MOJO ARTIKEL

Memetische Infektion – Wenn Ideen krank machen
Ideenübertragung

Geschrieben von Dr. Gerrit Keferstein

Dr. Gerrit Keferstein ist Arzt und Gründer des MOJO Instituts.

Die fundamentalste Unterteilung von Erkrankungen im medizinischen Jargon ist die Unterteilung in ansteckende und nicht-ansteckende Erkrankungen. Virus-, Bakterien-, Pilz-, Parasiten-, und Prionenerkrankungen gelten als ansteckend und Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, Alzheimer, Schlaganfälle, Krebs, etc.., die gelten dann als nicht-ansteckend. In diesem Artikel wollen wir beleuchten wo jedoch die Limits dieser einfachen Unterteilung sind und lernen, dass auch Erkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, und chronische Schmerzen ansteckend sein können. Nämlich durch memetische Infektion.

Infektion ist (genetischer) Informationstransfer

In den ansteckenden Erkrankungen verbreitet sich parasitäre Information (in Form von Virus-RNA, Bakterien-RNA/DNA, oder Pilz-DNA) in dem Wirt. Diese Information ist kodiert in einem Virus-Gen, was sich mit Hilfe des Wirts dann vermehren kann, oder in einem Bakterien-Gen was sich vermehrt. Es geht um die Replikation (Vermehrung) von (genetischer) Information. Der ganze evolutionäre Prozess hat zum Ziel Informationen zu vermehren. Diese Informationen sind als Zahlencodes auf Genen gespeichert. Okay, soweit so gut.

Wie ist das jetzt mit den nicht-ansteckenden Erkrankungen? Da sind es nicht die übertragenen Informationen (in Form von Genen verpackt als Virus etc…), die die Erkrankung auslösen. Es sind Erkrankungen die sich primär auf Basis eines nicht-artgerechten Lebensstils entwickeln. Menschen bewegen sich zu wenig, essen falsch, haben krank machende Glaubenssätze und Gedanken, oder setzen sich anderen Risiken aus, denen sie sich in einem anderen psychologischen und kulturellen Biotop gegebenenfalls nicht aussetzen würden.

Warum sind wir uns so sicher, dass ein Grossteil der chronischen Erkrankungen lebensstilbedingt sind?

Wie Weston Price, Vilhjalmur Stefansson, Albert Schweitzer, Staffan Lindeberg, und kürzlich u.a. Hermann Pontzer ausführlich aufzeigen, haben unsere Brüder und Schwestern in den Naturvölkern diese chronischen Erkrankungen fast gar nicht, obwohl sie genau so alt werden wie wir. Sie können also nicht genetisch sein. Zumindest nicht rein genetisch.

Wenn sie also nicht genetisch sind, dann bleiben die habituellen Lebensstil- und Umweltfaktoren. Aber was führt dazu, dass Menschen einen schlechten Lebensstil leben? Die memetische Infektion

Wie Ideen unser Verhalten prägen

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat uns in den 1970ern klar gemacht, dass der evolutionäre Prozess Informationen teilt, und dass Gene nur eine Möglichkeit dieses Informationstransfers sind. Mit Entwicklung von Sprache und Kultur ist auch die Kommunikation ein wichtiger Informationsmarkt geworden. Und genau wie bei genetischer Selektion, werden auch Informationen und Ideen selektiert. Sie mutieren und entwickeln sich weiter. Das nennt sich dann nicht genetische Evolution, sondern memetische Evolution (von griech. “mem” = Bewusstseinsinhalt/Idee). Daher kommt das Wort “Meme” für die lustigen Internetbilder. Eine memetische Infektion passiert, wenn wir Bewussteinsinhalte/Ideen in uns aufnehmen, die uns dann krank machen.

Ideen verbreiten sich wie Viren

Ideen können adaptiv sein und uns helfen, oder sie können destruktiv sein und uns schaden.

Denke mal über folgende Bewusstseinsinhalte nach :

“Sport ist Mord”

“Warum unkomfortabel, wenn ich es auch komfortabel haben kann?”

“Auf Genuss möchte ich nicht verzichten”

„Ich bin dafür nicht gemacht“

„Ich kann gar nicht …. sein“

Diese Bewusstseinsinhalte verbreiten sich viral (memetische Infektion), führen zu einem bestimmten Verhalten und Lebensstil, und dieser wiederum führt zu chronischen Erkrankungen. 

Lebensstilerkrankungen sind memetisch übertragbare Erkrankungen und man muss sich vor memetischen Gehirnviren genauso schützen und impfen wie vor genetischen Viren. Eine wichtige Impfung gegen memetische Infektion ist Achtsamkeit, (Selbst)Bewusstsein, und Selbstwirksamkeit.

Ideen, Informationen und kulturelle Habituierung sind mächtig. Um ihnen zu widerstehen und sie nur sehr reflektiert in sich aufzunehmen muss man selber mächtiger sein.

Wenn wir eine ganze Gesellschaft haben, die ihren Körper nur noch benutzt um ihr Gehirn von A nach B zu tragen, und unreflektiert memetische Inhalte konsumiert, dann ist in der Konsequenz verständlich, dass der Körper degeneriert und krankn wird.

Übertragung von Lebensstilangewohnheiten ist genauso mächtig wie die Übertragung genetischer Informationen.

Mir fällt dazu der englische Joke ein : 

“Obesity runs in my family” (Übergewicht liegt in meiner Familie)

“No, Nobody runs in your family” (Nein. Deine Familie ist übergewichtig, weil sie nur (rum)liegt)

Ungesunde Angewohnheiten verändern

Ein Teil einer guten Anamnese beim Arzt oder Physiotherapeuten sollte beinhalten herauszufinden was die genetischen, aber auch die MEMETISCHEN Faktoren der Krankheitsursache sind. Wenn man die MEMETIK nicht adressiert und verändert, dann wird man die Krankheit nicht heilen können. Ein Perspektivwechsel, ein AHA-Moment ist eine blitzartige Bewusstseinsveränderung, die Verhalten nachhaltig prägen kann. Die MEMETIK verändert man durch eine bewusstseinsverändernde Atmosphäre, bewusstseinsverändernde Gespräche, bewusstseinsverändernde Erlebnisse und auch bewusstseinsverändernde Substanzen wie Ketamin. All dies kann dazu beantragen hartnäckige und eingefahrene Muster der Gedanken, des Glaubens, und des Verhaltens neu zu reflektieren und auf eine hilfreichere Art und Weise auszurichten.

Ideen, die gesund machen

Es gibt nicht nur Ideen, die krank machen, sondern natürlich auch Ideen, die gesund machen. Es gibt nicht nur Krankheitsursachen, sondern auch Gesundheitsursachen!

Vergiss zum Beispiel nicht, dass du ultimativ die Kontrolle über jeden einzelnen deiner Gedanken, und auch über jede Einzelne deiner Emotionen hast. Das Einzige was zwischen dir und dieser ultimativen Freiheit steht ist ein Raum, den es zu beherrschen gilt.

So wie Viktor Frankl sagte : „Freiheit ist der Raum zwischen Reiz und Reaktion“.

Wir von MOJO glauben daran, dass wir Menschen ALLE das Potential haben uns selber und uns gegenseitig zu gesunden und viel näher an unser Potential zu gelangen.

Möge das MOJO mit euch bleiben! 

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