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Vitamin C Mangel in Deutschland
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Geschrieben von Dr. Gerrit Keferstein

Dr. Gerrit Keferstein ist Arzt und Gründer des MOJO Instituts.

Vitamin C Mangel hat weitreichende Konsequenzen. Aber ist es in unserer Gesellschaft überhaupt möglich einen Vitamin C Mangel zu erleiden? Wir sehen in der Praxis und durch validierte Labordiagnostik, dass es auch bei uns zu Vitamin C Mangelsituationen kommen kann.

Daten über Vitamin C Mangel in Deutschland

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass etwa 2-10% unserer Bevölkerung einen so ausgeprägten Vitamin C Mangel haben, dass er mit der Diagnose Skorbut vereinbar ist. Kranke Menschen sind davon häufiger betroffen.

So wurde eine Untersuchung in einem Universitätskrankenhaus durchgeführt bei der 19% der Patienten einen schweren Vitamin C Mangel zeigten und 60% hatten einen mittelgradigen Mangel.11

Daten über Vitamin C Mangel in Deutschland

Bei 2% der gesunden Jugendlichen Universitätsstudenten zeigt sich ein schwerer Vitamin C Mangel und 16% zeigen einen mittelgradigen Mangel.12 Durch alle Bevölkerungssschichten hinweg haben etwa 2-10% einen schweren Mangel, 7-18% der Menschen einen mittelgradigen Vitamin C Mangel und etwa 30-60% haben einen leichtgradigen Vitamin C Mangel. 13,14

Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. Das liegt daran, dass Blutmessungen nur den Vitamin C Gehalt im Blut widerspiegeln können. Entscheidend ist jedoch, dass die einzelnen Gewebe der Organe mit Vitamin C aufgesättigt sind. Wenn sich im Blut ein Vitamin C Mangel zeigt, dann sind die Organe schon lange unterversorgt.6 Unter denjenigen, die nicht die Laborkriterien erfüllen um von einem „Vitamin C Mangel“ zu sprechen sind diejenigen gesünder, die höhere Vitamin C Werte haben. Anders ausgedrückt : Höhere Vitamin C Werte sind ein Gesundheitsvorteil, selbst wenn man keinen Mangel laut Labor hat. Das zeigt sich in einer grossen englischen Untersuchung mit über 20.000 Teilnehmern. Jede Erhöhung des Vitamin C Blutlevels um 20µmol/L war assoziiert mit einer 9%igen Reduktion des Risikos für Herzversagen in den folgenden 15 Jahren.15

Die wichtigen Zeichen eines Vitamin C Mangels sind :

  • Tendenz zu blauen Flecken (Weil Vitamin C Blutgefässe stabilisiert)
  • Rauhe, holprige Haut am Oberarm, Oberschenkel oder Hintern aufgrund einer vermehrten Keratinansammlung (das nennt sich Keratosis Pilaris und ist u.A. auf einen Vitamin C Mangel zurückzuführen)
  • Gebogene oder lockige Körperbehaarung (weil Vitamin C für eine gute Proteinstruktur der Haare benötigt wird). Dieses Symptom ist nicht so auffällig, da geschädigte Haare schneller ausfallen.
  • Kleine Rötungen um die Haarfollikel. Das nennt sich Perifollikuläre Einblutung. Nach Vitamin C Substitution löst sich dieses Symptom innerhalb von 2 Wochen auf.
  • Trockene und spröde Haut. Die oberste Hautschicht, die Epidermis, benötigt sehr viel Vitamin C für eine elastische und gleichzeitig stabile Funktion.Vitamin C ist notwendig, damit der Körper Kollagen produzieren kann was die Haut straff und jugendlich wirken lässt. Ausserdem verändert Vitamin C positiv die epigenetische Funktion der Haut. 
  • Langsame Wundheilung. Wenn Wunden länger brauchen um zu heilen, dann kann das daran liegen, dass nicht ausreichend Vitamin C vorhanden ist.
  • Entzündetes, rot/lila verfärbtes oder sogar blutendes Zahnfleisch. Das ist ein klassisches Zeichen eines Vitamin C Mangels.
  • Häufige Infekte. Ein Mangel kann der Grund dafür sein, dass man sich häufig erkältet. Das liegt daran, dass weisse Blutkörperchen Vitamin C für ihre Funktion benötigen. Vitamin C ist sozusagen die Munition und weisse Blutkörperchen ohne Vitamin C sind wie Soldaten ohne Munition. 
  • Eisenmangel. Vitamin C ist ein sehr wichtiger Co-Faktor in der Eisenaufnahme und im Eisenstoffwechsel. Bei Vitamin C Mangel kann der Körper kaum Eisen aus pflanzlichen Quellen aufnehmen. Hartknäckige Eisenmangelsituationen haben ihre Ursache daher häufig in einer chronischen Vitamin C Unterversorgung.
  • Die ersten Beobachtungen über Vitamin C wurden von James Lind bei Seefahrern gemacht, die in den ersten Tagen und Wochen einen Motivationsverlust erlittet, aber dann normal arbeiten konnten, wenn sie sich aufgerafft haben. Das liegt daran, dass Vitamin C notwendig ist um Dopamin und Adrenalin zu produzieren. Müdigkeit, Motivationsverlust und schlechte Stimmung sind mit die frühesten (unspezifischen) Zeichen eines Vitamin C Mangels.

