischen Medikation spielt der individuelle Kontext eine enorme Rolle. Eine Entscheidung über Medikation ist keine klare richtig und falsch Antwort, die für jeden gilt.

Wir wollen hier eine Perspektive der Wissenschaft teilen. Damit haben wir nicht den Anspruch auf die Allgemeingültige Wahrheit. Es gibt viele sehr gute Argumente und Perspektiven für den Einsatz von Antipsychotika. Speziell in akuten Situationen spricht sehr viel dafür, und daher entscheiden sich die meisten Ärzte auch für den frühen und stetigen Einsatz von Antipsychotika. Erst sobald die akute Selbst- und Fremdgefährung ein Minimalrisiko erreicht hat, kommt überhaupt die Frage nach einem möglichen langfristigen Regenerationsplan auf. Dieser kann auch eine Dosisreduktion beeinhalten, damit der Mensch körperlich und geistig auch ohne Substanzen integrieren kann. Das gilt auf keinen Fall für jeden. Gleichzeitig gilt das aber auch nicht für niemanden.

Es gibt Situationen in denen eine Dosisreduktion sicher genug ist um den Weg zu beschreiten. Dafür braucht es professionellen und sozialen Support sowie individuelle Ressourcen. Die Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie mit Sitz in Köln ist ein guter Ansprechpartner für juristische und medizinische Fragestellungen dieser Art.

Wir wollen in diesem Abschnitt einen kleinen Ausschnitt aus der Wissenschaft beleuchten, der sein Augenmerk auf die Fragestellung legt, ob ein Absetzen möglich ist, ob es sicher ist, und welche Vor- und Nachteile eine antipsychotische Medikation auf die langfristigen Outcomes bei der Psychose hat.

Großangelegte und langfristige Untersuchungen von Harrow et al. beobachteten den langfristigen Verlauf von Psychosen und den Einfluss von antipsychotischen Medikamenten über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Ergebnisse zeigten, dass Personen mit Schizophrenie im Vergleich zu Personen mit affektiven Psychosen ein höheres Risiko für wiederholte Episoden von Psychosen hatten. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass Personen mit Schizophrenie, die nach den ersten 2 Jahren keine antipsychotischen Medikamente mehr einnahmen, bessere Ergebnisse erzielten als diejenigen, die weiterhin Medikamente einnahmen. Es geht dabei nicht darum, ob Antipsychotika generell sinnvoll sind, sondern lediglich darum, dass eine frühe Regeneration inklusive früher Medikamtenreduktion bessere Outcomes zeigt. Das heisst nicht, dass das Absetzen der Medikation den Heilungserfolg ausmacht. Dafür sind zusätzlich sehr viele andere biopsychosoziale Faktoren entscheidend.

In einem weiteren Abschnitt untersuchte die Studie den Einfluss von antipsychotischen Medikamenten auf die Genesung und Wiederaufnahme in psychiatrische Kliniken. Die Ergebnisse zeigten, dass Personen, die nach den ersten 2 Jahren keine antipsychotischen Medikamente einnahmen, eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Genesung hatten und weniger wahrscheinlich in einer Klinik wiederaufgenommen wurden, unabhängig von der Diagnose und anderen Faktoren. Dies deutet darauf hin, dass eine kontinuierliche Einnahme von antipsychotischen Medikamenten nach den ersten 2 Jahren möglicherweise nicht mehr vorteilhaft ist und dass andere Behandlungsansätze in Betracht gezogen werden sollten. 

Auch hierbei ist nicht klar, ob die langfristig besseren Outcomes ohne Antipsychotika wegen der Dosisreduktion erfolgt sind, oder ob andere Heilungsfaktoren das Absetzen überhaupt erst möglich gemacht haben.

Die Autoren stellen fest, dass insgesamt acht verschiedene Untersuchungen, die Menschen mit Schizophrenie über einen Zeitraum von 7 bis 20 Jahren untersuchten, keine positiven langfristigen Ergebnisse zeigten. Im Gegenteil, es gab Hinweise darauf, dass Personen, die nach den ersten 2-3 Jahren keine Antipsychotika mehr einnahmen, bessere Ergebnisse erzielten und weniger Symptome aufwiesen. Auch dabei ist noch nicht klar, ob zugrundeliegende Faktoren die Heilung eingeleitet haben, und dadurch das Absetzen erst möglich wurde.

