MOJO ARTIKEL

Atemtherapie bei Long COVID

Geschrieben von Dr. Gerrit Keferstein

Dr. Gerrit Keferstein ist Arzt und Gründer des MOJO Instituts.
Worum handelt es sich bei LongCOVID?

Bei Long COVID handelt es sich um eine systemische, funktionelle und zellbasierte Veränderung mit weitreichenden und lebenseinschneidenden Symptomen. Die Atemtherapie kann eine wirksame Behandlung bei Long COVID sein. Im abschliessenden Detail wurde diese Erkrankung noch nicht verstanden, jedoch zeigen sich viele bekannte Überschneidungen mit anderen postinfektiösen Ermüdungs- und Degenerationserscheinungen und Erkrankungen wie Chronic Fatigue Syndrom (CFS/ME) und Mitochondriopathien.

Wenn man mit dem rein organbasierten Denken an diese Erkrankung drangeht, dann wird man in den meisten Fällen keine vernünftige Lösung für Behandlung von Long COVID entwickeln können, weil sich diese Erkrankung nicht auf ein Organ beschränkt. Im Kern dieser Erkrankung liegen die Veränderungen in der Kommunikation zwischen den Organen (systemisch, funktionell) sowie die Veränderungen auf Zellebene und in den Mitochondrien (zellbasiert).

Warum wirkt Atemtherapie?

Kürzlich haben die Kassenärztlichen Vereinigung und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen ein gemeinsames ärztliches und therapeutisches Sonderbudget definiert. Mit diesem bekommen Patientinnen und Patienten mit Long COVID Zugang zu bis zu 24 Behandlungen a 60 Minuten Atemtherapie, Die Atemtherapie ist deshalb eine wichtige Intervention, denn :

  • Atmung hat direkten Einfluss auf das Immunsystem. Durch Veränderungen in der Atemphysiologie werden direkte Signale an das Immunsystem gesendet. So wurde u.a. gezeigt, dass Atemtherapie (in Kombination mit Kältetherapie) symptomatische Immunaktivität nach Kontakt mit einem Erreger deutlich reduziert. Die biochemischen immunmodulierenden Effekte der Atmung werden sowohl über Veränderungen in der Atemfrequenz, aber auch der Atemtiefe erreicht. Im Kontext von Long COVID herrscht häufig eine subklinische Inflammation (silent inflammation) sowie eine Verschiebung des Immunsystems, welche u.a. durch Atemtherapie behandelt werden kann.
  • Atmung hat direkten Einfluss auf das Nervensystem. Über das Verhältnis von Ein- und Ausatmung lässt sich das autonome Nervensystem modulieren. Durch spezielle Techniken lässt sich das parasympathische Nervensystem und der regenerationsfördernde Vagusnerv messbar in seiner Aktivität steigern. Bei Long COVID zeigt sich in den allermeisten Fällen eine Dominanz des sympathischen Nervensystem was u.a. die Effekte von einer Behandlung mit Atemtherapie bei Long COVID erklärt.
  • Atmung hat direkt Einfluss auf die Zellen. Durch spezielle Atemtechniken lässt sich die Sauerstoffversorgung von Zellen verändern. Dazu kann man auch therapeutische Sauerstoffunterversorgung der Zellen (Hypoxie) einsetzen. Dadurch werden regenerationsfördernde biochemische Faktoren wie HIF-1 ausgeschüttet. Ausserdem werden durch solche Atemtechniken die Mitochondrien in ihrer Funktion gestärkt.
  • Atmung hat wichtige Wirkungen auf Lunge und Gefässe. Bei Long COVID steht eine (entzündliche) Beteiligung von Lunge und Gefässen im Vordergrund. Durch Atemtherapie wird die Lunge trainiert und es wird Edukation betrieben um mit Luftnot besser umgehen zu können und diese auch loszuwerden. Auch die Gefässe profitieren von dem entzündungsmodulierenden Effekt der Atemtherapie.

Verschreiben Hausärzte Atemtherapie bei Long COVID?

Ärzte sind in der Regel darüber aufgeklärt, dass es neue Sonderbudgets mit „besonderem Verordnungsbedarf“ gibt, und dass die Atemtherapie wichtiger Teil guten Therapie für Long COVID ist.

Diese Sonderbudgets sind deshalb wichtig, weil dies Ärzten ermöglicht die Atemtherapie zu verschreiben, OHNE dass ihr ärztliches Budget angezapft wird, was in der hausärztlichen Versorgung ein wichtiges Argument gegen eine Rezeptierung sein kann.

Im privatärztlichen Bereich stellt dies auch ohne Sonderbudgetierung eine geringere Hürde dar, aber auch dort wird im speziellen Fall Long COVID ein höheres Erstattungsermessen der privaten Krankenversicherer angesetzt.

Wird Atemtherapie auch im MOJO Institut angeboten?

Die Atemtherapie wird im MOJO Institut auf zwei Arten und Weisen angeboten. Mit dem Fokus Long COVIDbieten wir Atemtherapie über unsere Physiotherapie an und alle unsere Therapeutinnen und Therapeuten sind ausführlich geschult in den verschiedenen modulierenden Aspekten von Atemtherapie.

Auch in der Medizin bieten wir Atemtherapie an, dort aber mit dem speziellen Ziel der Bewusstseinsveränderung um damit innere Hürden zu überwinden, die einen von Regeneration abhalten könnten.

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Quellen

https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Long-COVID-Aerzte-duerfen-Heilmittel-ohne-Regressangst-verordnen-420472.html

https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/mehr-physio-und-ergotherapie-fuer-long-covid-patienten-15275/

Muzik, Otto, Kaice T. Reilly, and Vaibhav A. Diwadkar. 2018. “‘Brain over Body’-A Study on the Willful Regulation of Autonomic Function during  Cold Exposure.” NeuroImage 172:632–41.

Kox, Matthijs, Lucas T. van Eijk, Jelle Zwaag, Joanne van den Wildenberg, Fred C. G. J. Sweep, Johannes G. van der Hoeven, and Peter Pickkers. 2014. “Voluntary Activation of the Sympathetic Nervous System and Attenuation of the  Innate Immune Response in Humans.” Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 111(20):7379–84.

Ledford, Heidi. 2014. “Behavioural Training Reduces Inflammation.” Nature.

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