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Inflammaging – Alterung durch Entzündung
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Geschrieben von Dr. Gerrit Keferstein

Dr. Gerrit Keferstein ist Arzt und Gründer des MOJO Instituts.

Im Kontext des neuen Coronavirus hört man immer, dass Ältere schwerer betroffen sind. Das ist auch korrekt, jedoch sind nicht nur die Älteren betroffen, sondern es sind die betroffen, die eine geringe Anpassungsfähigkeit des Immunsystems haben. Dazu gehören viele alte Menschen. Das Immunsystem wird jedoch nicht schlechter als reine Reaktion auf das Altern, sondern man altert (biologisch) unter Anderem in Folge einer abnehmenden Immunfunktion.1. Genauer gesagt sind Alterung und reduzierte Immunfunktion zwei Seiten der gleichen Medallie. In der Wissenschaft nennt sich dieses Konzept Inflammaging.2

Inflammaging und Immunbalance

Inflammaging

Das Modell des Inflamm-agings beschreibt wie Entzündung (Inflammation) zu Alterung führt (Aging). Demnach ist Alterung die Folge von zellulären und (epi)genetischen Veränderung, die durch Entzündungsprozesse vermittelt werden. Je mehr chronische Entzündung im Körper herrscht, desto schneller altert der Organismus. Durch eine Reduktion der chronischen Entzündung kann der Alterungsprozess verlangsamt werden.

Die beiden wichtigsten Marker des Inflammagings sind die Zytokine Interleukin-6 (IL-6) und TNF-a. 

Eine chronische Erhöhung dieser beiden Marker :

  • Beschleunigt die biologische Alterung
  • führt zu Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzinfarkt, und Schlaganfall
  • Erhöht das Risiko an einem viralen Infekt zu erkranken
  • Erhöht das Risiko an einem viralen Infekt zu versterben

Entzündungen und Vorerkrankungen

Im Rahmen der Pandemie des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 kam rasch zu Tage, dass Leute mit Nebenerkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, und Herzerkrankungen schwerer betroffen sind. Dabei ist interessant zu wissen, dass es gar nicht so per se die Nebenerkrankung selber ist, die das erhöhte Risiko darstellen, sondern der gemeinsame Nenner  : Das Inflammaging.

Inflammaging führt zu diesen Nebenerkrankungen und erhöhte das Risiko eines kritischen Verlaufs bei Ansteckung mit dem Coronavirus.

Wenn es also darum geht sich und sein Immunsystem in die beste Position zu bringen langsamer zu altern, weniger krank zu werden, weniger schwer krank zu werden, und sich gleichzeitig vor Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Schlaganfall zu schützen, dann sollte man sich an den gemeinsamen Nenner machen : Das Inflammaging.

Die Folgen des Inflammaging

Gründe für das Inflammaging :

  • Mikronährstoffmängel
  • Veränderungen der Darmflora
  • Mangel an intensiver körperlicher Belastung
  • Fehlernährung (nicht kompatibel mit individueller Epigenetik)
  • Umweltgifte wie Nikotin, Zucker, Abgase
  • Mangel an akutem physischem Stress (Hitzeschockproteine)
  • Chronischer emotionale und mentaler Stress
  • Chronische Infektionen (CMV, EBV, HSV etc.)

Wie kann man Inflammaging messen?

Die wichtigsten Messparameter für das Inflammaging und die damit assoziierte chronisch-niedergradige Entzündung (low grade inflammation) sind die direkten entzündungsassoziierten Immunparameter wie Interleukin-6, TNF-a, und hs-CRP.4 Diese Parameter sagen jedoch noch nichts über die Ursache der chronischen Entzündung. Um die Ursache zu finden ist eine ausführliche Lebensstilanamnese (Spurensuche) und eventuell weitere Labordiagnostik notwendig. Die häufigsten Ursachen für das Inflammaging finden sich in Mikronährstoffmängeln, chronischen Infektionen, schlechter Ernährung, und Veränderungen der Darmflora.

 
1.        Jazwinski, S. M. & Yashin, A. I. Aging and health--a systems biology perspective. Introduction. Interdisciplinary topics in gerontology 40, VII–XII (2015).
2.        Fulop, T. et al. Immunosenescence and inflamm-aging as two sides of the same coin: Friends or Foes? Front. Immunol. 8, (2018).
3.        Fulop, T. et al. From inflamm-aging to immune-paralysis: a slippery slope during aging for immune-adaptation. Biogerontology 17, 147–157 (2016).
4.        Xia, S. et al. An Update on Inflamm-Aging: Mechanisms, Prevention, and Treatment. J. Immunol. Res.2016, 8426874 (2016).

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