Eine weitere wichtige Erkenntnis dieser Analyse ist die mögliche Gefahr der Entstehung einer sogenannten Dopamin-Überempfindlichkeit-Psychose als Folge einer langfristigen Antipsychotika-Behandlung. Diese Psychosen traten bei etwa 70% der Patienten auf, die eine resistente Schizophrenie aufwiesen. Die Autoren betonen, dass die Vorteile und Risiken einer langfristigen Antipsychotika-Therapie sorgfältig abgewogen werden sollten, insbesondere in Anbetracht der potenziellen negativen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und die Motivation der Patienten.

Das interpretieren wir ebenfalls so, dass es zugrundeliegende Faktoren geben kann, die sowohl die Therapieresistenz, als auch die Überempflindlichkeitsreaktion ausmachen. Es kann daraus kein direkter negativer Effekt der Medikation abgeleitet werden.

Zusammenfassend deuten die Ergebnisse dieser Analyse darauf hin, dass die langfristige kontinuierliche Behandlung von Schizophrenie mit Antipsychotika möglicherweise nicht so vorteilhaft ist, wie bisher angenommen. Weitere Forschung ist erforderlich, um alternative Behandlungsstrategien zu entwickeln und die langfristigen Auswirkungen von Antipsychotika besser zu verstehen.

Es ist in jedem Fall klar, dass wir in der Wissenschaft und Medizin sehr viel weniger über psychiatrische Erkrankungen und deren Behandlungen wissen, als wir wirklich wissen. Es ist wissenschaftlich bereits einiges ergründet und gerade für den akuten Behandlungsfall zeigt die Praxis, dass der Einsatz von Leitlinien in akuten Situationen vielerlei Outcomes verbessert. Gleichzeitig ist die menschliche Psyche, gerade im Kontext der individuellen Lebensumstände, sozialen Verflechtungen und kulturellen und gesellschaftlichen Begebenheiten der Menschen, für die wissenschaftliche Medizin im Grossteil noch ein Rätsel.

Psychiatrische Erkrankungen werden immer häufiger. Sie werden als die “stille Epidemie” bezeichnet. Sie finden oft im Verborgenen statt und der Dialog darüber ist mit intensiven Emotionen wie Scham und Schuld behaftet, sowohl auf Patientenseite, als auch auf Seiten der Fachleute. Die Medizin hat bis heute keine perfekten Antworten auf die psychiatrischen Krisen unserer Gesellschaft. Dafür ist die Wissenschaft da. Sie soll uns helfen neue Perspektiven auf alte Probleme zu gewinnen. Dadurch können wir gleichen Sachverhalte in neuem Licht sehen und möglicherweise bessere Zugangswege und Antworten schaffen.

Die Perspektive auf die Psychose als eine rein chemische Erkrankung, die wie ein “Medikamentenmangel” behandelt wird, hat ihren Platz, sie ist aber nicht abschliessendste und allumfassendste Antwort, die die Medizin der Zukunft auf diese Themen haben wird.

Die wissenschaftliche Perspektive: Schizophrenie und Mitochondrien

Roberts et al. untersuchten die mitochondrialen Dysfunktionen bei Schizophrenie anhand von postmortalen Gehirnproben. Mitochondrien spielen eine wichtige Rolle bei oxidativem Stress, Energiestoffwechsel und synaptischer Effizienz im Gehirn. In der Studie werden anatomische Veränderungen in den Mitochondrien bei der Schizophrenie betrachtet.

Es wurden Defizite in der Expression verschiedener mitochondrialer Gene in Schizophrenie-Patienten gefunden. Insbesondere die Aktivität der Komplexe I und IV der elektronischen Transportkette sowie die Proteinlevel dieser Komplexe waren vermindert. Ultrastrukturelle Studien haben gezeigt, dass in bestimmten Gehirnregionen wie der Großhirnrinde, dem Striatum und der Substantia Nigra weniger Mitochondrien vorhanden sind. Auch in Astrozyten und Oligodendrozyten wurden Veränderungen in der Anzahl und Größe der Mitochondrien festgestellt.

Die mitochondrialen Dysfunktionen haben Auswirkungen auf den Energiestoffwechsel und die synaptische Aktivität im Gehirn, was zu einer Beeinträchtigung kognitiver Funktionen und negativer Symptome bei Schizophrenie führen kann. Besonders interessant ist die Beobachtung, dass die Anzahl der Mitochondrien im Striatum mit den Symptomen und der Schwere der Symptome korreliert.

Die Befunde deuten darauf hin, dass mitochondriale Abnormalitäten je nach Hirnregion, Zelltyp und zellulärer Lokalisation unterschiedlich ausgeprägt sind. Die Funktion der Mitochondrien kann trotz scheinbar intakter Struktur beeinträchtigt sein. Diese Ergebnisse tragen dazu bei, das Verständnis der mitochondrialen Dysfunktionen bei Schizophrenie zu verbessern und mögliche neue Ansätze für die Behandlung der Krankheit zu entwickeln.

