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Endometriose Behandlung
Endometriose

Geschrieben von Dr. Gerrit Keferstein

Dr. Gerrit Keferstein ist Arzt und Gründer des MOJO Instituts.

Eine junge Patientin kam zu uns mit der Diagnose Endometriose und war zunächst überrascht als wir ihr bei der ersten Behandlung erzählten, dass dies eine Erkrankung ist, die bei Naturvölkern nicht vorkommt.

Heute leitet diese junge Frau einen eigenen Podcast zur ganzheitlichen Behandlung von Endometriose, bei dem ich kürzlich Gast sein durfte. Die komplette Folge findest du hier :

endometriose Behandlung podcast EndoPower

Endometriose Behandlung

Endometriose bei Naturvölkern und warum das wichtig ist

Frauen in Naturvölkern haben tatsächlich eine deutlich niedrigere Rate von Endometriose. Dies hängt unter Anderem damit zusammen, dass Frauen in Naturvölkern viel häufiger Kinder bekommen und so sehr viel weniger Menstruationen haben. Die so genannte „retrograde Menstruation“, also eine Menstruation, die über den Eileiter Flüssigkeit in den Bauchraum verliert, ist ein wichtiger Risikofaktor für eine Endometriose. Und so sind häufigere und schwerer Menstruationen ein Risikofaktor. Es hängt jedoch gleichzeitig auch damit zusammen, dass Frauen in Naturvölkern geringere Raten an lebensstilbedingten hormonellen Dysbalancen, Mikronährstoffmängeln, Entzündungen, sowie Stoffwechselveränderungen haben, die den „fruchtbaren Boden“ für ein unkontrolliertes Schleimhautwachstum in der Bauchhöhle darstellen. Und dieses unkontrollierte Schleimhautwachstum ist ein Kern der Endometriose. Für eine erfolgreiche Behandlung der Endometriose ist es wichtig diese funktionellen Veränderungen zu adressieren.

Die Endometriose ist eine funktionelle Veränderung und nicht nur ein simpler Organschaden

Wie bei so vielen modernen Erkrankungen (Endometriose ist eine moderne Erkrankung) liegen auch der Endometriose funktionelle Veränderungen in Immunsystem, Energiestoffwechsel und Nervensystem zu Grunde, die bei der Behandlung adressiert werden sollten. Diese funktionellen Veränderungen haben einiges zu tun mit unserem modernen Leben. Das wird auch dadurch eindrücklich, dass die Endometriose auch bei Affen in freier Wildbahn so gut wie gar nicht vorhanden ist, aber bei Affen in Gefangenschaft in deutlich höherer Rate vorkommt.

Wenn man die Endometriose rein als „Fehler der Gebärmutter“ betrachtet, und daher die zugrundeliegenden Ursachen nicht adressiert, dann schöpft man nicht die vollen Behandlungsmöglichkeiten aus. Wenn man jedoch erkennt, dass den chronisch-entzündlichen Veränderungen chronisch-funktionelle Veränderungen in Energiestoffwechsel, Immunsystem und Nervensystem zu Grunde liegen, dann nimmt man eine Perspektive ein, die therapeutisches Potential hat.

Ursachendiagnostik zur erfolgreichen Behandlung der Endometriose

Es gibt zwei verschiedene Formen der Endometriose, die gerne zusammengewürfelt werden, aber tatsächlich differenziert zu betrachten sind. Zum Einen gibt es die Adenomyose, die sich durch „Knoten“ in der Gebärmutterwand auszeichnet und es gibt die Endometriose, bei der sich Gebärmutterschleimhautgewebe entzündlich in der Bauchhöhle ausbreitet.

Die Rolle des Energiestoffwechsels bei der Behandlung der Endometriose

Beide Formen der Endometriose sind assoziiert mit Veränderungen im Energiestoffwechsel im Sinne der Insulinresistenz. Diese ist diagnostisch bei der Endometriose immer auszuschliessen, denn sie stellt einen wichtigen ursächlichen Risikofaktor dar, weil unter Insulinresistenz eine chronische Aktivierung der molekularen Pfade mTOR/AKT/PI3K stattfindet, die ein unkontrolliertes und entzündliches Schleimhautwachstum deutlich begünstigt. Die Insulinresistenz ist eine lebensstilbedingte Veränderung, die sich über Mikronährstofftherapie, hormetische Medizin und Ernährungsmedizin behandeln lässt.

Die Rolle der Hormone bei der Behandlung der Endometriose

Ebenfalls häufig anzutreffen im Kontext der Endometriose ist eine Östrogendominanz, die sich durch erhöhtes Östrogen bei normalen oder niedrigem Progesteron oder normales Östrogen bei niedrigem oder dysfunktionalem Progesteron auszeichnet. Der Östrogenstoffwechsel wird beeinflusst durch Umweltöstrogene aus Nahrung und Kosmetika, der Stoffwechselumwandlung der Östrogene in der Leber, sowie der finalen Ausscheidung über den Darm. Dort kommt es immer wieder mal zu Abbbaustörungen, so dass sich Östrogene anstauen, die dann eine schmerzhafte Periode und eine schmerzhafte Endometriose deutlich begünstigen. Für eine erfolgreiche Behandlung der Endometriose sollte eine hormonelle Dysbalance anamnestisch und diagnostisch ausgeschlossen werden.

Die Rolle des Immunsystems bei der Behandlung der Endometriose

Der Endometriose liegt eine chronisch entzündliche Aktivität des Schleimhautgewebes zu Grunde. Die Entzündung ist die Sprache des Immunsystems und eine chronische Aktivierung des Immunsystem formt ein immunologisches Gedächtnis, welches therapeutisch durchbrochen werden muss um die Entzündung aufzulösen. Dazu kann man empirisch vorgehen, also mit generellen entzündungsmodulierenden Strategien, oder man kann eine individuelle Diagnostik durchführen um herauszufinden welche Substanzen und Strategien den grössten therapeutischen Effekt für die Behandlung der Endometriose haben werden.

Die Epigenetik der Endometriose

Auch genetische Faktoren sind zu beleuchten, denn ein Polymorphismus in den Genen COMT und/oder MTHFR kann eine Endometriose begünstigen, weil das COMT Enzym für die Abbaureaktion von Östrogenen mitverantwortlich ist. Neben den Östrogenen werden über dieses Enzym auch Stresshormone abgebaut. Wenn durch einen genetischen Polymorphismus nun eine reduzierte enzymatische Funktion vorliegt, dann ist die Verstoffwechselung von Östrogenen unter Stress deutlich reduziert was zu einer chronischen Östrogendominanz führen kann. Dieses Gen und das dazugehörige Enzym lässt sich -anhand neuester epigenetischer Erkenntnisse- über individuelle Mikronährstofftherapie gezielt in seiner Funktion stärken um damit Endometriose erfolgreicher zu behandeln.

Die Rolle der Darmfunktion bei Endometriose

Ein weiterer diagnostischer Ansatzpunkt ist die bakterielle Endotoxämie des Beckens, die sich bei einem Grossteil der Frauen mit Endometriose zeigt. Dabei finden sich entzündliche Darmbakterien im Bauchraum und im Becken. Diese gelangen dort hin durch undichte Barrieren im Bereich des Darms. Dies nennt sich intestinale Permeabilität (auch genannt Leaky Gut) und ist eine lebensstilbedingte pathologische -jedoch reversible- Veränderung des Darmepithels.

In meinem Interview im EndoPower Podcast gehen wir weiter ins Detail und zeigen bereits einige therapeutische Lösungsmöglichkeiten auf.

Endometriose Behandlung Podcast EndoPower

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