MOJO ARTIKEL

NAD+ Infusion zur Behandlung von Morbus Parkinson
Rapamycin

Geschrieben von Dr. Gerrit Keferstein

Dr. Gerrit Keferstein ist Arzt und Gründer des MOJO Instituts.

In diesem Artikel gehen wir im Detail auf die Rolle von NAD+ als Infusion bei der Behandlung von Morbus Parkinson ein. Bei Morbus Parkinson handelt es sich um eine degenerative Schädigung der dopaminergen Neuronen der Substantia Nigra im Hirnstamm. Im wissenschaftlichen Fokus dieser Degeneration steht aktuell die mitochondriale Bioenergetik der Nervenzellen. Sowohl genetische Faktoren, Umweltfaktoren als auch Lebensstilfaktoren konvergieren in der mitochondrialen Konstitution. 

Mitochondrien und Morbus Parkinson

Seit den 1980ern ist die Rolle der mitochondrialen Bioenergetik bei Morbus Parkinson bekannt. Im Tiermodell wird Parkinson ausgelöst, indem man das mitochondriale Enzym Komplex 1 mit Rotenon blockiert.(Exner et al. 2012; Wallace 1992)

In Nervenzellen von Parkinson Patienten finden sich deutliche mitochondriale Schädigungen, die nahelegen, dass die Degeneration eine bioenergetische Ursache hat.(Schapira et al. 1989)

Sowohl genetische, als auch umwelttoxikologische und lebensstilbedingte Ursachen von Morbus Parkinson konvergieren in der mitochondrialen Bioenergetik. Exner et al. 2012

Im Tiermodell konnte bereits gezeigt werden, dass eine biochemische Regeneration der mitochondrialen Bioenergetik die Parkinson Erkrankung aufhalten kann. (Hou et al. 2018; Rajman, Chwalek, and Sinclair 2018; Schöndorf et al. 2018)

Beim Menschen wurde dies noch nicht ausreichend untersucht. Eine der hoffnungsvollsten Substanzen für diese biochemische Regeneration der mitochondrialen Funktion ist NAD+. Wir setzen NAD+ als Infusion ein.

Die Wirkung von NAD+

NAD+ ist ein Derivat des Vitamin B3 und wirkt in der menschlichen Zelle als notwendiger Zwischenspeicher für Elektronen. Im Alter sinkt der NAD+ Spiegel was mit zahlreichen Alterserscheinungen (inkl. Neurodegeneration) assoziiert ist. Der Einsatz von NAD+ Vorstufen hat sowohl im Tierversuch als auch beim Menschen weitreichende Effekte auf viele Gewebe gezeigt. Einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet ist David Sinclair von der Harvard University.

“The longevity genes I work on are called “sirtuins,” When I started my research, sirtuins were barely on the scientific radar. Now this family of genes is at the forefront of medical research and drug development. They have evolved to control our health, our fitness, and our very survival. They have also evolved to require a molecule called nicotinamide adenine dinucleotide, or NAD. The loss of NAD as we age, and the resulting decline in sirtuin activity, is thought to be a primary reason our bodies develop diseases when we are old but not when we are young.” 

― David Sinclair, Lifespan: Why We Age—and Why We Don’t Have To
NAD+ hat weitreichende regenerative Wirkungen in zahlreichen Geweben. Rajman et al. 2018

NAD+ in der Geweberegeneration

Die NAD+ Spiegel im Gewebe zu erhöhen hat regenerative Effekte auf verschiedene körperliche Gewebe gezeigt. Im Kontext von ischämischen Verletzungen des Gehirns und des Rückenmarks hat eine Erhöhung der NAD+ Spiegel im Tiermodell signifikante regenerative Effekte gezeigt. NAD+ Erhöhung konnte des Weiteren (auch im Tiermodell) axonale Degeneration verlangsamen und Erblindung und Taubheit des Alters aufhalten.(Katsyuba and Auwerx 2017) Ob eine Erhöhung der NAD+ Spiegel durch eine NAD+ Infusion auch bei Morbus Parkinson des Menschen das Gehirngewebe regenerieren kann ist bisher nicht ausreichend erforscht.