Weitere Analysen von Rajasekaran et al. untersuchten die Rolle von mitochondrialen Dysfunktionen bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Schizophrenie. Es wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die darauf hinweisen, dass mitochondriale Funktionsstörungen, einschließlich oxidativem Stress und chronischer Entzündung, bei der Entwicklung von Schizophrenie eine Rolle spielen. Des Weiteren wurde festgestellt, dass bestimmte Neurotransmitter, wie Dopamin und Glutamat, eine Rolle bei der Beeinträchtigung der mitochondrialen Funktion und dem neuroprogressiven Verlauf von Schizophrenie spielen können.

Die Ergebnisse zeigen, dass mitochondriale Dysfunktionen in Schizophrenie eine Rolle spielen und mit verschiedenen Aspekten der Krankheit, wie Störungen des Energiestoffwechsels, oxidative Schäden und chronischer Entzündung, in Verbindung stehen. Weitere Forschungsarbeiten sind jedoch erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen genau zu verstehen und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln, die auf die mitochondriale Funktion abzielen könnten.

Harvard Professor: »Psychiatrische Erkrankungen sind Stoffwechselerkrankungen«

Die ketogene Ernährung ist eine spezielle Form der Ernährung, die sich durch eine sehr geringe Kohlenhydrataufnahme, eine moderate Eiweißzufuhr und einen hohen Konsum von gesunden Fetten auszeichnet. Das Hauptziel dieser Ernährungsweise ist es, den Körper in einen Zustand der sogenannten “Ketose” zu versetzen. In diesem Zustand nutzt der Körper Ketone, die während des Fettstoffwechsels gebildet werden, als alternative Energiequelle anstelle von Glukose (Zucker), die normalerweise aus Kohlenhydraten gewonnen wird.

In den letzten Jahren wurden einige Forschungen durchgeführt, die darauf hindeuten, dass die ketogene Ernährung eine positive Wirkung auf die Funktion der Mitochondrien haben könnte und möglicherweise in Verbindung mit psychiatrischen Erkrankungen steht. Hier sind einige Punkte zu beachten:

  1. Energiestoffwechsel im Gehirn: Das Gehirn benötigt normalerweise Glukose als Hauptenergiequelle. Bei einer ketogenen Ernährung erhält das Gehirn jedoch Ketone als Alternative. Dies kann den Energiestoffwechsel im Gehirn beeinflussen und möglicherweise neuroprotektive Effekte haben.
  2. Entzündungshemmende Effekte: Eine ketogene Ernährung kann entzündungshemmende Wirkungen haben. Chronische Entzündungen werden mit verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, und eine Reduzierung von Entzündungen könnte sich positiv auf die Gehirnfunktion auswirken.
  3. Neurotransmitter: Es gibt Hinweise darauf, dass die ketogene Ernährung die Konzentration von Neurotransmittern wie GABA (Gamma-Aminobuttersäure) und Glutamat im Gehirn beeinflussen könnte. Diese Neurotransmitter sind wichtig für die Regulation der Stimmung und könnten daher Auswirkungen auf psychiatrische Erkrankungen haben.

In Studien von Professor Chris Palmer der Harvard University werden die Ergebnisse von präklinischen Tiermodellen und klinischen Fallstudien zur Anwendung von ketogenen Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen, insbesondere bei Psychosen, zusammengefasst. Die präklinischen Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse und unterstützen die Anwendung von ketogenen Therapien. Die klinischen Fallstudien zeigen ebenfalls positive Ergebnisse bei der Verbesserung von psychotischen Symptomen und Gewichtsverlust.

Ein Querschnitt des menschlichen Körpers zeigt eindrücklich wie Gehirngesundheit mit Stoffwechselgesundheit zusammenhängt. Links sieht man einen stoffwechselkranken Körper mit einem stoffwechselkranken Gehirn. Rechts sieht man einen stoffwechselgesunden Körper mit einem gesunden Gehirn.