Wie kann es zu einem Mangel kommen?

Der Vitamingehalt von Obst und Gemüse hat in den letzten 30 Jahren um bis zu 70% abgenommen1–4. Ausserdem kann es im Magen-Darm-Trakt durch Entzündungen, Alterungsprozesse und Stoffwechselveränderung zu einer reduzierten Vitamin C Aufnahme kommen5. Dadurch ist ein chronischer Vitamin C Mangel auch bei Menschen, die viel Obst und Gemüse essen nicht selten. Zusätzlich ist es so, dass Zucker und Vitamin C sich einen Transporter im Darm teilen. Zucker passt einfacher durch diesen Transporter. Das führt dazu, dass die Vitamin C Aufnahme durch gleichzeitige Aufnahme von Zucker/Mehl stark gehemmt wird.6

Sowohl chronischer Stress als auch physische Belastung führt zu einem ausgeprägten Vitamin C Verbrauch und damit zu einem Vitamin C Mangel. Daher haben grosse wissenschaftliche Studien eindeutig gezeigt, dass beispielsweise Sportler die Anzahl von Erkältungen und grippalen Infekten um 50% reduzieren können, wenn sie Vitamin C supplementieren.7

Auch die Einnahme der Anti-Baby-Pille, Nikotin, und Koffeinkonsum erhöhen den Vitamin C Verbrauch signifikant.8–10


 
1.        Guo, W., Nazim, H., Liang, Z. & Yang, D. Magnesium deficiency in plants: An urgent problem. Crop J.4, 83–91 (2016).
2.        Mayer, A. B., Mayer, A. & Researcher, I. Historical changes in the mineral content of fruits and vegetables. (2014). doi:10.1108/00070709710181540
3.        Rosanoff, A. Changing crop magnesium concentrations : impact on human health. 139–153 (2013). doi:10.1007/s11104-012-1471-5
4.        Wienecke, E. Bedarf höher als angenommen. 2012 (2012).
5.        Said, H. M. Intestinal absorption of water-soluble vitamins in health and disease. Biochem j. 437, 357–372 (2014).
6.        Padayatty, S. J. & Levine, M. Vitamin C: the known and the unknown and Goldilocks. Oral Dis. 22, 463–493 (2016).
7.        Hemilä, H. & Chalker, E. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst. Rev. (2013). doi:10.1002/14651858.CD000980.pub4
8.        BRIGGS, M. & BRIGGS, M. Vitamin C Requirements and Oral Contraceptives. Nature 238, 277 (1972).
9.        Yeung, D. L. Relationships between cigarette smoking, oral contraceptives, and plasma vitamins A, E, C, and plasma triglycerides and cholesterol. Am. J. Clin. Nutr. 29, 1216–1221 (1976).
10.      Kalesh, D. G., Mallikarjuneswara, V. R., Alan, C. & Clemetson, B. Effect of estrogen-containing oral contraceptives on platelet and plasma ascorbic acid concentrations. Contraception 4, 183–192 (1971).
11.      Gan, R., Eintracht, S. & Hoffer, L. J. Vitamin C Deficiency in a University Teaching Hospital. J. Am. Coll. Nutr. 27, 428–433 (2008).
12.      Johnston, C. S., Elizabeth Solomon, R. & Corte, C. Vitamin C Status of a Campus Population: College Students Get a C Minus. J. Am. Coll. Heal. 46, 209–213 (1998).
13.      Schleicher, R. L., Carroll, M. D., Ford, E. S. & Lacher, D. A. Serum vitamin C and the prevalence of vitamin C deficiency in the United States: 2003–2004 National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES). Am. J. Clin. Nutr. 90, 1252–1263 (2009).
14.      Hampl, J. S., Taylor, C. A. & Johnston, C. S. Vitamin C Deficiency and Depletion in the United States: The Third National Health and Nutrition Examination Survey, 1988 to 1994. Am. J. Public Health 94, 870–875 (2004).
15.      Pfister, R., Sharp, S. J., Luben, R., Wareham, N. J. & Khaw, K.-T. Plasma vitamin C predicts incident heart failure in men and women in European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition-Norfolk prospective study. Am. Heart J. 162, 246–253 (2011).
 

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