NAD+ bei Morbus Parkinson

Grund zum Anlass für die Forschung am Menschen liefern die engen Zusammenhänge des NAD+ Stoffwechsels und der Entwicklung von Morbus Parkinson. Bei Parkinson Patienten wurde ein reduziertes NAD+/NADH Verhältnis im Blut nachgewiesen. Im Tiermodell wird Parkinson u.a. durch Rotenon ausgelöst. Durch Rotenon sinken die NAD+ Spiegel in den betroffenen Neuronen. Ein „pre-treatment“ mit NAD+ und NAD+ Vorstufen hemmt die toxische Wirkung von Rotenon auf die Mitochondrien der Neuronen und verhindern so die Entwicklung von Morbus Parkinson. Erst wenige (wenn auch vielversprechende) Fallstudien haben die Effekte von NAD+ Vorstufen und der NAD+ Infusion auf Morbus Parkinson beim Menschen zeigen können. Die Effekte dieser kleinen Fallstudien zeigten bisher erhöhte Lebensqualität, verbesserte motorische Funktion und sogar erhöhte Dopaminspiegel im Blut. (Pérez, Baden, and Deleidi 2021)

Die NAD-PARK Studie in Norwegen untersucht gerade in einem randomisierten, kontrollierten Kontext die Therapie mit der NAD+ Vorstufe Nicotinamid Ribosid (NR).

NAD+ Forschung bei Parkinson
Wissenschaftliche Grundlagen der NAD+ Therapie bei Morbus Parkinson vom Tiermodell hin zum Menschen. Perez et al 2021.

NAD+ Infusion bei Morbus Parkinson

Es existieren zahlreiche anekdotische Berichte über die Wirkung der NAD+ Infusion bei Morbus Parkinson, jedoch wurde bisher nur wenig systematisch untersucht. Eine Fallstudie berichtet von 6 initialen Infusionen innerhalb von 8 Tagen mit einer Erhaltungstherapie durch NAD+ Nasenspray über die folgenden Wochen. Der Patient konnte seine Parkinsonmedikation absetzen und die Handtremore waren soweit rückläufig, dass der Patient mit der Hand schreiben konnte. Es handelt sich nur um einzelne Fallstudien und auch dabei gibt es noch viele offene Fragen. Daher ist eine systematische Untersuchung mit grösseren Fallzahlen notwendig.(Mestayer et al. 2019)

Die NAD+ Spiegel lassen sich durch Ernährungsinterventionen, körperliche Aktivität und spezielle NAD+ Vorstufen (Niacin, Vitamin B3, Tryptophan, NMN, NR) erhöhen. Die direkte intravenöse Gabe von NAD+ ist erst seit kurzem in Deutschland zugelassen und wir sind eine der sehr wenigen Anlaufstellen in Deutschland, die nun die NAD+ Infusion einsetzen. 

MOJO NAD+ Infusion zur Behandlung von Morbus Parkinson

Wir haben ein experimentelles Protokoll entwickelt mit dem Ziel die NAD+ Spiegel und die mitochondriale Funktion über 12 Wochen zu verbessern. Dieses besteht aus 10x NAD+ Infusion, einem Ernährungsprogramm, sowie weiteren evidenzbasierten Methoden um den NAD+ Spiegel zu erhöhen und damit hoffentlich die Erkrankungsprogredienz und die Symptomatik von Morbus Parkinson aufzuhalten oder umzukehren.

Wir beginnen das Protokoll mit einem ausführlichen Medizincheck und einer validierten Erfassung der aktuellen Parkinson Symptomatik. Eine initiale Behandlung findet mit 10 Infusionen NAD+ über 5 Tage statt. Danach folgt eine Erhaltungstherapie mit oraler NAD+ Supplementation sowie begleitenden NAD+ steigernden Methoden, die von Zuhause durchgeführt werden können. Nach der Therapie wird erneut ein Medizincheck durchgeführt und die Symptomatik wissenschaftlich erfasst.

Quellen:

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