Hitzeschockproteine sind evolutionär sehr alte Moleküle, die beim Menschen das erste Mal im Zusammenhang mit der biochemischen Reaktion auf Hitzereize entdeckt wurden. Sie werden vom Körper jedoch als Reaktion auf sehr viele verschiedene akute und intensive physische Stressreize ausgeschüttet. Damit sind nicht emotionale und/oder mentale Stressreize wie Arbeitsstress oder Beziehungsstress gemeint, sondern akute physische Reize wie klirrende Kälte, dampfende Hitze, brennende körperliche Anstrengung und/oder Sauerstoffmangel über das Anhalten der Luft. 

Die verschiedenen Hitzeschockproteine haben spezifische Effekte in unseren Zellen. Sie lösen besonders an der menschlichen DNA (epi)genetische Veränderungen aus, die einen positiven Effekt auf sehr viele körperliche Systeme haben, besonders auf das Immunsystem. Da sie für eine grosse Anpassungsfähigkeit absolut lebensnotwendig sind und an unseren Genen wirken, nennt man sie auch „Vitagene“ als Pendant zu den lebensnotwendigen Nährstoffen, den „Vitaminen“. Akuter Stress ist also ein lebensnotwendiges „Vitagen“ was über Hitzeschockproteine vermittelt wird.1–3

Die Nutzung von Hitze und Kälte zur Prävention von Erkrankungen und zur Stärkung des Immunsystems ist fast so alt wie die Zeit selbst, aber erst in den letzten Jahren werden die biochemischen Hintergründe für die Wissenschaft immer klarer. Man kann inzwischen alleine bei der simplen Kältetherapie (Kryotherapie) von einer hochwissenschaftlichen und brandneu erforschten effektiven Strategie für die Immunoptimierung sprechen.

Die Hitzeschockproteine (man müsste sie eigentlich Kälteschockproteine nennen), die bei grossen Kältereizen ausgeschüttet werden haben einen kurzfristigen und nachhaltigen Einfluss auf das Immunsystem. Sie schärfen die Wachsamkeit des Immunsystems und erhöhen die Präzision indem sie den Zellen helfen besser darin zu werden MHC Oberflächenantigene für das Immunsystem zu präsentieren.4

Besonders das Hitzeschockprotein HSP-70 ist gerade im Fokus der Forschung, weil es vermehrt Hinweise gibt, dass es gerade bei viralen Infektionen eine grosse präventive Rolle spielt.

Kryotherapie : Das wichtigste Vitagen

Bei der Ganzkörperkältetherapie (Kryotherapie) stellt man sich für 60-180 Sekunden eine Kabine mit sehr kalter, trockener Luft. Die Temperaturen in solchen Kabinen erreichen bis -110° Celsius. Dadurch wird u.a. eine starke Ausschüttung von Hitzeschockproteinen ausgelöst. 

In einer Studie mit 45 Menschen konnten in nur 30 Tagen alleinig durch täglich nur 3 Minuten Ganzkörperkältetherapie sehr eindrückliche Effekte erzielt werden. Die Blutfettwerte haben sich verbessert (schlechtes Cholesterin runter, gutes Cholesterin hoch), ohne dass die Ernährung oder das Sportverhalten umgestellt wurden.5

In einer anderen Studie zeigte sich durch nur 10 Einheiten a 3 Minuten ein signifikanter Anstieg in der Anzahl der weissen Blutkörperchen, Lymphozyten und Monozyten.6 Darüber hinaus zeigt Ganzkörperkryotherapie positive Effekte bei anderen Immunvermittelten Erkrankungen wie Fibromyalgie7, entzündlichen Rückenschmerzen8, Rheuma9, Multiple Sklerose10, Asthma11, und es verbesserte sogar die rehabilitativen Ergebnisse nach Kreuzbandriss.12

In Tiermodellen zeigen sich auch potente Anti-Tumor Effekte durch Ganzkörperkryotherapie.13 Diese wurden beim Menschen jedoch bisher noch nicht bestätigt.

Bei uns im MOJO Institut für Regenerationsmedizin kannst du ab August 2020 mit der Ganzkörperkryotherapie in unserer Kryokammer mit -85° Celsius loslegen.

 
1.        Calabrese, V. et al. Vitagenes, dietary antioxidants and neuroprotection in neurodegenerative diseases. Front. Biosci. (Landmark Ed. 14, 376—397 (2009).
2.        Dattilo, S. et al. Heat shock proteins and hormesis in the diagnosis and treatment of neurodegenerative diseases. Immun. Ageing 1–19 (2015). doi:10.1186/s12979-015-0046-8
3.        Calabrese, V., Cornelius, C., Dinkova-Kostova, A. T. & Calabrese, E. J. Vitagenes, cellular stress response, and acetylcarnitine: relevance to hormesis. Biofactors 35, 146–160 (2009).
4.        Murshid, A., Gong, J., Calderwood, S. K., Calderwood, S. K. & Israel, B. The role of heat shock proteins in antigen cross presentation. 3, 1–10 (2012).
5.        Lubkowska, A. et al. The effect of repeated whole-body cryostimulation on the HSP-70 and lipid metabolisms in healthy subjects. Physiol. Res. 68, 419–429 (2019).
6.        Lubkowska, A., Szygula, Z., Klimek, A. J. & Torii, M. Do sessions of cryostimulation have influence on white blood cell count, level of IL6 and total oxidative and antioxidative status in healthy men? Eur. J. Appl. Physiol. 109, 67–72 (2010).
7.        Bettoni, L. et al. Effects of 15 consecutive cryotherapy sessions on the clinical output of fibromyalgic patients. Clin. Rheumatol. 32, 1337–1345 (2013).
8.        Straburzyńska-Lupa, A. et al. The Effect of Whole-Body Cryotherapy at Different Temperatures on Proinflammatory Cytokines, Oxidative Stress Parameters, and Disease Activity in Patients with Ankylosing Spondylitis. Oxid. Med. Cell. Longev. 2018, 2157496 (2018).
9.        Braun, K.-P. et al. [Whole-body cryotherapy in patients with inflammatory rheumatic disease. A prospective study]. Med. Klin. (Munich). 104, 192–196 (2009).
10.      Miller, E., Kostka, J., Włodarczyk, T. & Dugué, B. Whole-body cryostimulation (cryotherapy) provides benefits for fatigue and functional status in multiple sclerosis patients. A case–control study. Acta Neurol. Scand. 134, 420–426 (2016).
11.      Huttunen, P., Kokko, L. & Ylijukuri, V. Winter swimming improves general well-being. Int. J. Circumpolar Health 63, 140–144 (2004).
12.      Fu, C. L. A. et al. The Effect of Early Whole-Body Vibration Therapy on Neuromuscular Control After Anterior Cruciate Ligament Reconstruction: A Randomized Controlled Trial. Am. J. Sports Med. 41, 804–814 (2013).
13.      Zhu, J. et al. Cryo-thermal therapy elicits potent anti-tumor immunity by inducing extracellular Hsp70-dependent MDSC differentiation. Nat. Publ. Gr. 1–13 (2016). doi:10.1038/srep27136