Zwei Fallstudien der Harvard University zeigen, dass die ketogene Diät möglicherweise eine wirksame Behandlungsmethode bei Schizophrenie ist. Bei Patient A, einer 82-jährigen Frau, führte die ketogene Diät zu einer vollständigen Remission ihrer psychotischen Symptome, sodass sie keine antipsychotischen Medikamente mehr benötigt. Außerdem verlor sie 150 Pfund an Gewicht und konnte ihre Unabhängigkeit wiedererlangen. Bei Patient B, einer 39-jährigen Frau, führte die ketogene Diät ebenfalls zur vollständigen Remission der psychotischen Symptome, obwohl sie zuvor mehrere antipsychotische Medikamente erfolglos ausprobiert hatte. Auch sie verlor an Gewicht und konnte ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Weitere randomisierte kontrollierte Studien sind jedoch erforderlich, um die Sicherheit und Wirksamkeit der ketogenen Diät bei psychotischen Erkrankungen zu etablieren.

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Dr. Georgia Ede ist erfahrene Psychiaterin und Spezialistin für metabolische Psychiatrie. In diesem Video erklärt sie wie eine Dosisreduktion psychiatrischer Medikation unter ketogener Ernährung aussehen kann. ACHTUNG: Führe auf keinen Fall alleine eine Dosisreduktion durch. das ist SEHR gefährlich.
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Quellen:

Harrow, M., Jobe, T., & Tong, L. (2022). Twenty-year effects of antipsychotics in schizophrenia and affective psychotic disorders. Psychological Medicine, 52(13), 2681-2691. doi:10.1017/S0033291720004778

Harrow M, Jobe TH. Long-term antipsychotic treatment of schizophrenia: does it help or hurt over a 20-year period? World Psychiatry. 2018 Jun;17(2):162-163. doi: 10.1002/wps.20518. PMID: 29856562; PMCID: PMC5980604.

Harrow M, Jobe TH. Factors involved in outcome and recovery in schizophrenia patients not on antipsychotic medications: a 15-year multifollow-up study. J Nerv Ment Dis. 2007 May;195(5):406-14. doi: 10.1097/01.nmd.0000253783.32338.6e. PMID: 17502806.

Rosalinda C. Roberts, Mitochondrial dysfunction in schizophrenia: With a focus on postmortem studies, Mitochondrion, Volume 56, 2021, Pages 91-101, ISSN 1567-7249, https://doi.org/10.1016/j.mito.2020.11.009.

Ashwini Rajasekaran, Ganesan Venkatasubramanian, Michael Berk, Monojit Debnath, Mitochondrial dysfunction in schizophrenia: Pathways, mechanisms and implications, Neuroscience & Biobehavioral Reviews, Volume 48, 2015, Pages 10-21, ISSN 0149-7634, https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2014.11.005.

Norwitz NG, Dalai SS, Palmer CM. Ketogenic diet as a metabolic treatment for mental illness [published online ahead of print, 2020 Aug 6]. Curr Opin Endocrinol Diabetes Obes. 2020;10.1097/MED.0000000000000564. doi:10.1097/MED.0000000000000564 VIDEO ABSTRACT: https://cdn-links.lww.com/permalink/coe/a/coe_2020_07_08_palmer_med270505_sdc1.mp4

Zoltán Sarnyai, Christopher M Palmer, Ketogenic Therapy in Serious Mental Illness: Emerging Evidence, International Journal of Neuropsychopharmacology, , pyaa036, https://doi.org/10.1093/ijnp/pyaa036

Sarnyai Z, Kraeuter AK, Palmer CM. Ketogenic diet for schizophrenia: clinical implication. Current Opinions in Psychiatry. 2019 Sep;32(5):394-401. doi: 10.1097/YCO.0000000000000535.

Palmer CM. Diets and Disorders: Can Foods or Fasting Be Considered Psychopharmacologic Therapies?  Journal Clinical Psychiatry. 2019 Jul 9;81(1). doi: 10.4088/JCP.19ac12727.

Palmer CM, Gilbert-Jaramillo J, Westman EC. The ketogenic diet and remission of psychotic symptoms in schizophrenia: Two case studies. Schizophrenia Research. 2019 Jun; 208:439-440. doi: 10.1016/j.schres.2019.03.019. Epub 2019 Apr 6.

Gilbert-Jaramillo J, Vargas-Pico D, Espinosa-Mendoza T, Falk S,
Llanos-Fernández K, Guerrero-Haro J, Orellana-Román C, Poveda-Loor C,
Valdevila-Figueira J, Palmer CM. The effects of the ketogenic diet on psychiatric symptomatology, weight and metabolic dysfunction in schizophrenia patients. Clinical Nutrition and Metabolism. July 31, 2018. Volume 1(1): 1-5. doi: 10.15761/CNM.100010

Palmer CM. Ketogenic diet in the treatment of schizoaffective disorder: Two case studies. Schizophrenia Research 2017 Nov;189:208-209. doi: 10.1016/j.schres.2017.01.053. Epub 2017 Feb 3.

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