Wenn du hier eine einfache ja oder nein Antwort erwartest, muss ich dich leider enttäuschen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Rekonstruktions-Operation als häufigste Therapiemethode durchgesetzt. Auch aktuell stellt es noch die häufigste Variante da. Die weniger populäre Variante ist die sogenannte konservative Therapie, bei der auf die Operation und das Einsetzen eines Transplantats verzichtet wird. Dabei wird der Körper darauf vorbereitet über Kraft und Koordination das Kreuzband zu kompensieren. Befürworter einer Rekonstruktion befürchten eine ungenügende Stabilität und langfristig ein erhöhtes Arthroserisiko in Folge einer konservativen Therapie, vor allem bei sportlich aktiven Menschen. Aber ist das wirklich so?

Tatsächlich konnten Untersuchungen aufzeigen, dass Personen, welche sich gegen eine Kreuzbandoperation entschieden, weder nach 101,2 noch nach 20 Jahren3, ein höheres Arthroserisiko als jene mit einer Operation haben, ganz unabhängig von der ausgeübten Sportart und des Leistungsniveaus4. Auch bei der aktiven Kniefunktion konnte langfristig kein Unterschied zwischen den beiden Optionen festgestellt werden.3,5,6 Wobei es hier widersprüchliche Ergebnisse gibt.1,2 Die Chance wieder in den gewohnten Sport zurückzukehren ist bei beiden Vorgehensweisen gleich hoch.5,6 Tatsächlich gibt es sogar Hinweise, dass Sportler, welche auf eine Operation verzichten, früher in sogenannte Level 2 (Volleyball, Tennis, Ski-Alpin, Kampfsport etc.) und Level 3 (Laufen, Radsport, Ski-Langlauf, Schwimmen etc.) Sportarten zurückkehren können.5 Dagegen weisen Kniegelenke nach einer Kreuzbandoperation ein geringeres Maß an passiver Stabilität auf1,6 was auf der anatomische Funktion des Kreuzbandes beruht, jedoch keinen Einfluss auf die tatsächliche Kniefunktion hat.6 Bezüglich des Risikos einer neuen Knieverletzung gibt es nach 25 und nach 20 Jahren3 keine Unterschiede.

Einer der Vorteile der konservativen Therapie liegt in einer früheren Belastbarkeit des Kniegelenks, da es zu keiner neuen Verletzung durch die Operation und der damit verbundenen Wundheilung kommt. Ebenso muss nicht auf den Umbau des Sehnentransplantats zu einem Band Rücksicht genommen werden. Letzteres ist auch der Grund, warum bei einer Kreuzbandrekonstruktion empfohlen wird erst nach frühestens 9 Monaten wieder in den Sport zurück zu kehren.7

Circa 70% der konservativ behandelten Athleten kommen im weiteren Verlauf ohne eine Kreuzbandrekonstruktion aus2,5, davon kehren wiederum 79% zu ihrem ursprünglichen Leistungsniveau zurück8. Bleibt jedoch weiterhin eine Instabilität bestehen oder kann die Kniefunktion nicht zufriedenstellend wiederhergestellt werden, besteht die Möglichkeit nachträglich eine Rekonstruktions-OP durchzuführen.

Leider ist es nicht möglich vorherzusehen wer von einer operativen oder konservativen Therapie profitieren wird9. Daher würden wir dir bei einem Kreuzbandriss ohne extreme Instabilität und größere Begleitverletzungen empfehlen zunächst eine mindestens 3-monatige konservative Rehabilitation durchzuführen und nur bei ausbleibendem Erfolg auf eine Operation zurück zu greifen.

Schlussendlich sollte die Entscheidung jedoch individuell auf deine Situation angepasst werden. Falls du hierfür noch weitere Informationen benötigst, melde dich bei uns oder vereinbare gleich einen Termin im MOJO Institut. Ganz egal wie deine Entscheidung letztendlich ausfällt, wir freuen uns dich mit unserem Know-how auf deinem Weg zurück zu unterstützen.

 

QUELLEN:

  1. Tsoukas D, Fotopoulos V, Basdekis G, Makridis KG. No difference in osteoarthritis after surgical and non-surgical treatment of ACL-injured knees after 10 years. Knee Surgery, Sport Traumatol Arthrosc. 2016;24(9):2953-2959. doi:10.1007/s00167-015-3593-9
  2. Kessler MA, Behrend H, Henz S, Stutz G, Rukavina A, Kuster MS. Function, osteoarthritis and activity after ACL-rupture: 11 Years follow-up results of conservative versus reconstructive treatment. Knee Surgery, Sport Traumatol Arthrosc. 2008;16(5):442-448. doi:10.1007/s00167-008-0498-x
  3. van Yperen DT, Reijman M, van Es EM, Bierma-Zeinstra SMA, Meuffels DE. Twenty-Year Follow-up Study Comparing Operative Versus Nonoperative Treatment of Anterior Cruciate Ligament Ruptures in High-Level Athletes. Am J Sports Med. 2018;46(5):1129-1136. doi:10.1177/0363546517751683
  4. Gföller P, Abermann E, Runer A, et al. Non-operative treatment of ACL injury is associated with opposing subjective and objective outcomes over 20 years of follow-up. Knee Surgery, Sport Traumatol Arthrosc. 2019;27(8):2665-2671. doi:10.1007/s00167-018-5296-5
  5. Grindem H, Eitzen I, Engebretsen L, Snyder-Mackler L, Risberg MA. Nonsurgical or surgical treatment of ACL injuries: Knee function, sports participation, and knee reinjury: The Delaware-Oslo ACL cohort study. J Bone Jt Surg – Am Vol. 2014;96(15):1233-1241. doi:10.2106/JBJS.M.01054
  6. Monk A, Davies L, Hopewell S, Harris K, Beard D, Price A. Surgical versus conservative interventions for treating anterior cruciate ligament injuries. Cochrane Database Syst Rev. 2016;(4). doi:10.1002/14651858.CD011166.pub2.www.cochranelibrary.com
  7. Grindem H, Snyder-Mackler, Lynn Moksnes H, Engebretsen L, Risberg MA. Simple decision rules reduce reinjury risk after Anterior Cruciate Ligament Reconstruction: The Delaware-Oslo ACL cohort study. Br J Sports Med. 2016;50(13):804-808. doi:10.1136/bjsports-2016-096031.SIMPLE
  8. Fitzgerald GK, Axe MJ, Snyder-Mackler L. A decision-making scheme for returning patients to high-level activity with nonoperative treatment after anterior cruciate ligament rupture. Knee Surgery, Sport Traumatol Arthrosc. 2000;8:76-82.
  9. Moksnes H, Snyder-Mackler L, Risberg MA. Individuals with an anterior cruciate ligament-deficient knee classified as noncopers may be candidates for nonsurgical rehabilitation. J Orthop Sports Phys Ther. 2008;38(10):586-595. doi:10.2519/jospt.2008.2750

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